Richard Ruepp
Richard Ruepp (* 1885 in Wien; † 1958 ebenda) war ein österreichischer Bildhauer und Medailleur.
Œuvre und Rezeption
Ruepp war dort als Bildhauer tätig. Über seine Familie und seine Lebensumstände ist nichts bekannt. Seine Werke umfassen vor allem Porträtbüsten, Reliefs und Medaillen. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen die galvanoplastische Kinderbüste Rudi Schimann aus dem Jahr 1918[1] sowie ein bronzenes Porträtrelief des Schriftstellers Hugo Glattauer aus dem Jahr 1929.[2] Seine plastischen Arbeiten zeigen eine naturalistische, an der Wiener Porträtkunst der Zwischenkriegszeit orientierte Merkmale.
Im Innenhof der Probusgasse 14–16 (Heiligenstadt, 19. Bezirk) befinden sich großflächige, als schutzwürdig klassifizierte Wandreliefs; zwei davon tragen die Titel „Beim Heurigen“ (von Leopold Hohl) und „Weinpresse“ (von Richard Ruepp). Die Reliefs wurden in den 1950er–1960er-Jahren geschaffen und sind keramische/zeugartige Wandreliefs im Hof des Mehrfamilienhauses. Zu der Reliefarbeit „Heurigen–Weinpresse“ gibt es von dem Musikhistoriker Björn R. Tammen eine musikwissenschaftliche Analogie, nach der die ursprünglich an anderem Ort aufgestellten Terracotta-Tafeln „in eine merkwürdige Grauzone zwischen volkstümlich-volkstümelnder couleur locale und Komponistengedenken geraten“ seien, so, wie die Musik Beethovens sowie Volkstanz- und Schrammelmusik – also ernste und unterhaltsame Musik – als eine „musikhistoriographische Denkfigur“ Geburtshelfer der Wiener Klassik „aus dem Geiste der Volksmusik“ gewesen wären.[3]
Ein weiteres Tätigkeitsfeld Ruepps war die Erstellung von Grabmalen. Auf dem Wiener Zentralfriedhof sind noch zahlreiche von ihm existent, so beispielsweise das von dem Komponisten Carl Michael Ziehrer. Als charakteristisch gilt die klare Umrisslinie der Bildnisse, die zu den klassischen Prinzipien der Münz- und Medaillenkunst zählt.[4.1] An Carl Mengers letzter Ruhestätte sind anstatt Kapitellen polygonale Eckpfeiler gesetzt, die „Kränze tragende Relieffiguren“ besitzen.[4.2]
Werke Ruepps erscheinen regelmäßig im österreichischen Kunsthandel, etwa im Dorotheum und im Hamburger Auktionshaus Stahl.[5][6] Ruepps Arbeiten werden als Beispiele für die traditionsgebundene Porträtplastik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rezipiert. Sie zeichnen sich durch eine sorgfältige Ausarbeitung physiognomischer Details und eine betonte Materialwirkung aus. Seine Medaillen und Reliefs stehen in der Kontinuität der Wiener Bildhauerschule für eine naturalistische, an der Wiener Porträtkunst der Zwischenkriegszeit orientierte Formensprache.[5][4.3]
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Hadikgasse 268–272, Stiege 11
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Hadikgasse 268–272, Stiege 14
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Hadikgasse 268–272, Stiege 17
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Richard Ruepp, Wien 1885–1958. Große Galvanoplastik "Kinderbüste Rudi Schimann", Veryimportantlot.com.
- ↑ International Art, Catalogue 184, Josef Lebovic Gallery, Sydney, 2015.
- ↑ Björn R. Tammen: ‚MusikBildIdentitäten‘ – Sondierungen eines Musikikonographen zwischen Basler Planetenbuch und Wiener Gemeindebau. In: Musik – Identität – Raum: Perspektiven auf die österreichische Musikgeschichte, Böhlau 2021, S. 258, ISBN 978-3-205-21916-3.
- ↑ Werner Kitlitschka: Grabkult und Grabskulptur in Wien und Niederösterreich. NÖ Pressehaus St. Pölten 1987, ISBN 3-85326-827-7.
- ↑ a b Richard Ruepp, Bildnisbüste eines Mannes, Dorotheum, Wien.
- ↑ Richard Ruepp (1885–1958), Auktionshaus Stahl, Hamburg.