Ringenberg (Adelsgeschlecht)
Ringenberg, ursprünglich Dingde, Dingede o. ä., ist der Name eines erloschenen niederrheinischen Adelsgeschlechts.
Geschichte
Das Geschlecht, das von Mitte des 12. bis Mitte des 14. Jahrhunderts erscheint, hatte seinem Stammsitz auf Schloss Ringenberg in Ringenberg, heute ein Ortsteil von Hamminkeln im Kreis Wesel. Ursprünglich stammte das Geschlecht aus dem benachbarten Ort Dingden, nachdem es sich zunächst auch nannte. Die Herren von Dingden waren Stuhlherren einer großen Freigrafschaft (zuerst nach Dingden, dann nach Ringenberg und später nach dem Amt Bocholt benannt), die sie von Münster zu Lehen hatten.[1]
Erstmals erscheint das Geschlecht 1163 mit Gerlach I von Dingden. Dessen Enkel Sueder II nennt sich sowohl „von Dingden“ (1221–1247) als auch „von Ringenberg“ (1233–1246), nach dem von ihm erbauten und nach seinem Wappen benannten Schloss Ringenberg.[2][3]
1231 spendeten Ritter Sueder II von Dingden und seine Frau Beatrix Loen dem Deutschen Orden das Deutsche Haus in Utrecht als Gabe für einen nicht unternommenen Kreuzzug. 1256 holte der Ritter Sueder III von Ringenberg Augustiner-Eremiten auf seine Besitzungen und stiftete ihnen ein Kloster an der Issel, das Oratorium Ten Beylar. Dieses war jedoch durch den Fluss hochwassergefährdet, so dass man eine Umsiedlung in das nahe gelegene heutige Marienthal beschloss. Das Kloster Marienthal ist damit das älteste Kloster der Augustiner-Eremiten in Deutschland. Sueders Urenkel Sueder VII von Ringenberg (urkundlich 1360–1365) war der letzte Besitzer der Herrschaft Ringenberg.[2][3]
Leopold von Ledebur und der von ihm abschreibende Ernst Heinrich Kneschke berichteten 1856 bzw. 1867 von einem Familienzweig, der noch später vorkommt. Zu diesem zählten sie einen Heinrich von Ringenberg (urkundlich 1482–1490) und einen zweiten Heinrich von Ringenberg (urkundlich 1567), beide Freigrafen zu Raesfeld, sowie einen kurbrandenburgischen Oberstleutnant Dietrich von Ringenberg, der am 15. Februar 1653 seine Bestallung erhielt.[2][3] 1833 noch hatte derselbe Leopold von Ledebur festgestellt, dass die genannten Personen nicht zu diesem Geschlecht gehörten, das Geschlecht demnach bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erlosch.[4]
Bei Maximilian Gritzner findet sich wiederum ein Zweig auf dem Baltikum. Gerhard Ringenberg, Rigaischer Ratsherr, kaufte von einer dem Johann von Münster 1566 verliehenen Schenkung zehn an der Aa gelegene Gesinde, aus denen das Gut Ringenberg entstand. Der polnische König und Großfürst von Litauen Sigismund III. bestätigte diesen Verkauf 1589. Das Gut vererbte sich bis zum Tod des Majors Gerhard Ringenberg und fiel an den Staat (um 1667). Major Gerhard Ringenberg war 1652 Capitain und kaufte für 4000 Reichstaler Drobbusch im heutigen Drabeši im Bezirk Amata. Er hatte am 24. April 1652 als Auszeichnung für seine Leistungen im Krieg mit dem Wappen seiner Voreltern aus dem Herzogtum Kleve den schwedischen Adelsstand ohne Introduktion erhalten. Drobbusch erbte seine 1659 dem Bürgermeister Christoph Rigemann von Löwenstern vermählte Schwester Helena Ringenberg. Diese verpfändete Drobbusch 1676 für 2000 Reichstaler.[5]
Da die Freiherren von Spaen 1661 ihr Wappen mit dem derer von Ringenberg vermehrten (siehe unten), müssen die Herren von Ringenberg spätestens zu diesem Zeitpunkt im Mannesstamm ausgestorben gewesen sein.
