Hiskia Ndjoze-Uanivi

Hiskia Ndjoze-Uanivi, Kampfname Rirua Karihangana, (* 28. Oktober 1946 im Hereroland, Südwestafrika) ist ein Pastor, ehemaliger Politiker und Anti-Apartheid-Aktivist in Namibia.[1]

Während des Anti-Apartheid-Kampfes engagierte er sich in Studentenbewegungen gegen die südafrikanische Besatzung in Namibia und war als Pastor in der SWAPO aktiv. 1979 wurde er aus dem SWAPO-Zentralkomitee verdrängt und verbrachte ein Jahrzehnt im Exil. Seit seiner Rückkehr nach Namibia 1989 leitet er seine eigene religiöse Gruppe.

Leben

Jugend und Studenten-Aktivismus

Ndjoze-Uanivi wurde als Mitglied der Ovambanderu im Hereroland geboren.[1][2] Im Alter von 11 Jahren wurde er Jugend-Kommandant der Grünen Flagge.[1] Er ging an die Rietquelle Higher Primary School in Aminuis (1957–1965), wo er die sechste Klasse erreichte. Während der Jahre an der Rietquelle School wurde er Mitglied einer vereinten Green Flag-Red Flag-Jugendgruppe.[1] 1966 bis 1967 besuchte er die siebte Klasse des Augustineums in Okahandja, wo er der SWAPO Youth League (SWAPO-Jugendliga) beitrat.[1][2] 1968 besuchte er die achte Klasse des nach Windhoek umgezogenen Augustineums, wurde jedoch zusammen mit sieben anderen Schulsprechern der Schule verwiesen, weil er eine Petition verfasst hatte und der Verbreitung kommunistischer Ideen unter den Schülern beschuldigt worden war. Ndjoze-Uanivi absolvierte die Schule bis zur zehnten Klasse per Fernunterricht, seine Prüfungen wurden ihm jedoch verweigert.[1]

Ndjoze-Uanivi studierte von 1969 bis 1972 am Paulineum Theological Seminary und schloss mit einem Diplom in Theologie ab. Er war der erste Vorsitzende des Studentenrats des theologischen Seminars und spielte eine Schlüsselrolle bei der Organisation des offenen Briefes namibischer Kirchen an den südafrikanischen Premierminister John Vorster im Jahr 1971. Anschließend schloss er sich der Windhoeker Gemeinde der Evangelisch-Lutherische Kirche in Südwestafrika (ELK/SWA) an. Der SWAPO-Aktivist Axel Johannes beauftragte Ndjoze-Uanivi und Jerry Ekandjo, nach Walvis Bay zu reisen, um die Arbeiter im Vorfeld des Generalstreiks von 1971/72 zu organisieren. Als Pastor engagierte er sich sozial in Windhoek-Katutura und organisierte 1972 einen Protest, um dem UN-Generalsekretär Kurt Waldheim eine Petition zu übergeben.[1] Im Anschluss an den Protest wurde er verhaftet und verhört. Er vertrat die SWAPO auf dem Nationalkonvent 1972, nachdem er von Aaron Muchimba nominiert worden war. 1972 reiste Ndjoze-Uanivi nach Kenia, wo er an einem Radio-Evangelisations-Kurs teilnahm. Nach der Rückkehr in sein Heimatland wurde er erneut verhaftet und zwei Tage lang festgehalten.[1][2]

Vom SWAPO-Anführer zum Dissidenten im Exil

Ab 1974 war Ndjoze-Uanivi in der Gemeinde Otjiwarongo der ELKS/SWA tätig. Er wurde stellvertretender Vorsitzender des SWAPO-Ortsverbands Otjiwarongo und versorgte Kämpfer der People’s Liberation Army of Namibia (PLAN), die durch das Gebiet zogen, mit Lebensmitteln und Medikamenten.[1]

Ndjoze-Uanivi wurde im September 1975 verhaftet, zusammen mit vielen anderen Namibiern, die nach der Ermordung von Ondonga-König Filemon Elifas von den südafrikanischen Behörden festgenommen wurden.[1][3] Er wurde in Gefangenschaft gefoltert und nach Otavi gebracht, wo er in Einzelhaft gehalten wurde.[1] Ende November 1975 wurde Ndjoze-Uanivi freigelassen. Nach seiner Freilassung begann er an der Martin Luther High School zu arbeiten. Ndjoze-Uanivi blieb weiterhin Organisator innerhalb der SWAPO.[1]

Ndjoze-Uanivi verließ Südwestafrika 1977 und reiste über Botswana ins Exil in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Im November 1977 wurde er zum SWAPO-Chefrepräsentanten in Angola ernannt und zog 1978 nach Luanda. Dort arbeitete er als Rundfunksprecher für den Radiosender Voice of Namibia. Nach und nach entwickelte er sich innerhalb der SWAPO-Führung zu einer kritischen Stimme und kritisierte offen verschiedene Resolutionen der Vereinten Nationen.[1] Im Januar 1979 wurde Ndjoze-Uanivi aus dem SWAPO-Zentralkomitee ausgeschlossen.[1][2] Nach seinem Ausschluss aus der SWAPO-Führung blieb er in Luanda und unterstützte den angolanischen Präsidenten Agostinho Neto nachdrücklich.[1] 1981 gründete Ndjoze-Uanivi die Kommunistische Partei von Namibia und wurde deren erster Generalsekretär. Er kehrte 1989 nach Namibia zurück. Im selben Jahr beteiligte er sich an der Gründung der Socialist Alliance of Namibia (SAN) und wurde neben Werner Mamugwe einer der amtierenden Sekretäre der SAN.[1][2][4]

Bischof

Bis 1991 war Ndjoze-Uanivi Generalsekretär des National Christian Council of Namibia (NCCN).[5][6] Im September 2000 wurde Hiskia Vorsitzender einer Abspaltung der Assemblies of God, die sich als Assemblies of God Movement in Namibia registrieren lassen wollte. Die Assemblies of God protestierten gegen den Registrierungsversuch beim Handelsministerium und bezeichneten Ndjoze-Uanivis Kirche als „abtrünnige Gruppe“. Am 28. Juni 2006 ordnete der Oberste Gerichtshof von Namibia an, dass Ndjoze-Uanivis Kirche ihren Namen innerhalb von 14 Tagen ändern müsse, da dieser dem Namen der registrierten Assemblies of God zu ähnlich sei.[7] 2023 war Ndjoze-Uanivis Kirche die Archdiocese of the Divine Word („Erzdiözese des Göttlichen Wortes“).[8]

Familie

Ndjoze-Uanivi war mit Kuraumune verheiratet; das Paar hat sechs Kinder.[1][2]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q Joe Pütz, Heidi Von Egidy, Perri Caplan: Namibia Handbook and Political Who’s Who, Magus 1989, S. 78/112. (online abrufbar)
  2. a b c d e f Africa Who’s who. Africa Journal Limited. 1991: S. 890–891. (Google Books)
  3. Episcopal Churchmen for South Africa. Auf: kora.matrix.msu.edu, 20. September 1975.
  4. Africa Today, Africa Journal Limited, 1991, S. 1383 (online abrufbar)
  5. The National Conference on the Land Reform and the Land Question in Nambia, National Christian Council of Namibia, Windhoek Juni/Juli 1991 (PDF; englisch).
  6. Namibia Trade Directory, Advantage Promotions, Windhoek 1993 (online abrufbar)
  7. Breakaway Church Group in Name Hitch. New Era, 20. Juli 2006.
  8. Lukato worried about the state of education in Namibia. Namibian Broadcasting Corporation, 2023. Abgerufen am 4. November 2025.