Richard Mühleisen

Richard Mühleisen (* 15. März 1913 in Esslingen am Neckar; † 18. Oktober 1988 in Tübingen) war ein deutscher Physiker und Hochschullehrer.[1]

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung 1931 am Realgymnasium in Esslingen, dem heutigen Georgii-Gymnasium Esslingen, studierte Richard Mühleisen von 1931 bis 1937 Physik an der Technischen Hochschule Stuttgart. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Physikalischen Institut dieser Hochschule bei Erich Regener. 1944 promovierte er dort. Während des Zweiten Weltkriegs war Mühleisen Soldat bei der Luftwaffe. Nach dem Krieg setzte er seine Assistententätigkeit in Stuttgart fort und habilitierte sich 1953 mit einer Arbeit aus dem Gebiet der Physik der Atmosphäre, seinem besonderen Forschungsgebiet. Bis 1960 lehrte er dann an der TH Stuttgart (seit 1959 als außerplanmäßiger Professor). 1960 übernahm er eine Professur an der Eberhard Karls Universität Tübingen am dortigen Astronomischen Institut. 1978 trat er als Hochschullehrer in den Ruhestand.

Schon seit 1953 war Mühleisen überwiegend am Max-Planck-Institut für Physik der Stratosphäre in Weißenau bei Ravensburg tätig und führte dort bei Ballonaufstiegen luftelektrische Messungen durch. Neben der Teilnahme an einer Forschungsexpedition mit dem Forschungsschiff "Meteor" und Forschungsarbeiten in Großbritannien, den USA, Japan und Nigeria beschäftigte sich Mühleisen im Zusammenhang mit der Gewitterforschung u. a. auch mit der Entstehung und Bekämpfung von Gewitterhagel und führte von Weißenau aus sog. Hagelflüge durch, für die er bekannt wurde.

Schriften (Auswahl)

  • Strömungsgeräusche schnellfliegender Körper und Schallempfindlichkeit schnellbewegter Mikrofone. Dissertation Technische Hochschule Stuttgart 1944.
  • Raumladungen im luftelektrischen Feld. Untersuchungen über den Tagesgang luftelektrischer Elemente im Großstadtbereich. Habilitationsschrift Technische Hochschule Stuttgart 1953.
  • Die luftelektrischen Elemente im Großstadtbereich von Stuttgart. Untersuchung der Ursachen der Schwankungen u. Extremwerte des Potentialgradienten. In: Zeitschrift für Geophysik, Sonderband 1953, S. 142–159.
  • (mit Heinz-Jürgen Fischer): Das luftelektrische Feld in der bodennahen Schicht. Astronomisches Institut der Universität Tübingen, Weißenau 1967.
  • (mit Heinz-Jürgen Fischer): Das elektrische Feld in der freien Atmosphäre. Astronomisches Institut der Universität Tübingen, Weißenau 1968.
  • (mit Heinz-Jürgen Fischer): Studien zur Gewitterelektrizität. Astronomisches Institut der Universität Tübingen, Weißenau 1968.
  • (mit Heinz-Jürgen Fischer): A method for precise determination of the voltage between ionosphere and ground. Astronomisches Institut der Universität Tübingen, Tübingen 1975.
  • Blitzgefährdung von Strahlflugzeugen. Dokumentationszentrum der Bundeswehr, Bonn 1976.
  • (Bearb.): Elektrische Aufladung von Hubschraubern. Dokumentationszentrum der Bundeswehr, Bonn 1978.
  • (mit W. Kurth): Experimental investigations on the seiches of Lake Constance. In: Schweizerische Zeitschrift für Hydrologie, Bd. 40 (1978), H. 1, S. 155–168.
  • Wenn der Fön kommt. Klare Sicht und Kopfweh. In: Bild der Wissenschaft, Bd. 15 (1978), H. 8, S. 36–45.
  • (Bearb., mit J. Leidel): Gewitterortung. Untersuchungen zur Verbesserung von Gewittervorhersagen durch luftelektrische Methoden. Dokumentationszentrum der Bundeswehr, Bonn 1983.

Einzelnachweise

  1. Gustav Hofmann: Mühleisen, Richard. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 18 (1997), S. 274f.