Roßkampff (Adelsgeschlecht)

Roßkampff (auch Roskampff, ursprünglich Roßkamp, ab 1690 auch Roßkampff von Fleinberg o. ä.) ist der Name eines erloschenen westfälischen Patrizier- und Adelsgeschlechts.

Geschichte

Ursprünge

Das Geschlecht stammt ursprünglich aus dem Herzogtum Kleve. Der Familienname Roßkamp ist die Benennung nach der Wohnstätte zu mittelniederdeutsch „ros“ Ross, Pferd und mittelniederdeutsch „kamp“ Landstück, für jemanden, der an einem Feld wohnte, auf dem Pferde weideten, bzw. an oder auf einem gleichnamigen Flurstück.[1] Im Bergischen Land gibt es die Ortslage Roßkamp.

In Lippstadt erwarb 1640 der fürstlich hessische Rittmeister Lambert Roßkamp mit seiner Ehefrau Margaretha eine städtische Schuldverschreibung in Höhe von 200 Reichstalern, womit sie Gläubiger von Lippstadt wurden.[2] Der Rittmeister Lambert Roßkamp gewährte 1648 der Stadt Brilon einen Kredit über 600 Reichstaler. Möglicherweise ist er identisch mit dem hessen-kasselischen Rittmeister Rembert Roßkamp, der 1646 an Westernkotten 100 Reichstaler verlieh.[3] 1656 schrieb der schwedische Feldmarschall Hans Christoph von Königsmarck an Oberstleutnant Lambert Roßkamp wegen des Marsches geworbener Regimenter nach Pommern.[4] Im Februar 1659 erwarb der vormals in schwedischen Diensten stehende Oberstleutnant Lambert Roßkampff († 1681) aus Lippstadt kommend die Soester Bürgerschaft.[5] Seine Ehefrau Margaretha starb am 3. Mai 1694 im Alter von 76 Jahren.[6] Deren Eltern waren der Kanzler und lippesche Drost Bernhard von Beckmann († 1664, beigesetzt in der Großen Marienkirche in Lippstadt[7]) und Eva geb. von Rosen.[8] Die Familie (von) Beckmann[9][10] war mit dem lippeschen Landdrosten Hermann Beckmann (* 1505) nach Lippstadt gekommen.[11] In Soest gehörte die Familie Roßkampff zum Honoratiorentum, später zum Stadtadel.[5]

Linie in Heilbronn

Lamberts ältester Sohn Peter Roßkampff († 1692) zog weiter nach Süddeutschland, wo er 1677 in Heilbronn ansässig wurde und dem „Inneren Rat“ angehörte. Am 2. Oktober 1690 erhielt er als Reichshofrat seinen rittermäßigen Adelsstand für das Reich und die Erblande mit dem Prädikat „von Fleinberg“ bestätigt bzw. neuverliehen.[12] Seine Nachkommenschaft bestand dort als angesehene reichsständische Ratsfamilie bis um 1800.[5] Peters Sohn Josef Heinrich von Roßkampff (1681–1728), verheiratet mit Anna Wilhelmina (1683–1766), wurde 1716 Senator in Heilbronn, starb jedoch früh. Sein Sohn Georg Heinrich von Roßkampff (1720–1794) war Heilbronner Ratsmitglied und Bürgermeister. Er erbaute das Roßkampfsche Haus, das 1790 erbaut und 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Georg Heinrich von Roßkampff war in erster Ehe mit Margaretha Metzger geb. Geiling (1710–1780), der Tochter des Bürgermeisters Johann Georg Geiling, verheiratet. Durch diese Heirat war er auch gleichzeitig Schwager des Bürgermeisters Johannes Schübler. In zweiter Ehe heiratete er 1784 Rosina Elisabeth von Kinckel (1736–1808), die Nichte des Heilbronner Bürgermeisters Georg Heinrich von Pancug und Witwe des Esslinger Bürgermeisters Johann Andreas Harpprecht von Harpprechtstein (1706–1771; Sohnes des Stephan Christoph Harpprecht von Harpprechtstein). Weder aus erster Ehe noch aus zweiter Ehe gingen Kinder hervor, gleichwohl hatte Roßkampff eine uneheliche Tochter Johanna Christina Barbara, deren Mutter aus der Metzgersfamilie Nübel stammte.

