Richtenberger See
| Richtenberger See | ||
|---|---|---|
| Richtenberger See (2011) mit Blick auf Richtenberg | ||
| Geographische Lage | Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Vorpommern-Rügen | |
| Zuflüsse | Schleusengraben, weitere Gräben | |
| Abfluss | Blinde Trebel | |
| Inseln | 2 | |
| Orte am Ufer | Richtenberg, Franzburg, Müggenhall | |
| Daten | ||
| Koordinaten | 54° 11′ 39″ N, 12° 52′ 59″ O | |
|
| ||
| Höhe über Meeresspiegel | 9,48 m ü. HN[1] | |
| Fläche | 1,3 km² | |
| Länge | 1,87 km | |
| Breite | 1,02 km | |
| Maximale Tiefe | 2,7 m | |
|
Besonderheiten |
zwischen 1936 und 2006 trockengelegt | |
Der Richtenberger See (auch: Franzburg-Richtenberger See) ist ein See zwischen den Städten Franzburg und Richtenberg im Nordwesten Vorpommerns. Das 1936 trockengelegte Gewässer wurde 70 Jahre später im Rahmen einer ökologischen Ausgleichsmaßnahme für Umweltschäden, die beim Bau der Bundesautobahn 20 auftraten, neu angelegt. Seit 2016 ist der See ein Naturschutzgebiet.
Geografie
Der See hat eine Fläche von zirka 130 Hektar bei maximalen Ausdehnungen von etwa 1,8 Kilometern in West-Ost-Richtung und einem Kilometer von Nord nach Süd. In ihm liegen zwei Inseln. Der Wasserspiegel befindet sich etwa zehn Meter über dem des Meeres. Im Norden liegt Richtenberg, am südlichen Ufer Franzburg. Die Grenze zwischen beiden Städten verläuft durch den See. Einen von mehreren Zuflüssen stellt der sogenannte Schleusengraben aus östlicher Richtung dar. Am südwestlichen Ufer des Sees befindet sich der Ablauf des Sees in die Blinde Trebel. Der Abfluss ist in Form einer Fischtreppe oder Fischaufstiegsanlage angelegt, die einen Höhenunterschied von 3,8 Metern überwindet.[2] Ebenfalls im Südwesten grenzt das Landschaftsschutzgebiet Hellberge an.
Rund um den See wurden Wander-, Rad- und Reitwege angelegt.
Geschichte
Entstehung, Salzgewinnung, zunehmende Verlandung
Der zwischen 10.000 und 8.000 v. Chr. entstandene See wurde 1231 erstmals erwähnt, nämlich in der Stiftungsurkunde des Klosters Neuenkamp, wobei nicht eindeutig klar ist, ob er natürlichen Ursprungs war oder durch die Mönche im heutigen Franzburg angelegt wurde. Von Bedeutung war die dortige „Soolquelle“, die für die Versorgung mit Salz und für dessen weiträumigen Handel eine gewisse Bedeutung hatte.[3] Nach der Aufhebung des Klosters verlandete der See ab dem 16. Jahrhundert, es entstand zunächst ein Verlandungsmoor, dann ein Durchströmungsmoor.
