Rittergut Bettensen
Das Rittergut Bettensen befindet sich im Ortsteil Ihme-Roloven der Stadt Ronnenberg innerhalb der Region Hannover in Niedersachsen. Die vermutlich bereits im 12. Jahrhundert bestehende Anlage wurde im Jahre 1439 erstmals erwähnt. Seit 1765 steht das Rittergut im Besitz der Freiherren von Münchhausen. Der heute unter Denkmalschutz stehende Gebäudebestand stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Geschichte
1437 wird das Rittergut in einem Lehensbrief von Herzog Bernhard II. als Herzog von Sachsen-Lauenburg erwähnt, der auch Lehensgeber war. Spätere Lehensgeber des Gutes waren die Grafen von Hallermund, die Grafen von Wunstorf, die Bischöfe von Minden und die Herzöge von Braunschweig sowie die Fürsten von Calenberg.
Das ehemals als Sattelhof geführte Gut hatte im Laufe der Geschichte wechselnde Besitzer. Dazu zählten die Familien von Hahnensee, von Steding, von Grapendorf und von Grote sowie seit 1764 die von Münchhausen.
Erste Lehnsnehmer, urkundlich seit 1439, waren die Herren von Hahnensee (Hanenze, Hanensee). 1641 wurde Johann Eberhard von Steding mit Bettensen belehnt, 1665 Hieronymus von Grapendorff, Geheimer Rat des Herzogs Georg Wilhelm und von 1667 bis 1671 Großvogt in Celle. Nach dem kinderlosen Tod seiner Söhne wurden 1712 die fünf Söhne des Otto Grote zu Schauen mit dem Gut Bettensen belehnt; der bereits 1693 verstorbene Vater war Geheimer Rat und Kammerpräsident des calenbergischen Herzogs Ernst August gewesen, dem er 1692 zur Kurfürstenwürde verholfen hatte. Ab 1730 war Heinrich Grote zu Schauen als einzig verbliebener Sohn Lehensnehmer. 1753 folgte Georg Grote zu Wrestedt.
Nachdem im Jahre 1764 der letzte von Grote auf Bettensen ohne Nachkommen verstorben war, kam das Gut als Lehen an Friedrich Otto von Münchhausen, aufgrund einer General-Lehens-Exspektanz, die seinem 1762 verstorbenen Vater, dem kurhannoverschen Staatsminister Philipp Adolph von Münchhausen, Herr auf Steinburg, im Jahr 1749 erteilt worden war. Aus jener Zeit wird berichtet, dass der wohl berühmteste Münchhausen-Spross, der Gutsbesitzer aus Bodenwerder und frühere braunschweigische und russische Offizier Carl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, bekannt aus den Geschichten über den Lügenbaron, auf seinem Weg von Bodenwerder „zum königlichen Hof nach Hannover“ gern im Gut Bettensen eingekehrt sei, um seine Verwandten zu besuchen.[1] Aufzeichnungen über seine Besuche sind vor einiger Zeit leider verloren gegangen.[2] 1797 ging das Gut von Friedrich Otto von Münchhausen an seinen Neffen Philipp Adolph Friedrich von Münchhausen auf Steinburg als Erben. Dessen Nachfahren lebten bis 1945 auf Schloss Steinburg (zwischen Weimar und Halle) und suchten das von einem Verwalter geführte Gut Bettensen nur gelegentlich auf. Nach der Enteignung von Steinburg 1945 wurde Bettensen zum Hauptwohnsitz; es gehört bis heute den Freiherren von Münchhausen.
Beschreibung
Das Rittergut Bettensen ist von einer Graft umgeben, die von der vorbeiführenden Ihme gespeist wird. Am Hof liegen zwei größere Wasserflächen, die als Teiche der Fischzucht dienten. Zur früheren Plantage, auch Bettenser Garten genannt, auf dem Bettenser Berg führt vom Gut aus eine lange Obstbaumallee. Dort wurde 1794 ein Jagdhaus errichtet, das später als Gaststätte und heute als Wohnhaus dient.
Zur Zeit der Familie von Grote entstand in den Jahren von 1715 bis 1750 der heute noch vorhandene Gebäudebestand. Dazu zählt das Herrenhaus, das heute Winterhaus genannt wird. Es ist mit einem langgestreckten Hallenhaus, einem Wirtschaftstrakt mit einem Dachreiter, verbunden, der als Speicher und für Wagen diente. Die vor 1715 bestehenden Gebäude wurden bis zum Jahr 1800 abgerissen.
1733 wurde das Sommerhaus als höfisch-barocke Version eines Gartenhauses erbaut, mit einem Mittelrisaliten mit Zwerchdach und gedecktem Dreiecksgiebel. Es steht nach vorne versetzt neben dem Winterhaus, mit dem es durch zwei kleinere Gebäudeteile über Eck verbunden ist. Die Benennung leitet sich davon ab, dass es für Sommerfeste genutzt wurde und Repräsentationszwecken diente. Es enthält im Parterre einen Gartensaal. Die bedeutende Sammlung an Porträts von Fürsten des Welfenhauses sowie verwandter europäischer Fürsten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, seinerzeit diplomatische Geschenke, geht auf den Staatsmann Otto Grote zu Schauen zurück und wurde aus dem Nachlass des kurhannoverschen Staatsministers und Chefs der Deutschen Kanzlei in London, Philipp Adolph von Münchhausen, ergänzt. Sie befindet sich heute zum größeren Teil als Leihgabe im Residenzmuseum des Celler Schlosses.[3] 1750 entstand die neue Scheune, eine Längsdurchfahrtsscheune aus Fachwerk, die rechtwinklig versetzt zum Sommerhaus die Hofanlage rahmt. Das Tor- und Schäferhaus wurde 1952 durch einen Neubau ersetzt. Seit den 1990er Jahren erfolgt eine schrittweise Sanierung des Gutshofes.
Das bewohnte Anwesen ist nur bei Veranstaltungen oder beim Tag des offenen Denkmals zu besichtigen.
Literatur
- Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung, Geschichte, Rechtsverhältnisse und 121 Abbildungen. Auf Beschluß der Ritterschaft und unter Mitwirkung der einzelnen Besitzer herausgegeben von Gustav Stölting-Eimbeckhausen und Börries Freiherr von Münchhausen-Moringen. Hannover, 1912, S. 14–16.
- Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Landkreis Hannover, Band 13.1, herausgegeben von Hans-Herbert Möller, bearbeitet von Henner Hannig, Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1988, ISBN 3-528-06207-X, S. 245–246.
Weblinks
- Kurzbeschreibung bei burgen-und-schloesser.net
- Beschreibung des Ritterguts
- Beschreibung des Gutshofes
Einzelnachweise
- ↑ Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen - Eine Stadt, Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 28.
- ↑ Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen - Eine Stadt, Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 73 f.
- ↑ Siehe etwa Kurfürst Georg Ludwig, Prinz Karl Philipp, Sophie Dorothea in Preußen, Friedrich III. von Dänemark.
Koordinaten: 52° 17′ 56,9″ N, 9° 39′ 48,5″ O