Renate Köcher
Renate Köcher (* 17. Juli 1952 in Frankfurt am Main) ist eine deutsche Meinungsforscherin. Sie ist Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD).
Beruflicher Werdegang
Renate Köcher wurde als Tochter des Chemikers und Bayer-Managers Ernst-Ulrich Köcher in Frankfurt am Main geboren. Von 1962 bis 1968 besuchte sie das Gymnasium in Leverkusen und von 1968 bis 1970 die Deutsche Schule in Bombay/Indien. Nach dem Abitur am Lise-Meitner-Gymnasium in Leverkusen 1971 studierte Köcher Volkswirtschaftslehre, Publizistik, Soziologie und Kommunikationswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Diplomarbeit schrieb sie 1976 bei Elisabeth Noelle-Neumann in Mainz. Von März bis Dezember 1976 arbeitete Köcher am Mainzer UNESCO-Forschungsprojekt „Community and Communication“ und begann 1977 ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Allensbacher Institut für Demoskopie, wo sie schon früher ein Praktikum absolviert hatte. Nach wenigen Monaten übernahm sie die Leitung eines eigenen Forschungsbereichs und war ab 1980 Projektleiterin für die Marktforschungsbereiche Finanzdienstleistungen, Energie und technische Innovationen. Im Juli 1985 wurde Köcher in München bei Otto B. Roegele mit einer Arbeit über Berufsethik und Aufgabenverständnis britischer und deutscher Journalisten promoviert (Zweitgutachter war Klaus Schönbach).
Im Jahr 1988 lud Elisabeth Noelle-Neumann sie ein, in die Geschäftsführung des IfD einzutreten. Köcher war schon seit langem eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen auf dem Gebiet der Markt- und Sozialforschung, doch stand hinter der Einladung auch der Wunsch, dass ihre Kenntnisse als Volkswirtin dem Institut in einer damals schwierigen wirtschaftlichen Lage helfen sollten.[1] Renate Köcher nahm das Angebot an und leitet seitdem das IfD – bis zum Tode von Elisabeth Noelle-Neumann am 25. März 2010 zunächst mit dieser gemeinsam – als Geschäftsführerin.
2003 wurde Renate Köcher durch den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg der Professorentitel verliehen.
In ihrer Funktion als Allensbach-Geschäftsführerin publiziert sie regelmäßig auch in großen Tages- und Wochenzeitungen.
Mitgliedschaften
Renate Köcher ist Mitglied des Universitätsrats der Universität Mannheim. Außerdem ist oder war sie Mitglied mehrerer Aufsichtsräte (Allianz, BMW Group, Infineon Technologies AG). Renate Köcher ist Mitglied im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Eberhard von Kuenheim Stiftung[2] und Jurymitglied bei den Preisvergaben der Ludwig-Erhard-Stiftung.[3] Sie ist Mitglied im Vorstand der Siepmann-Stiftung, des Kontrollgremiums der Unternehmensgruppe ALDI SÜD.[4] Seit 2012 ist sie Mitglied des Bioökonomierats (BÖR). 2018 war sie Teilnehmerin der Bilderberg-Konferenz in Turin.[5]
Ehrungen
- 1996: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
- 2006: Arthur-Burkhardt-Preis
- 2012: Persönlichkeit des Jahres des BVM Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e. V.
Kritik
Für öffentliche Kritik sorgten Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 1992 und Landtagswahl in Baden-Württemberg 1996, bei denen das Allensbach-Institut die Umfragewerte der Partei Die Republikaner viel zu niedrig ansetzte. Allensbach prognostizierte 4,5 bzw. 4 Prozent Stimmenanteil. Die tatsächlichen Wahlergebnis der Republikaner lagen jedoch bei 10,9 und 9,1 Prozent. In einem Interview zu den Vorfällen räumte Renate Köcher ein, dass sie der Partei keine Plattform bieten wolle und daher die im Vorfeld der Wahl ihr bekannten höheren Umfragewerte nicht veröffentlicht hatte. Dieses Vorgehen stieß in der Publizistik und Wissenschaft auf Kritik.[6][7][8]
Schriften
- Spürhund und Missionar. Eine vergleichende Untersuchung über Berufsethik und Aufgabenverständnis britischer und deutscher Journalisten. (München, Univ., Diss., 1985).
Weblinks
- Literatur von und über Renate Köcher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Quellen
- ↑ Elisabeth Noelle-Neumann: Die Erinnerungen. München 2006, S. 302.
- ↑ Webseite der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG, siehe Das Kuratorium
- ↑ Mitglieder der Jury auf ludwig-erhard-stiftung.de, abgerufen am 26. August 2014
- ↑ Aldi-Organigramm, Spiegel online, 28. Juli 2010
- ↑ Bilderberg Meeting 2019 ( des vom 2. Dezember 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf bilderbergmeetings.org, abgerufen am 7. Juni 2018
- ↑ Dieter Roth 2009: Demoskopie und Politik – Zum Verhältnis und den Missverständnissen zwischen zwei stark kritisierten Professionen. In: Jürgen Winkler (Hrsg.) Politik-Wissenschaft-Medien, ISBN 3-531-16621-2, S. 250f.
- ↑ „Solide ermittelt“. In: Der Spiegel. Nr. 14, 1996, S. 27 (online – 1. April 1996, Interview).
- ↑ „Meinungsforschung – Unheil aus der Urne“. In: Der Spiegel. Nr. 14, 1996, S. 26 f. (online – 1. April 1996, Interview).