Richmond Barthé

Richmond Barthé (* 28. Januar 1901 in Bay St. Louis, Mississippi; † 5. März 1989 in Pasadena, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Bildhauer und Maler. Er zählt zu den bedeutendsten afroamerikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts und gilt als wichtiger Vertreter der Harlem Renaissance, insbesondere auf dem Gebiet der Skulptur.[1][2]

Leben

Richmond Barthé wuchs an der Golfküste des US-Bundesstaats Mississippi auf. In seiner Kindheit war er häufig krank und beschäftigte sich intensiv mit Zeichnen und Malerei. Nach ersten künstlerischen Erfolgen ermöglichten ihm Förderer ab 1924 ein Studium am Art Institute of Chicago, welches er bis 1928 absolvierte. Dort erhielt er unter anderem Unterricht bei Charles W. Schroeder und Albin Polasek. Zunächst arbeitete Barthé vorwiegend als Maler, wandte sich nach dem großen Erfolg zweier Tonbüsten auf einer Ausstellung des Chicago Women’s City Club im Jahr 1927 jedoch vollständig der Bildhauerei zu. 1929 schloss er sein Studium ab und ließ sich in Harlem in New York City nieder, wo er Teil des kulturellen Umfelds der Harlem Renaissance wurde. 1931 studierte er zusätzlich an der Art Students League of New York. Barthé erhielt bedeutende Stipendien, darunter ein Rosenwald-Fellowship in den Jahren 1928/29 sowie ein Guggenheim-Fellowship in den Jahren 1940/41.[3]

In den späten 1940er Jahren verließ er New York und zog nach Jamaika, wo er über einen längeren Zeitraum lebte und arbeitete. In den 1960er Jahren hielt er sich mehrere Jahre in Europa auf, unter anderem in der Schweiz, in Spanien und in Italien. 1977 kehrte Richmond Barthé krank und mittellos in die Vereinigten Staaten zurück und ließ sich in Pasadena, Kalifornien, nieder. Dort wurde er unter anderem vom Schauspieler James Garner unterstützt, der zu seinem Förderer wurde und den Richmond Barthé Trust mitbegründete.[3]

Richmond Barthé begann seine künstlerische Laufbahn als Maler, erlangte jedoch internationale Anerkennung als Bildhauer. Sein Werk umfasst vor allem realistische, technisch äußerst sorgfältig ausgeführte Skulpturen aus Bronze, Gips und Marmor. Als Afroamerikaner porträtierte er häufig Menschen schwarzer Herkunft und betonte dabei deren physische Präsenz und spirituelle Ausdruckskraft. Charakteristisch für seine Arbeiten ist eine bewusste Verlängerung der Figuren sowie die Hervorhebung einzelner anatomischer Details, wodurch der emotionale Gehalt der Darstellungen gesteigert wird.[3] Zu seinen bekanntesten Werken zählen Blackberry Woman (1932),[4] African Dancer (1933)[5] und Boxer (1942). Barthé verstand Kunst als spirituellen Prozess und betonte, dass für ihn nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern das innere Empfinden eines Motivs im Vordergrund stehe. Seine Skulpturen bewegen sich zwischen Realismus und Abstraktion und verbinden christliche Symbolik mit Einflüssen afrikanischer Traditionen sowie mit Motiven aus Tanz und Theater.[3]

Seine Werke befinden sich heute in zahlreichen bedeutenden öffentlichen Sammlungen und Museen in den Vereinigten Staaten, darunter in großen Kunstmuseen in New York, Chicago, Philadelphia, Washington, D.C. und weiteren Städten.[3]

Literatur

  • Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. De Gruyter, Berlin, 2009.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris, 2006.
  • Cedric Dover: American Negro Art. New York Graphic Society, 1960.
  • David C. Driskell: Two Centuries of Black American Art. Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, 1976.
  • B. David Hammond: Richmond Barthé. In: International Review of African American Art, Band 6, 1985, Heft 1.[6]
Commons: Richmond Barthé – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

  1. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris 2006.
  2. Richmond Barthé: Harlem Renaissance Sculptor » Telfair Museums. In: Telfair Museums. Abgerufen am 9. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  3. a b c d e Richmond Barthe :. Abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
  4. Richmond Barthé | Smithsonian American Art Museum. Abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
  5. Richmond Barthé. Abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
  6. IRAAA. In: Hampton University Museum. Abgerufen am 9. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).