Rittergut Kronsberg
Das Rittergut Kronsberg befand sich im heutigen Stadtteil Mittelfeld der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover.[1] Es entstand ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen, anfangs in Laatzen gelegenen Höfen der Familie von Alten[2] als Gutshof am Kronsberg und wurde 1890 zum Rittergut.[3] Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten Fliegerbomben 1943 die Baulichkeiten,[4] an deren Stelle später das Parkhotel Kronsberg errichtet wurde.[1]
Geschichte
Nachdem zur Zeit des Königreichs Hannover ein von-Altensches Gut in Laatzen 1857 durch einen Brand zerstört worden war,[4][Anm. 1] erwarb der in Wilkenburg ansässige Graf Victor von Alten[2] 4 Laatzener Vollmeierhöfe,[1] die er zu einem Gut zusammenlegen wollte. Aufgrund eines im Königreich Hannover geltenden Gesetzes legte die Gemeinde jedoch Widerspruchs gegen eine solch große Zusammenballung von Grundbesitz ein; der Graf überließ daraufhin einen der vier Höfe seinem Sohn.[2] Ebenfalls 1857 wurde das massive zweistöckige Herrenhaus erbaut, dessen Vorderseite zu den zeitgleich ebenfalls massiv gebauten Wirtschaftsgebäuden ausgerichtet war, Die Rückseite des Herrenhauses war zum Park ausgerichtet und war Teil des dann als Gut Laatzen bekannten Anwesens.[3]
Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 erwarb der „Pächter der Domäne Buttenstedt bei Peine, Gotthelf Jacobson“[2] beziehungsweise „Jacobsohn aus Hannover“[3] sämtliche 4 Höfe, die er nach nunmehr preußischem Recht zusammenlegen konnte und daraus das Gut Kronsberg bildete.[2]
Nachfolger des Besitzes wurde der Amtsrat Gudewill von der Domäne Grohnde. Ihm folgte Hermann Kamlah,[3] der „die Rittergutsmatrikel des Gutes Heitlingen“ erworben hatte,[2] woraufhin nun auch dem Gut Kronsberg die Eigenschaften als Rittergut beigelegt wurden.[3]
1922 erwarb das Stephansstift aus Hannover das Gut,[1] um dort Jugendliche unterzubringen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die Gutsgebäude während der Luftangriffe auf Hannover am 22. September 1943 zerstört; drei Jugendliche kamen in den Trümmern zu Tode.[4]
1961 wurde das Grundstück an die Stadt Hannover verkauft. Darauf eröffnete 1965 das Parkhotel Kronsberg,[1] das unmittelbar am Messeschnellweg liegt.
Im Jahr der Expo 2000 wurde in den Stadtteilen Bemerode und Mittelfeld die nach dem ehemaligen Rittergut Kronsberg benannte Straße Gut Kronsberg angelegt, die von der Weltausstellungsallee zum Messeschnellweg führt.[5]
Auf dem früheren Gutsgelände befindet sich ein kleines Waldstück mit der Bezeichnung Messewäldchen. Es ist nach dem Messegelände Hannover benannt, das auf der gegenüberliegenden Seite des Schnellwegs liegt.
Literatur
mit genaueren Angaben zm Gut um 1910:
- Gustav Stölting, Börries Freiherr von Münchhausen (Hrsg.): Kronsberg, in dies.: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung, Geschichte, Rechtsverhältnisse und 121 Abbildungen. Auf Beschluß der Ritterschaft und unter Mitwirkung der einzelnen Besitzer herausgegeben ... Hannover, 1912, S. 91.
mit genaueren Angaben zu den vier früheren Höfen:
- Heinrich Wanner der Ältere: Die Dörfer Döhren, Wülfel, Laatzen im kleinen Freien bei Hannover, in: Hannoversche Geschichtsblätter, S. 305ff.; hier: S. 349; Google-Books
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Davon abweichend wird - widersprüchlicherweise, wohl ein Druckfehler - 1867 als das Jahr des Brandes genannt; vergleiche Gustav Stölting, Börries Freiherr von Münchhausen (Hrsg.): Kronsberg, in dies.: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung, Geschichte, Rechtsverhältnisse und 121 Abbildungen. Auf Beschluß der Ritterschaft und unter Mitwirkung der einzelnen Besitzer herausgegeben ... Hannover, 1912, S. 91.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Klaus Mlynek: Mittelfeld, in: Stadtlexikon Hannover, S. 446
- ↑ a b c d e f Heinrich Wanner der Ältere: Die Dörfer Döhren, Wülfel, Laatzen im kleinen Freien bei Hannover, in: Hannoversche Geschichtsblätter, S. 305ff.; hier: S. 349; Google-Books
- ↑ a b c d e Gustav Stölting, Börries Freiherr von Münchhausen (Hrsg.): Kronsberg, in dies.: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung, Geschichte, Rechtsverhältnisse und 121 Abbildungen. Auf Beschluß der Ritterschaft und unter Mitwirkung der einzelnen Besitzer herausgegeben ... Hannover, 1912, S. 91.
- ↑ a b c Jens Schade: Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Das Rittergut Kronsberg ging im Bombenhagel unter, Aufsatz auf der Seite myheimat.de 5. Juni 2016, zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2025
- ↑ Helmut Zimmermann: Hannovers Straßennamen. Veränderungen seit 1997, in: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 54 (2000), S. 177–189; hier: S. 181
Koordinaten: 52° 19′ 28,6″ N, 9° 48′ 56,3″ O