Reismühl
Reismühl Reismühle (hist.) Gemeinde Gauting
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|---|---|
| Koordinaten: | 48° 3′ N, 11° 22′ O |
| Höhe: | 567 m ü. NHN |
| Einwohner: | 16 (25. Mai 1987)[1] |
| Postleitzahl: | 82131 |
Reismühle von Westen aus gesehen
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Die Reismühle, amtlich Reismühl[2][3][4] (früher Reismühle)[5][6], ist ein Gemeindeteil von Gauting im oberbayerischen Landkreis Starnberg.
Lage
Die Einöde liegt an der Würm gut einen Kilometer südlich vom historischen Zentrum Gautings.[3]
Geschichte
Örtlichen Sagen zu Folge ist die Reismühle einer der über 500 Orte, an denen Karl der Große gezeugt oder geboren wurde. Diese ist gegenüber der Grundfassung der Sage von Pippin und Bertha besonders ausgeschmückt: Hausmeier Pippin soll seinen Hofmarschall beauftragt haben, seine Braut Bertha nach Freising zu begleiten, wo die Hochzeit stattfinden sollte. Der ungetreue Beamte setzt die Braut jedoch im Wald aus und versucht dem Herrscher seine eigene Tochter unterzuschieben. Bertha überlebte und fand Zuflucht in der Reismühle, wo Jahre später Pippin auf einer Jagd eintrifft. Er erkennt sie anhand eines Ringes, den er ihr geschenkt hatte, und schon in der ersten Nacht nach dem Zusammentreffen soll Karl der Große gezeugt worden sein.[7] Dazu passt, dass der Burgstall Karlsburg auf der südlich bei Leutstetten gelegenen Endmoräne des Isar-Loisach-Gletschers ebenfalls nach dem Kaiser benannt ist. Auch hier soll Karl den Legenden nach gezeugt worden sein und auch hier ist die Zeitstellung unbekannt, ein tatsächlicher Aufenthalt der Karolinger in der Region ist nicht nachweisbar.
Für diese Legenden gibt es keinerlei Belege, als Anknüpfungspunkt für ihre Entstehung kommt in Frage, dass die Karolinger nachweislich deutlich später Grundbesitz in der Region hatten.
Urkundlich ist die Reismühle erstmals 1314 nachgewiesen, als die Dominikanerinnen von Kloster Altenhohenau ihren Besitz in Königswiesen bei den Herzögen Ludwig IV. von Bayern, der später im selben Jahr Kaiser Ludwig der Bayer werden sollte, und Rudolf I. gegen andere Niederlassungen eintauschten und dabei die zugehörigen Werte aufzählten. Die zu Königswiesen gehörende Reismühle bestand demnach damals aus der Mühle und einem Hof von einer halben Hufe.[8][9][10] Ab 1494 ist die Reismühle mit Königswiesen in privatem Eigentum, 1507 kommen sie bis 1550 wieder ins Eigentum der Herzöge. 1580 ist anlässlich einer Erbschaft wieder ein Besitzverzeichnis erhalten, in dem die Reismühle, ein Schmied bei der Reismühle und eine Sölde der Reismühle mit einem Fischereirecht genannt werden.[11] 1818 werden im Zuge des Gemeindeedikts Königswiesen und die Reismühle der neu geschaffenen Gemeinde Gauting zugeschlagen.[12]
Im Jahr 1846 übergab Jakob Koch die Mühle mit Sägewerk und Landwirtschaft an seinen Schwiegersohn Johann Baptist Guggemos. Seitdem befindet sich die Mühle im Familienbesitz. Im Jahr 1925 brannte die Mühle ab und wurde wieder aufgebaut. Schließlich fand 1959 eine Modernisierung der Gebäude statt.[13] Der Mühlenbetrieb wurde im Juli 1998 eingestellt,[14] die Gebäude werden seitdem anderweitig genutzt. Im Jahr 2025 ist ein Fitnessstudio der größte Mieter.[15][16] Außerdem haben beginnend mit kleinen Anfängen 1996 inzwischen rund 40 Künstler (Stand 2025) ihre Ateliers in den Gebäuden,[17] wo alljährlich im Sommer ein Tag des Offenen Ateliers stattfindet.[7]
An Weihnachten 2000 pflanzte Landrat Heinrich Frey bei der Reismühle eine Karls-Eiche zur Erinnerung an das 1200-jährige Jubiläum der Kaiserkrönungs Karls des Großen.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1861 | 1871 | 1900 | 1925 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohnerzahl | 18 | 14 | 13 | 15 | 20 | 19 | 18 | 16 |
| Quelle | [6] | [18] | [19] | [20] | [21] | [22] | [23] | [1] |
Weblinks
- Die Reismühle auf gauting.de
- Reismühl in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 30. September 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 142 (Digitalisat).
- ↑ Gemeinde Gauting, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 17. April 2022.
- ↑ a b Lage von Reismühl. In: BayernAtlas. Abgerufen am 17. April 2022.
- ↑ Topographische Karte von 1964
- ↑ Positionsblatt um 1860
- ↑ a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 205, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
- ↑ a b Gemeinde Gauting: Sehenswürdigkeiten – Reismühle, abgerufen am 30. September 2025
- ↑ Hans H. Schmidt: 6000 Jahre Ackerbau und Siedlungsgeschichte im oberen Würmtal bei München. Buchendorfer Verlag 1991, ISBN 3-927984-06-X, S. 221f
- ↑ Wolfgang Krämer: Geschichte der Gemeinde Gauting. Selbstverlag Gemeinde Gauting, Gauting 1949, S. 329.
- ↑ Historischer Atlas Bayerns: Altbayern Reihe I Heft 3: Das Landgericht Starnberg, S, 21
- ↑ Wolfgang Krämer: Geschichte der Gemeinde Gauting. Selbstverlag Gemeinde Gauting, Gauting 1949, S. 333.
- ↑ Historischer Atlas Bayerns: Altbayern Reihe I Heft 3: Das Landgericht Starnberg, S. 31
- ↑ Karl Mayr: Gauting und Stockdorf. 1870-1978. Deutscher Kunstverlag, München 1985, ISBN 3-422-00784-9, S. 260 f.
- ↑ Süddeutsche Zeitung: Arbeit am Konzept der Hallermühle, 10. November 1998, Ausgabe Starnberg, S. 5
- ↑ Hardy's Fitness: Hardy's Fitnessstudio in Gauting, abgerufen am 30. September 2025
- ↑ Michael Brezl: Umbau bei Reismühle beginnt im Dezember. In: Süddeutsche Zeitung, 9. November 2000, S. R5
- ↑ Christiane Bracht: Erfinderin der Kunstmühle. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Juni 2012, S. R4
- ↑ Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 214, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 277 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 288 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 279 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 207 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 53 (Digitalisat).