Reinhard Töpfer
Reinhard Töpfer (* 20. März 1959 in Bedburg/Erft) ist ein deutscher Biologe und Fachmann für Genetik und Rebenzüchtung.
Werdegang
Töpfer studierte von 1978 bis 1983 Biologie an der Universität zu Köln mit Schwerpunkten Genetik, Botanik und Organische Chemie sowie Biochemie an der ETH in Zürich. Nach dem Diplomabschluss 1984 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Entwicklung von Gentransfermethoden bei Getreiden in der Abteilung von Jeff Schell, Direktor am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPIZ) in Köln. Die Promotion schloss er 1987 an der Universität zu Köln ab. Es folgte eine Postdoc-Zeit am MPIZ in Köln mit Schwerpunkt Nachwachsende Rohstoffe zur Änderung des Fettsäurestoffwechsels im Speicheröl von Raps. 1994 habilitierte Töpfer an der Universität Gießen bei Wolfgang Friedt zur genetischen Modifikation der Speicherlipide von Raps. 2014 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt.
Von 1995 bis 2024 leitete Töpfer das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof, das zunächst Teil der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) war und seit 2008 Teil des Julius Kühn-Instituts (JKI) ist. Das Institut führte ab 1999 den ersten Freilandversuch in Deutschland mit transgenen Weinreben durch, mit dem die Auskreuzungsrate bei Weinreben bestimmt wurde.[1]
Das Resistenzzüchtungsprogramm am Geilweilerhof – begonnen von Peter Morio, intensiviert von Bernhard Husfeld und Gerhardt Alleweldt – führte Töpfer mit seinem Team fort. Es verbindet die langjährigen Hauptziele der Züchtung: die Kombination von Produktqualität (Traube und Wein) mit hoher Resistenz gegen Schadorganismen. Zwischenzeitlich ist die verbesserte Anpassung an den Klimawandel als wichtiges Zuchtziel hinzugekommen. Eine Effizienzsteigerung erfuhren die Züchtungsarbeiten am Geilweilerhof durch die Entwicklung und Nutzbarmachung von molekularen Markern zur Diagnostik der Vererbung insbesondere von Resistenzeigenschaften (Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Schwarzfäule, Reblaus).[2] Diese markergestützte Selektion (MAS) findet heute breite Anwendung in der Rebenzüchtung.
Seit 2010 bildete die Entwicklung automatisierter phänotypischer Selektion am Geilweilerhof einen neuen Forschungsschwerpunkt, der durch umfangreiche Kooperationen insbesondere mit der Universität Bonn, der Fraunhofer-Gesellschaft u. a. ausgebaut worden ist.[3] Erste Anwendungsbeispiele erreichen Züchtungsforschung und Züchtung.[4]
Einzelnachweise
- ↑ Harst, M.; Bornhoff, B. A.; Töpfer, R. (2009) Investigations of pollen dispersal and out-crossing events using transgenic grapevines: a pilot study. Acta Horticulturae, Belgium (827) 505-510. https://doi.org/10.17660/ActaHortic.2009.827.88
- ↑ Töpfer, R. Trapp, O. (2022) A cool climate perspective on grapevine breeding: climate change and sustainability are driving forces for changing varieties in a traditional market. Theoretical and Applied Genetics 135 (11) 3947-3960. https://doi.org/10.1007/s00122-022-04077-0
- ↑ Herzog et al. (2025) High-throughput phenotyping in grapevine breeding research: technologies and current developments OENO One vibe and Wine
- ↑ Malagol, N.; Tanuj Rao; Werner, A.; Töpfer, R.; Hausmann, L. (2025) A high-throughput ResNet CNN approach for automated grapevine leaf hair quantification. Scientific Reports 15 (Art. 1590) 13 pp. + suppl. https://doi.org/10.1038/s41598-025-85336-0