Richard K. Streich

Richard Karl Streich (* 1950)[1] ist ein deutscher Coach, Autor und ehemaliger Professor für Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaften an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn.[2]

Leben

Streich absolvierte in den Jahren 1966 bis 1968 eine Lehre zum Industriekaufmann[3] und arbeitete zeitweise auch als kaufmännischer Angestellter.[4] Anschließend studierte er von 1972 bis 1975 an der Fachhochschule Köln[5] Betriebswirtschaftslehre[3] zum Diplom-Betriebswirt. Zwischen 1975 und 1977 war er Geschäftsführer in einer Bildungsorganisation.[6] Von 1977 bis 1978 absolvierte er ein Hochschul-Aufbaustudium zum Diplom-Kaufmann.[3][2] Bis 1982 war er Geschäftsführer des IBF-Instituts für Bildung und Freizeit.[6]

Im Jahr 1982 promovierte er und war in den Jahren 1983 bis 1987 Dozent und Projektleiter am Universitätsseminar der Wirtschaft (USW) in Erftstadt. Ab dem Jahr 1986 war er dort wissenschaftlicher Seminarleiter. Im Anschluss (1987) leitete er bis 1989 die Abteilung Personalentwicklung in der Nixdorf Computer AG in Paderborn. Im Jahr 1989 wurde er Geschäftsführer des INPUT-Institut für Personal- und Unternehmensmanagement in Paderborn. Im Jahr 1995 erwarb er seine Professur für Wirtschaftswissenschaften mit Spezialisierung auf Personal- und Unternehmensmanagement.[3] Das von ihm gegründete INPUT-Institut wurde 2009 von ihm an die Haufe Akademie veräußert und er übernahm die Funktion des Beiratsmitglieds und wissenschaftlichen Beraters.[7]

Er ist Vorstandsvorsitzender der URStreich-Sozialstiftung. Die Stiftungsgründung erfolgte in Nachfolge zu der von ihm 2005 gegründeten Lebensfreude-Initiative e. V. Paderborn. Diese Initiative wurde mehrfach als Vorzeigeprojekt prämiert, u. a. durch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Streich problematisierte schon zu Beginn der 1980er-Jahre das Spannungsfeld zwischen Arbeits- und Privatleben[8] und ist somit ein Initiator der immer noch aktuellen Work-Life-Balance-Thematik. In seiner Publikation Managerleben (1994) setzte er sich insbesondere mit dem Life-Balance-Management von Führungskräften auseinander.

Insgesamt veröffentlichte er weit über 100 Beiträge zu den Themen des Change- und Life-Balance-Managements und zur Team- und Personalführung. Er ist Autor in Handbüchern und Kommentator in diversen Zeitungen und Zeitschriften, u. a. Die Welt, Die Zeit, FAZ, Focus, manager-magazin, Spiegel, Wirtschaftswoche etc. und führte Presse-, Rundfunk- und Fernsehinterviews durch zu Führungs- und Coachingthemen.

Mehrfach gewann er mit dem INPUT-Institut für Personal- und Unternehmensmanagement, Paderborn renommierte Trainings- und Consultingpreise u. a. den „Internationalen Deutschen Trainings-Preis“ in Gold des BDVT-Berufsverband der Verkaufsförderer und Trainer e. V.[9]

Er stellte im Jahr 1997 - unter Berücksichtigung des Lewin-Phasenmodells - zielgerichtete Verhaltens- und Verfahrensweisen eines Change-Verlaufs u. a. mit den Dimensionen der wahrgenommenen Kompetenz zur Veränderungsteuerung und von Methoden einer Steuerung von Veränderungsprozessen in einem 7-Phasen-Modell vor. Seine Weiterentwicklungen werden in Praxishandbüchern[10] und Ratgebern[11] zitiert.

Die von Streich zur Veranschaulichung verwendete Abbildung ist, ohne seine darüber hinaus gehenden Beschreibungen, in den Phasenschritten identisch mit einer Abbildung zum gleichen Thema bei Gerhard Fatzer, der dieses „Phasenmodell“ als „eine Weiterentwicklung des klassischen Dreiphasenmodells von Lewin“ durch „englische Kollegen im Rahmen des von Sackmann beschriebenen Transformationsprogramms“ im Jahr 1993 vorgestellt hatte.[12] Erste Ausführungen zu den Phasenschritten lokalisierte Streich in der Publikation Transition - Understanding and Managing Personal Change von John D. Adams, John Hayes und Barrie Hopson aus dem Jahr 1976. Streich weist in seiner Veröffentlichung von 1997 im Text und im Literaturverzeichnis darauf hin, dass das Ursprungsmodell schon 1988 im Rahmen eines Qualifizierungsprogramms von ihm, Sackmann, Jupp und Lewis Verwendung fand.[13]

Streich entwickelte in der Folgezeit umfangreiche phasenorientierte Verfahrens- und Verhaltensweisen für eine erfolgreiche Bewältigung von innovativen persönlichen, teamgebundenen und unternehmensweiten Change-Projekten.[14]

Schriften (Auswahl)

