Rennhof (Schelklingen)
Der ehemalige Rennhof war der Wohnsitz der Adelsfamilie Renner von Allmendingen in der Stadt Schelklingen im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.
Lage
Der Rennhof liegt zwischen der ehemaligen Stadtmauer und der Schlossgasse. Er besteht aus dem Wohnhaus und dem Stadel. Die Anordnung der Gebäude ist die eines Hakenhofes. Die Südwestmauer des Wohnhauses bildet die Stadtmauer. Das Gehöft war ehemals mit einer hohen Hofmauer umfangen und hatte ein Einfahrtstor, welche sich aber nicht erhalten haben. Der Rennhof wurde im 16. Jahrhundert wie auch das Bemelberger Schlössle zwischen der Ringstraße (=Schlossgasse und Bemmelberger Gasse) und der Stadtmauer errichtet.
Baugeschichte
Wohnhaus
Der Rennhof, wie er in den Akten und Urkunden genannt wird, war der Wohnsitz des Geschlechts der Renner von Allmendingen in Schelklingen[1]. 1559 erlangte Philipp Renner den Beisitz in der Stadt und scheint sich kurz danach ein Haus erbaut zu haben[2]. Der Rennhof bestand 1686 aus einem zweistockigen Wohnhaus und einem Stadel daneben, einen Hakenhof bildend. Die Südseite des Wohnhauses bildet die Stadtmauer. 1783 war der Hof von einer Mauer umfangen[3], die heute nicht mehr vorhanden ist.
Aufgrund der Bewertung des Gebäudes durch die baden-württembergische Denkmalschutzbehörde soll das heute bestehende Gebäude im Wesentlichen auf die Zeit des Klosterbesitzes, also seit ca. 1650, zurückgehen. Das zweigeschossige, in Fachwerkbauweise, errichtete Wohnhaus benutzt die ehemalige Stadtmauer als Außenwand. Das heutige Gebäude mit den großen Fenstern zur Hofseite und den mit Segmentbogen überfangenen Fenstern zur Achseite soll weitgehend aus dem 18. Jahrhundert stammen. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Kassettendecke aus dieser Zeit. Den gleichen Raum ziert eine Pilaster-gefasste Türe mit attikaförmiger Supraporte. Neben dem herrschaftlichen Wohnbereich hat das Haus in dem teilweise gepflasterten ersten Bühnengeschoss auch Räume für das Gesinde. Im Erdgeschoss ist ein gewölbter Vorratsraum vorhanden, welcher den – wegen des hohen Grundwassers – nicht vorhandenen Keller ersetzt.[4]
Stadel
1730 ließ Urspring den Stadel abbrechen und diesen weiter in den Hofraum neu wieder aufbauen. Wegen diesem Neubau und auch wegen der Stadtmauer, an welche der Hof grenzte, wurde durch den Amtsbürgermeister Johann Luib, den Stadtschreiber Johann Georg Michler und den Ratsherrn Jacob Riedenmayer ein Augenschein vorgenommen[5]. An die Stadelwand wurde in einer Kartusche die Jahreszahl „1730“[6] mit dem Kanzleisiegel Ursprings[7] zwischen den „17“ und „30“, einem großen „V“ für Urspring, über welches der Äbtissinnenstab gelegt ist, angebracht. Zur Achseite reichte der Stadel ursprünglich nicht bis zur Stadtmauer. Hier befand sich 1773 ein Back- und Waschhaus, an die Scheuer angebaut[8]. 1842 wurde der Stadel nach Norden hin zur Schloßgasse verlängert und der Brandversicherungsanschlag von 400 fl auf 900 fl erhöht[9].
Besitzer
Die Familie Renner
Seit dem 12. Februar 1559 war Philipp Renner Beisitzer in Schelklingen. Er war der Sohn des Johannes Renner, Sekretär Kaiser Karls V.; Philipp war zweimal verheiratet und verstarb 1606. 1594 erneuerte sein Sohn Jakob Renner in Schelklingen den Vertrag von 1559 mit 6 Gulden Satzgeld[10]. Im Lauf des Dreißigjährigen Kriegs verarmte Jakob Renner, so dass er Kloster Urspring seinen Hof unter der Bedingung vermachte, dass es ihn bis zu seinem Tod standesgemäß verhalte. Dieses Vermächtnis muss vor 1650 gemacht worden sein; zu diesem Zeitpunkt erscheint Urspring im Besitz des Rennhofs[11].
Hofmeisterwohnung des Klosters Urspring
Das Kloster verwendete den Hof als Wohnung des klösterlichen Hofmeisters. Das Lagerbuch des Klosters Urspring über Schelklingen von 1686, renoviert 1703[12], enthält einen ausführlichen Eintrag über den Rennhof, welcher jetzt, nach dem Ableben von Jakob Renner, in den Besitz Ursprings übergegangen war:
„Der Rennhoff. In der Statt Schelckhlingen hat das Gottshauß Ein mit Mauren vmbfangen Hauß Hof Stadel und garten in Einem Einfang der Rennhoff genant, welcher von denen Herren Renneren Stüfftungs weiß an das Gottshauß khommen, der ligt zwischen der Herrschafft so genant Schenckhischen Schloß vnd Conradt Öhlern /Jos. Bauman Jung/, stosst vornen vff die Gaßen, vnd hinden vff die Stattmaur.“
Weil der Rennhof als Wohnung des Hofmeisters diente, wurde beim Neubau des Stadels 1730 das Kanzleisiegel in einer Kartusche an der Stadelwand angebracht. Nachdem der Hofmeister offenbar in den Neubau des Hofmeistergebäudes in Urspring gezogen war, verpachtete das Kloster den Rennhof an Schelklinger Bürger.