Linie in Soest

Von den anderen Söhnen Lamberts gingen die Soester Zweige der Familie aus. Johann Christoph von Roßkampff (1649–1723) war ab 1689 Mitglied der Stalgadum-Gesellschaft. Er war verheiratet mit Anna Ursula Klotz, Tochter des Soester Bürgermeisters Gerhard Klotz dem Jüngeren und Schwester des Bürgermeisters Otto Gerhard Klotz. 1718 wurde er noch als 70-Jähriger Soester Bürgermeister. Sein Sohn Karl Dietrich von Roßkampff (1691–1775) war ab 1719 Mitglied der Stalgadum-Geselllschaft. Er war in kinderloser Ehe mit Anna Dorothea Elisabeth Schwachenberg, Tochter des Soester Bürgermeisters Johann Arnold Schwachenberg, verheiratet. Zwischen 1734 und 1743 war er vierfacher Soester Bürgermeister. Mit ihm erlosch 1775 der Bürgermeisterzweig der Familie im Mannesstamm. Ein Großrichterzweig der Familie bestand noch länger. Johann Arnold von Roßkampff († 1713) zu Sassendorf, jüngerer Bruder des o. g. Bürgermeisters Johann Christoph von Roßkampff und vormals brandenburgischer Kornett, hatte aus seiner Ehe mit der Bürgermeistertochter Helene Gertrud Jacobi einen Sohn namens Johann Ludolf von Roßkampff († 1768). Dieser wurde in Nachfolge der Schmitz Soester Großrichter. Auch sein ältester Sohn aus seiner Ehe mit Anna Elisabeth Offerhaus, einer Schwester des Soester Bürgermeisters Johann Friedrich Offerhaus, Johann Friedrich von Roßkampff (1723–1781), hatte ab 1753 das Soester Großrichteramt inne. Mit dessen Töchtern und den Töchtern seines Bruder Christoph Dietrich Johann von Roßkampff ist das Geschlecht von Roßkampff in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erloschen.[5]

Persönlichkeiten

  • Johann Christoph vom Roßkampff (1649–1723), 1718–1720 zweifacher Bürgermeister der Stadt Soest
  • Karl Dietrich von Roßkampff (1691–1775), zwischen 1734 und 1743 vierfacher Bürgermeister der Stadt Soest
  • Georg Heinrich von Roßkampff (1720–1794), Ratsmitglied und Bürgermeister der Stadt Heilbronn

Wappen

Blasonierung des redenden alten Stammwappens
In Rot drei (2:1) silberne Pferdeköpfe. Auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein silberner Pferdekopf.[13]
Blasonierung des Wappens von 1690
Von Blau und Rot gespalten; davor auf grünem Grund ein zum Kampf geharnischter Reiter auf einem schwarzen Ross mit goldenem Sattel, in der Rechten ein Schwert emporhaltend. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein Rosskopf mit Hals zwischen einem offenen von Silber und Blau übereck geteilten Flug.

Sonstiges

Nach der Familie Roßkampff wurde in Heilbronn die Roßkampffstraße benannt (siehe auch Roßkampffstraße 4 und Roßkampffstraße 22 und 24).

Literatur

Einzelnachweise

  1. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD), ein Projekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz: Roßkamp (Abgerufen am 27. November 2025.)
  2. Stadtarchiv Lippstadt, Signatur Chal. B I 109 (Abgerufen am 25. November 2025.)
  3. Bernd Warlich: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten: Roßkamp, Lambert (20. April 2012; Abgerufen am 25. November 2025.)
  4. Niedersächsisches Landesarchiv, Rep. 5a Schwedisches Regierungsarchiv, Signatur NLA ST Rep. 5a Nr. 3313 (Abgerufen am 25. November 2025.)
  5. a b c d Klocke (1927), S. 178 f.
  6. Das Geschlecht Höyinck. Nachträge zu der Genealogie, in: Franz Honselmann: Sauerländisches Familienarchiv. Mitteilungen zur Geschichte westfälischer Geschlechter. Ausgaben 1–11, 1904, S. 99, 10 b.
  7. Forschungen zur Volkskunde. Ausgaben 46–47, 1972, S. 222.
  8. Anfrage in Betreff des Soester Geschlechts v. Rosskampf [mit Stammtafel], in: Der deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- u. Familienkunde, Band 10, Berlin 1879, S. 81.
  9. Spießen (1901–1903), S. 9, Tafel 19, Nr. 8.
  10. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 1, Leipzig 1859, S. 263.
  11. Friedrich von Klocke: Antworten auf die Rundfragen, Zu Nr. 105. (v.) Beckmann. in: Familiengeschichtliche Blätter, Band 9, 1912, S. 196.
  12. AT-OeStA/AVA Adel RAA 352.19
  13. Spießen (1901–1903), S. 107.