Reinhard von Westrem zum Gutacker

Reinhard Emil Heinrich Richard von Westrem zum Gutacker (* 29. April 1879 in Hülchrath; † 17. August 1956 in Wiesbaden) war ein preußischer Generalleutnant und Polizeipräsident in Frankfurt am Main.

Leben

Er entstammte einem westfälischen[1] stiftsmäßigen Geschlecht, das 1337 im Münster’schen urkundete,[2] bzw. schon 1227 mit Bronstenus de Westrem (van Westerem), Ritter und Richter der kurkölnischen Ministerialen zu Recklinghausen.[3] Reinhard von Westrem zum Gutacker wurde als Sohn des Königlich Sächsischen Hauptmanns Ulrich Reinhard von Westrem zum Gutacker und dessen Ehefrau Emilie Wolters geboren. Wie sein Vater entschied er sich für eine militärische Laufbahn und trat 1895 in die Preußische Armee ein. 1896 kam er zum 2. Rheinischen Husaren-Regiment Nr. 9 in Straßburg, wo er am 17. Dezember 1896 zum Portepeefähnrich und nach dem Besuch der Kriegsschule zum Seconde-Leutnantund befördert wurde. 1899 wurde er zum Thüringischen Husaren-Regiment Nr. 12 versetzt und dort im Oktober 1903 zum Adjutanten ernannt. Im Herbst 1908 wurde er für 2 Jahre zum Militärreitinstitut in Hannover kommandiert, am 22. April 1912 als Adjutant zur 8. Kavallerie-Brigade nach Halle an der Saale versetzt und dort im Juli zum Rittmeister befördert. Während des Ersten Weltkrieges fand er verschiedene Verwendungen (Höheres Kavallerie-Kommando 5, Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 28, Adjutant beim Militärgouverneur Rumänien und Adjutant beim Generalkommando I. Reservekorps). Nach dem Krieg wurde er als Major in die vorläufige Reichswehr übernommen, am 1. Oktober 1919 zum Adjutanten beim Stab der 1. Kavallerie-Division in Frankfurt an der Oder ernannt und nach der Bildung des 100.000-Mann-Heeres der Reichswehr weiter bei dem Stab als Adjutant verwendet. Nach Verwendung in verschiedenen Regimentern war er zuletzt Kommandeur des 4. Preußischen Reiter-Regiments in Potsdam. Seine Laufbahn in der Reichswehr beendete er als Kommandant des Truppenübungsplatzes Altengrabow und schied zum 30. September 1930 aus dem Dienst. Dabei wurden ihm die Charakter als Generalmajor verliehen.

Am 1. Oktober 1931 wurde er Mitglied der NSDAP und fand als SA-Standartenführer Verwendung. Am 13. Februar 1933 wurde er von SA-Stabschef Ernst Röhm als Nachfolger von Ludwig Steinberg mit der Leitung der Polizeibehörde Frankfurt beauftragt. Weil er Klage führte gegen das rüde Vorgehen von SA- und SS-Männern, die als Hilfspolizisten Andersdenkende und vor allem Juden terrorisierten, geriet er mit der SA-Führung in Konflikt.[4] So musste er im September seinen Posten räumen. Sein Nachfolger wurde der SA-Gruppenführer Adolf Beckerle. Er verlor seine SA-Dienstgrade und wurde im Januar 1934 in den endgültigen Ruhestand versetzt.

Im Zweiten Weltkrieg war er Kommandant in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern. Zum 1. April 1942 wurde er zum Generalleutnant befördert.

Familie

Am 7. Oktober 1903 heiratete er in Charlottenburg Margarethe Charlotte Catherina Hasse (1885–1966), Tochter des Maximilian Hasse, Ingenieur und Fabrikbesitzer. Die Ehe wurde am 3. November 1915 geschieden. Aus dieser Ehe stammt die 1904 in Torgau geborene Tochter Sigard, der später einen Diplom-Landwirt ehelichte.

Am 18. März 1919 heiratete er in Görlitz die etwas mehr als zehn Jahre jüngere Anne-Marie Fleischauer (1889–1969), Tochter des Rechtsanwaltes und Notar Justizrat Dr. jur. Max René Gustav Fleischauer.[5] Aus der Ehe sind die Töchter Anne-Marie (* 1920) und Alexandrine (* 1921), und der Sohn Raban Reinhard Friedrich von Westrem zum Gutacker (* 1928) hervorgegangen. Die beiden Töchter lebten danach in den USA.

Johanniterorden

Zum 1. September 1914 wurde er Ehrenritter, nachfolgend 1926 Rechtsritter[6] des Johanniterordens. Westrem zum Gutacker gehörte keiner Provinzialgenossenschaft an, sondern direkt der Balley Brandenburg. Aufgrund der Anweisung von Rudolf Heß vom 2. Juli 1938, Untersagung der Doppelmitgliedschaft von NSDAP und Kongregation, trat der General im Februar 1939 aus dem Johanniterorden aus. Insgesamt verlor der Orden zehn Prozent, etwa 400 seiner Mitglieder. Taggleich taten dies auf eigenen Antrag u. a. Sigismund von Bibra, Vicco von Bülow-Schwante, Hasso von Etzdorf, Hans-Bernhard von Grünberg, August Wilhelm Prinz von Preußen, Herbert von Richthofen, Wolf von Trotha, Graf Wedego von Wedel. Die Genehmigung erteilte dann der Sekretär der Johanniter, Graf Theodor von Baudissin.[7]

Schriften

  • 1901 Geschichte des thüringischen Husaren-Regiments Nr. 12. Berlin, Eisenschmidt-Verlag, Berlin 1901.

Literatur

  • Thomas Klein: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau, Darmstadt/Marburg (Lahn) 1988, S. 236.
  • Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1971. Band XI, Band 49 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1971, ISSN 0435-2408, S. 475.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1939. Jahrgang 38, Gotha 1938. Siehe: FamilySearch.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1930. Jahrgang 29, Gotha 1929, S. 654. Siehe: FamilySearch.

Einzelnachweise

  1. Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter. Heberle, Köln 1858, S. 411 f.
  2. Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland herausgegeben von einigen deutschen Edelleuten, enthaltend zuverlässige und urkundliche Nachrichten über 9898 Adels-Geschlechter. Band 4, Verlag Joseph Manz, Regensburg 1866, S. 189.
  3. Siehe Literatur: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1930. Jahrgang 29, Gotha 1929, S. 654. Siehe: FamilySearch.
  4. Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main Digitalisat
  5. Westrem zum Gutacker, Reinhard Emil Heinrich Richard von“, in: Hessische Biografie (Stand: 28. November 2023)
  6. Gesamt-Liste der Mitglieder der Balley-Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerisalem nach dem Stande vom 10. März 1931. Eigenverlag, Berlin 1931, S. 19.
  7. Johanniterorden (Hrsg.): Johanniter-Ordensblatt. Mitteilungsblatt für die Mitglieder des Johanniterordens. 1939. 2, 80. Jahrgang, 145. Nachweisung, Eigenverlag, Berlin 15. Februar 1939, DNB 013197398, S. 6.