Monografien
  • Determinanten betrieblicher Freizeitangebote. Theoretische Grundlagen und empirische Analyse. Dissertation. Universität-Gesamthochschule, Paderborn 1982, OCLC 311475189.
  • Managerleben. Im Spannungsfeld von Arbeit, Freizeit und Familie. Beck, München 1994, ISBN 3-406-35526-9.
  • Fit for Leadership. Entwicklungsfelder zur Führungspersönlichkeit. Springer Gabler, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-03520-4 (2., überarb. und erw. Auflage 2016).
  • Minenfelder im Beruf. Impressionen und Reflexionen. COMMENT-VERLAG, Paderborn 2020, ISBN 978-3-9821171-0-2, OCLC 1129049765.
  • Testbuch für Führungskräfte. Analysen – Reflexionen – Aktionen. COMMENT-VERLAG, Paderborn 2020, ISBN 978-3-9821171-1-9, OCLC 1129465626.
  • Tatort Unternehmen. Tretminen und Triebfedern im Berufsleben. COMMENT-VERLAG, Paderborn 2021, ISBN 978-3-9821171-3-3, OCLC 1249692561.
  • Brennpunkt Führung. Licht und Schatten im Führungsalltag. COMMENT-VERLAG, Paderborn 2021, ISBN 978-3-9821171-2-6, OCLC 1250352512.
Herausgeberschaften
  • mit Lutz von Rosenstiel, Herbert Einsiedler, Sabine Rau: Motivation durch Mitwirkung. Schäffer. Stuttgart 1987, ISBN 3-8202-0415-6
  • mit Lutz von Rosenstiel, Maryam Djarrahzadeh, Herbert Einsiedler: Wertewandel. 2. Auflage. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 1993, ISBN 3-8202-0831-3
  • mit Maryam Marquardt, Heike Sanden: Projektmanagement. Prozesse und Praxisfelder. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 1996, ISBN 3-7910-0977-X.
  • mit Laila M. Hofmann, Klaus Linneweh: Erfolgsfaktor Persönlichkeit. Managementerfolg durch Leistungsfähigkeit und Motivation. dtv, München 2006, ISBN 3-423-50904-X.

Literatur

  • Richard Streich in: Hans-Christian Riekhof (Hrsg.): Strategien der Personalentwicklung. Springer Gabler, Wiesbaden 1989. S. 400. Die Autoren. (Vorschau in Google-books)
  • Richard K. Streich, Prof. Dr. rer. pol., geb. 1950 in: Erika Regnet, Lutz Rosenstiel, Michel E. Domsch: Führung von Mitarbeitern Fallstudien zum Personalmanagement. 4. Auflage. Schäffer Pöschl, Stuttgart 2018 (Erstveröffentlichung: 1993). S. 577. Autorenverzeichnis (Volltext)
  • Richard Streich, Prof. Dr., geb. 1950 in: Michael Reiß, Lutz von Rosenstiel, Anette Lanz (Hrsg.): Change Management. Programme, Projekte und Prozesse. (= USW-Schriften für Führungskräfte. Band 31). Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997. S. 428–429. Autorenverzeichnis.

Einzelnachweise

  1. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 4. April 2025.
  2. a b Michel E. Domsch, Erika Regnet, Lutz Rosenstiel: Führung von Mitarbeitern: Fallstudien zum Personalmanagement. Schäffer-Poeschel, 2018, ISBN 978-3-7910-4166-7 (google.de [abgerufen am 7. April 2025]).
  3. a b c d Richard Streich, Prof. Dr., geb. 1950 in: Michael Reiß, Lutz von Rosenstiel, Anette Lanz (Hrsg.): Change Management. Programme, Projekte und Prozesse. (= USW-Schriften für Führungskräfte. Band 31). Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997. S. 428–429. Autorenverzeichnis.
  4. Professor Richard K. Streich. In: Change-Kurve nach Kübler-Ross/Streich. WCG, abgerufen am 4. April 2025.
  5. Richard Streich in: Hans-Christian Riekhof (Hrsg.): Strategien der Personalentwicklung. Springer Gabler, Wiesbaden 1989. S. 400. Die Autoren.
  6. a b Richard Streich in: Hans-Christian Riekhof (Hrsg.): Strategien der Personalentwicklung. Springer Gabler, Wiesbaden 1989. S. 400. Die Autoren.
  7. training aktuell, 11/2009, 2.11.2009, S. 15
  8. management wissen, 12/83, S. 22–24; manager magazin 2/86, S. 176–179
  9. wirtschaft und weiterbildung, ISSN 0942-4946, Ausgabe: 04-2007
  10. Ralph Strobel: Agiles Veränderungsmanagement im Vertrieb: Das Praxishandbuch für erfolgreiche Führungskräfte. Haufe-Lexware, 2020, ISBN 978-3-648-14708-5 (google.de [abgerufen am 4. April 2025]).
  11. Maren Müller, Hazel Gruenewald: Upskilling und Reskilling für die Personalentwicklung: Kompetenzen der Zukunft erkennen und Personal erfolgreich qualifizieren. Springer-Verlag, 2024, ISBN 978-3-658-44404-4 (google.de [abgerufen am 4. April 2025]).
  12. Gerhard Fatzer: Die sieben Phasen der Veränderungskurve (Abbildung) in: Gerhard Fatzer (Hrsg.): Organisationsentwicklung für die Zukunft. Ein Handbuch. Edition Humanistische Psychologie, Köln 1993. ISBN 3-926176-41-5. S. 32–33.
  13. Richard. K. Streich: Veränderungsprozeßmanagement. In: Michael Reiß, Lutz von Rosenstiel, Anette Lanz (Hrsg.): Change Management. Programme, Projekte und Prozesse. (= USW-Schriften für Führungskräfte. Band 31). Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997. ISBN 3-7910-0947-8, S. 240, 253.
  14. "Fit for Leadership", Springer Gabler Verlag, Wiesbaden, 2016, 2. Auflage, ISBN 978-3-658-12180-8, S. 27–42; Verfahrens- und Verhaltensweisen bei Veränderungsprozessen, in: Handbuch Personalentwicklung, Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst, Köln, 2002, 78. Erg.-Lfg., 11/02, 6.40, ISBN 978-3-87156-116-0, S. 1–22