Um 1800, so heißt es im Geographisch statistisch-topographischen Lexikon von Obersachsen und der Ober- und Nieder-Lausiz, war der Franzburger mit dem Richtenberger See „vermittelst des faulen Sees und der Trebel verbunden“.[4] Um 1870 floss „aus dem Richtenberger See nach Süden hin die kleine Trebel ab, bildet nicht weit davon ein zweites Seebecken, bis sie in der Nähe von Tribjees in die große Trebel mündet. Dieser Fluß hieß wenigstens auf der Strecke, ehe er in den Richtenberger See tritt, die Campenitz.“ Nach diesem wurde das Kloster Neuenkamp benannt.[5] Dabei waren die Wegeverhältnisse äußerst schwierig. „Sogar die Kleinbahnen litten unter dieser Sumpfbildung; denn zwischen Richtenberg und Franzburg sackte der beinah fertig aufgeschüttete Damm über Nacht weg,“ wie 1905 Wilhelm Deecke konstatierte.[6]
Vogelschutzgebiet (1917), Trockenlegung (ab 1912, endgültig 1936)
1917 pachtete der Stralsunder Ornithologische Verein die dortige Jagd, um die Jagd auf die Vögel zu verhindern. Der See wurde als Vogelschutzgebiet in Karten aufgenommen. Schon 1912 waren allerdings Pläne gemacht worden, um den See bis auf eine Restfläche von 12 ha trockenzulegen. Die Fläche wurde 1936 durch den Reichsarbeitsdienst trockengelegt.[7]
Bemühungen zur Wiederherstellung (ab 1971), Flutung (2006), Naturschutzgebiet (seit 2016)
Auf Betreiben Franzburger Naturschutzhelfer wurde 1971 vom VEB Ingenieur-Vermessungswesen Rostock, Produktionsbereich Stralsund, ein Höhen- und Lagepland als Grundlage für die Wiederherstellung des Richtenberger Sees erstellt. Der Vorsitzende des Rates des Kreises Stralsund lehnte ein von Schülern erstelltes Modell auf der Messe der Meister von Morgen ab. 1979 scheiterte ein weiterer Versuch, den See wiederherzustellen.
1994 erstellen Naturschützer aus Franzburg eine Machbarkeitsstudie unter dem Titel Möglichkeiten der Wiederherstellung des Richtenberger Sees und des Neumühler Teiches. 2004 begannen die Baumaßnahmen zur Renaturierung, und zwar als Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe beim Bau der Autobahn A 20. Vor der Flutung im Jahr 2006 existierten Feuchtwiesen, die von in den Schleusengraben mündenden Entwässerungsgräben durchzogen waren. Zur Umfeldgestaltung des Franzburg-Richtenberger Sees hat das Amt Franzburg-Richtenberg die Bildung einer Lokalen Agenda 21 beschlossen.
Seit 2016 steht der See mitsamt Uferbereich als Naturschutzgebiet Richtenberger See unter Naturschutz.[8]
Namensstreit
Zwischen den Städten Franzburg und Richtenberg ist ein Streit um die Namensgebung des Sees entbrannt. Die Richtenberger beharrten darauf, dass der See aus historischen Gründen nur nach ihrem Ort benannt werden müsse.
-
Ablauf des Sees
-
Blick über den See auf Richtenberg
-
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Pegel Franzburg - Richtenberger See - 04759.5
- ↑ Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV: Bewertung von Fischaufstiegsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern - Bestandsanalyse (PDF-Datei), S. 41
- ↑ Hermann Cramer: M. Johannes Rhenanus, der Pfarrherr und Salzgräfe zu Allendorf a.d. Werra. Ein Beitrag zur Bergwerks-Geschichte Pommerns aus dem 16. Jahrhundert, Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1879, S. 2 und S. 15.
- ↑ Philipp Ludwig Hermann Röder: Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Obersachsen und der Ober- und Nieder-Lausiz, Bd. 3, Stettinische Buchhandlung, Ulm 1802, S. 304.
- ↑ Franz Winter: Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands. Ein Beitrag zur Kirchen- und Culturgeschichte des deutschen Mittelalters, Bd. 2, Friedrich Andreas Perthes, 1871, S. 240 f.
- ↑ Wilhelm Deecke: Die Beziehungen der vorpommerschen Städte zur Topographie und Geologie ihrer Umgebung, Sonderabdruck aus dem IX. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft Greifswald 1905, S. 29 (online, PDF).
- ↑ Informationen auf amt-franzburg-richtenberg.de, archive.org, 25. Mai 2022.
- ↑ Steckbrief „Neuausweisungen von Schutzgebieten in Mecklenburg-Vorpommern“, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, archive.org, 26. Juni 2024.