Rhena (Adelsgeschlecht)
Rhena (auch Rehen o. ä.) ist der Name eines erloschenen hessischen Adelsgeschlechts.
Geschichte
Das Geschlecht hatte seinen Stammsitz auf der bereits 1235 erwähnten Oberen Burg Rhena in Rhena, heute ein Stadtteil von Korbach im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, ehemals Teil des Fürstentums Waldeck.[1]
Die Herren von Rhena erscheinen urkundlich erstmals 1216 mit Reynoldus de Ryen. Sie waren Vasallen der Grafen von Waldeck. Zu den bedeutenden Vertretern des Geschlechts gehört Hermann von Rhena, der 1236–1244 das Marschallamt der Grafen von Waldeck innehatte. 1367 besaß ein gleichnamiger Nachfahre Hermanns zeitweise die Burg Eisenberg als Waldecker Pfandbesitz.[2]
Zwischen 1550 und 1559 ließen Reinhard von Rhena und seine Ehefrau Anna von Hanstein die Untere Burg Rhena, eine Wasserburg im Ort Rhena, erbauen, von der heute nur Reste übrig sind. Über einem heute vermauerten Rundbogen-Portal sind Reste des Allianzwappens der Eheleute eingemauert.[3] 1552 besaßen die von Rhena/Rehen zusammen mit den von Waldmannshausen ein Hubengericht zu Weidenhan.[4] Das bekannteste Familienmitglied war Deutschordenkomtur Johann von Rhena († 1570).
Im 16. Jahrhundert erscheint ferner ein Junker Löwenstein von Rhena, der mit einer von Hohenfels verheiratet war. Seine Schwester Barbara von Rhena war ab 1543 mit Löwensteins Schwager, dem Waldecker Amtmann und Schultheiß von Berleburg Johann von Hohenfels († 1570) verheiratet. Löwensteins Grabplatte mit Familienwappen ist noch heute an der Außenwand der Evangelischen Kirche Amönau zu finden. Im Chor der Kirche St. Thomas in Rhena befinden sich weitere drei gut erhaltene, von Conrad Luckeln erstellte Grabplatten der Familie und zwar für Arnold von Rhena (1572) und seine beiden Ehefrauen Katharina von Padberg (1568) und Elisabeth von Spiegel zum Desenberg (1571).
Laut Max von Spießen existierte die Familie Anfang des 20. Jahrhunderts noch in Österreich.[1] Das Hessische Landesgeschichtliche Informationssystem gibt dagegen an, dass die Familie 1814 mit dem Tod von Johann Henrich von Rhena im Mannesstamm erlosch.[3]
Persönlichkeiten
- Hermann von Rhena, 1236–1244 Marschall der Grafen von Waldeck
- Johann von Rhena († 1570), 1543–1570 Landkomtur der Ballei Hessen des Deutschen Ordens
- Johann Henrich von Rhena (1748–1814), Gutsbesitzer, Forstmeister und Politiker
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Johann von Rhena (1543–1570)
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Grabmal der Anna von Schiedungen geb. von Rhena († 1627) in der Kirche Wernrode
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Ruhestätte von Johann Henrich von Rhena (1748–1814)
Wappen
Blasonierung des Stammwappens: In Gold ein schwarzer Hahnenkopf mit offenem Schnabel, rotem Kamm, roter Zunge und roten Bellen. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Helmdecken der Hahnenkopf zwischen einem goldenen Flug.[1]
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Wappen des Johann von Ryn im Hohen Chor der Elisabethkirche in Marburg
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Wappentafel des Johann von Rehe anlässlich seines Amtsantritts als Landkomtur 1543
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Spolienstein mit dem Wappen des Deutschorden Landkomturs Johann von Rehen aus dem Jahr 1570 am Haus Deutschhausstraße 8a in Marburg
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Wappen derer von Rhena am Comthurhof in Erfurt, Comthurgasse 4
Literatur
- Hermann von Goeckingk: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 7. Abt.: Der abgestorbene Nassauische Adel, Nürnberg 1882, S. 34 (uni-goettingen.de) und Tfl. 55 (uni-goettingen.de).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 105 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfln. 262 (hhu.de).
Einzelnachweise
- ↑ a b c Spießen (1901–1903), S. 105.
- ↑ Jens Friedhoff: Rhena, Obere Burg in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ a b Wasserburg Rhena. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 2. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Institut für Landesgeschichte, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Goeckingk (1882), S. 34.