Lehenhof der Grafen Schenk von Castell
1783 verkaufte Urspring den „Rennhof“ zusammen mit dem Neuen Haus an Graf Franz Ludwig Schenk von Castell für 8.000 fl[13]. Dieser übernahm den bisherigen Klosterpächter Joseph Walter, welcher bis 1795 auf dem Hof saß. Es folgten noch weitere Schelklinger Bürger auf dem Rennhof als Pächter, bis die Familie Schenk von Castell in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen gesamten Besitz in Schelklingen veräußerte; den Rennhof übernahm der damalige Pächter Adam Sättele, wodurch der Hof in das Privateigentum der jeweiligen Hofinhaber überging. 1910 kam der Hof in den Besitz von Johann Georg Tonnier, Bauer. Der Hof ist bis heute im Eigentum der Familie Tonnier.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wurde in die Liste der Schelklinger Kulturdenkmale aufgenommen.
Literatur
- Otto von Alberti (1889–1916): Württembergisches Adels- und Wappenbuch. 2 Bde. Wilhelm Kohlhammer, Stuttgart. (Familie Renner S. 630‒631)
- Immo Eberl (1978a): Geschichte des Benediktinerinnenklosters Urspring bei Schelklingen 1127–1806: Außenbeziehungen, Konventsleben, Grundbesitz. Müller & Gräff, Stuttgart (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 13)
- Immo Eberl (1978b): Regesten zur Geschichte des Benediktinerinnenklosters Urspring bei Schelklingen 1127–1806. Müller & Gräff, Stuttgart (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 14)
- Immo Eberl und Jörg Martin (Bearb.) (2000): Urkunden aus Blaubeuren und Schelklingen: Regesten aus den Stadtarchiven Blaubeuren und Schelklingen sowie dem Pfarrarchiv Schelklingen. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm a. D.
- Heinrich Günter (1939): Geschichte der Stadt Schelklingen bis 1806. Wilhelm Kohlhammer, Stuttgart und Berlin.
- Julius Kindler von Knobloch und Othmar Freiherr von Stotzingen (Bearb.) (1898, 1905, 1919): Oberbadisches Geschlechterbuch. Hrsg. von der Badischen Historischen Kommission. 3 Bde. Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg, hier Bd. 3 (1919): Art. „Renner von Allmendingen“, S. 492‒493 (Stammtafel), S. 496‒497 (Text).
- Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (ohne Jahr): Liste der Kulturdenkmale: Entwurf. Landkreis: Alb-Donaukreis. Gemeinde: Stadt Schelklingen. Ohne Verlag und Ort.
- Franz Rothenbacher (1984): Zur Baugeschichte der Stadt Schelklingen. In: Stadt Schelklingen (Hrsg.), Schelklingen: Geschichte und Leben einer Stadt. Hrsg. von der Stadt Schelklingen zum 750-jährigen Stadtjubiläum. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm a. D., S. 86–186 (Rennhof Text u. 2 Fotos S. 114‒116)
- Franz Rothenbacher (2015): Häuserbuch der Stadt Schelklingen: Bd. 2: Häusertabellen. 1. Auf. 1995; 2. Aufl. Selbstverlag, Mannheim (Volltext (PDF; 16 MB)) (Rennhof Haus Nr. 51 S. 185‒188)
Einzelnachweise
- ↑ Rothenbacher 1984, S. 114‒116; Eberl und Martin 2000; Rothenbacher 2015, Nr. 105 S. 185‒188; zur Familie Renner siehe Kindler von Knobloch Bd. 3, 1919, S. 492‒493 (Stammtafel), S. 496‒497 (Text); von Alberti 1889/1916, S. 630‒631.
- ↑ Günter 1939, S. 76‒77.
- ↑ Günter 1939, S. 77.
- ↑ Landesdenkmalamt Baden-Württemberg ohne Jahr u. Seitenzahl.
- ↑ Stadtarchiv Schelklingen A 118 Bd. 2: Ratsprotokoll 1730‒1738: Eintrag vom 1. Juni 1730 S. 6.
- ↑ Stadtarchiv Schelklingen A 118 Bd. 2: RP 1730‒1738 vom 1. Juni 1730 S. 6.
- ↑ Abbildungen des Siegels in Eberl 1978b, Abb. 19 u. 20.
- ↑ Rothenbacher 2015, Nr. 51 S. 185f.
- ↑ Rothenbacher 2015, Nr. 51 S. 187.
- ↑ Günter 1939, S. 76‒77 nach Pfarrregistratur Ehingen Nr. 120.
- ↑ Günter 1939, S. 80 u. 131.
- ↑ Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 234 Bd. 34 fol. 57r‒57v; vgl. Rothenbacher 2017.
- ↑ Günter 1939, S. 81f; Eberl 1978a, S. 329; Eberl 1978b, Nr. 930.
Koordinaten: 48° 22′ 29,5″ N, 9° 43′ 51,2″ O