Stammfolge
Leopold von Ledebur stellt folgende Stammfolge dar:[6]
- Gerlach I von Dingden (urkundlich 1163–1169), Münsteraner Ministeriale
- Sueder I von Dingden (urkundlich 1184–1206)
- Sueder II von Dingden/Ringenberg (urkundlich 1221–1247), Ritter, ⚭ Beatrix von Loen
- Sueder III von Ringenberg (urkundlich 1221–1278) ⚭ Hildegund († 1271)
- Sueder IV von Ringenberg (urkundlich 1271–1336) ⚭ Alheldis (urkundlich 1315)
- Sueder VI von Ringenberg (urkundlich 1315–1336) ∞ Mechtildis (urkundlich 1336)
- Sueder VII von Ringenberg (urkundlich 1360–1365), Knappe
- Cunigunde von Ringenberg (urkundlich 1360)
- Sueder VII von Ringenberg (urkundlich 1315–1336)
- Cunigunde von Ringenberg (urkundlich 1315–1336)
- Gertrud von Ringenberg (urkundlich 1315–1336)
- Sueder VI von Ringenberg (urkundlich 1315–1336) ∞ Mechtildis (urkundlich 1336)
- Sueder V. von Ringenberg (urkundlich 1271)
- Hildegund von Ringenberg (urkundlich 1271)
- Lise von Ringenberg (urkundlich 1271)
- Ermengard von Ringenberg (urkundlich 1271)
- Gertrud von Ringenberg (urkundlich 1271)
- Sueder IV von Ringenberg (urkundlich 1271–1336) ⚭ Alheldis (urkundlich 1315)
- Sueder III von Ringenberg (urkundlich 1221–1278) ⚭ Hildegund († 1271)
- Gerlach III von Dingden (urkundlich 1227–1233), 1227 Dechant zu St. Marien in Münster, 1233 Domherr zu Münster
- Euphemia von Dingden (urkundlich 1248) ⚭ Graf Hermann I. von Loen
- Sueder II von Dingden/Ringenberg (urkundlich 1221–1247), Ritter, ⚭ Beatrix von Loen
- B. von Dingden (urkundlich 1203)
- Gerlach II von Dingden (urkundlich 1195–1217), Domherr zu Münster
- Sueder I von Dingden (urkundlich 1184–1206)
Wappen
Blasonierung des Redenden Wappens: In Rot zehn (3:3:3:1) goldene Ringe. Auf dem Helm mit rot-goldenen Helmdecken ein offener roter Flug, jeder Flügel mit einem goldenen Balken begleitet von drei (2:1) goldenen Ringen.[7]
Aufgrund der Synonymität von „Ding“ (Ding- und Gerichtsstätte) und „Ring“ ist das Wappen als redend zu betrachten.[8]
Am 25. Mai 1661 erhielt der kurbrandenburgische Regierungsrat, Kämmerer und Generalwachtmeister Alexander von Spaen (1619–1692) zusammen mit seinem Bruder Bernhard den Reichsfreiherrenstand mit Prädikat „Wohlgeboren“ und einer Wappenbesserung verliehen. Die Wappenbesserung bestand u. a. darin, dass sie das Spaen'sche Stammwappen mit dem Wappen derer von Ringenberg vermehren durften, offenbar aufgrund des in ihrem Besitz befindlichen Schlosses Ringenberg.[9]
Der Ort Ringenberg hat das Wappen derer von Ringenberg als Ortswappen angenommen.
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Siegel des Sueder III von Ringenberg von 1258 bei Anton Fahne
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Wappen der Freiherren von Spaen von 1661 im Österreichischen Staatsarchiv
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Wappen des Ortes Ringenberg
Literatur
- Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden., Band 2, Heberle, Köln 1853, S. 118 (hhu.de).
- Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Nürnberg 1901, S. 167 (uni-goettingen.de) und Tfl. 110 (uni-goettingen.de).
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 7: Ossa–Ryssel, Leipzig 1867, S. 514 (Google Bücher).
- Leopold von Ledebur:
- Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. 12. Band, Berlin, Posen und Bromberg 1833, S. 58–75 (Google Bücher).
- Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 294 (digitale-sammlungen.de).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 105 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfln. 262 (hhu.de).
Einzelnachweise
- ↑ Ledebur (1833), S. 58 ff.
- ↑ a b c Ledebur (1856), S. 294.
- ↑ a b c Kneschke (1867), S. 514.
- ↑ Ledebur (1833), S. 65, Fußnote 38.
- ↑ Gritzner (1901), S. 167.
- ↑ Ledebur (1833), S. 60 ff.
- ↑ Spießen (1901–1903), S. 105.
- ↑ Ledebur (1833), S. 59 f.
- ↑ Österreichisches Staatsarchiv, Spaen, Alexander von, Kurbrandenburger Regierungsrat, Kämmerer und Generalwachtmeister, Bernhard, Brüder, Freiherrenstand für das Reich und die Erblande, "Wohlgeboren", „Herr zu Ringelberg, Bouillion, Kaldenhoff und Niederhagen“, privilegium denominandi, Wappenbesserung, privilegium fori, privilegium de non usu, 1661-05-25.