Reinhold Franz (Politiker)

Reinhold Franz (* 11. Oktober 1922 in Lahsisken, Oberschlesien; † unbekannt) war ein deutscher Politiker und Funktionär der DDR-Blockpartei Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD).

Leben, Ausbildung und Beruf

Reinhold Franz wurde am 11. Oktober 1922 in Lahsiskem, das im damaligen Oberschlesien lag, geboren. Er entstammte einer Landarbeiterfamilie.[1]

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Franz eine Ausbildung an der Landwirtschaftsschule.[1] Seine berufliche Laufbahn war eng mit der Landwirtschaft verbunden: Er begann zunächst im elterlichen Betrieb und machte sich später als Landwirt selbständig.[1] Diese biografischen Umstände waren typisch für die Führungskräfte der DBD, die sich als Interessenvertretung der bäuerlichen Schicht, insbesondere der Neubauern und Einzelbauern, definierten.[2]

Seine Tätigkeit als selbständiger Landwirt fiel in die Zeit des Aufbaus der sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, die von der Zwangskollektivierung und der Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) geprägt war.[3]

Politische Karriere in der DBD

Franz trat der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) bei, die 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet wurde. Die DBD war eine sogenannte Blockpartei und Teil der Nationalen Front, wodurch sie die politische Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) anerkannte. Die Hauptaufgabe der DBD bestand darin, die Landbevölkerung für die agrarpolitischen Ziele der SED, insbesondere die Kollektivierung, zu gewinnen.

Franz engagierte sich auf regionaler Ebene und wurde Mitglied im Kreisvorstand der DBD im Kreis Geithain, der zum Bezirk Leipzig gehörte.[2] Als lokaler Parteifunktionär war er maßgeblich an der politischen Organisation der Landbevölkerung in seiner Region beteiligt.

Abgeordneter der Volkskammer (1954–1963)

Seine politische Laufbahn erreichte ihren Höhepunkt mit dem Mandat als Abgeordneter in der Volkskammer der DDR, dem nominellen Parlament.

Er vertrat die DBD-Fraktion in zwei aufeinanderfolgenden Wahlperioden:

  • 2. Wahlperiode: Vom 17. Oktober 1954 bis 1958
  • 3. Wahlperiode: Vom 1958 bis zum 13. November 1963

Während seiner Zeit in der Volkskammer fielen die wichtigsten Phasen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft, insbesondere die sogenannte „sozialistische Frühjahrsbestellung“ von 1960, welche die nahezu vollständige Kollektivierung der Bauernhöfe in LPGs abschloss. Als DBD-Abgeordneter war Franz somit Teil des politischen Apparates, der diese tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen mittrug.

Seine Abgeordnetentätigkeit endete mit dem Ende der 3. Wahlperiode im Jahr 1963. Über seine spätere berufliche oder politische Laufbahn sind in den offiziellen Handbüchern der Volkskammer keine weiteren Angaben verzeichnet.[2]

Literatur

  • Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik, 3. Wahlperiode, Handbuch, 1959, S. 273.
  • Müller-Enbergs, Helmut u. a. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Ch. Links Verlag, Berlin.

Einzelnachweise

  1. a b c Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Kongress Verlag, 1959, S. 273.
  2. a b c DDR A-Z - kommunismusgeschichte.de. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
  3. Stiftung Deutsches Historisches Museum, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Gerade auf LeMO gesehen: LeMO Kapitel: Kollektivierung der Landwirtschaft. Abgerufen am 11. Dezember 2025.