Reiner von Bocholtz

Reiner von Bocholtz (als Abt Reiner II.) (auch Reinhard von Buchholz) († 25. März 1585) war von 1555 bis 1585 Abt des Klosters Corvey.

Leben

Reiner von Bocholtz stammte aus der Adelsfamilie Bocholtz der Linie von Hove. Er war ein Neffe von Aegidius von Bocholtz, des Abtes der Benediktinerabtei Mönchengladbach. Reiner trat 1548 in das Kloster Mönchengladbach ein. Weil er keine finanzielle Unterstützung durch die Familie erhielt, bezahlte das Kloster sein Studium in Köln.[1][2]

Im Jahr 1555 wurde Reiner von Bocholtz zum Abt von Corvey gewählt. Die ältere Forschung beschrieb ihn als fromm, friedsam, fleißig und haushälterisch. Doch sei er den Herausforderungen seiner Zeit nicht gewachsen gewesen.[3]

Im Rahmen der Bursfelder Kongregation nahm Abt Reiner fast jedes Jahr am Generalkapitel teil. Zwischen 1556 und 1582 war er insgesamt siebenmal Mitpräsident dieser Versammlung und war sechsmal Definitor. Allerdings soll er zumindest mit den Lehren von Martin Luther sympathisiert haben.[4]

Abt Reiner schloss für die zu Corvey gehörenden Propstei Gröningen und der gleichnamigen Stadt einen Vertrag zur Klärung des Verhältnisses zwischen Kloster und der bereits zur Reformation übergegangenen Stadt Gröningen. Möglicherweise auf seine Initiative siedelten die letzten Mönche aus Gröningen nach Corvey über. Sie konnten dabei ihre liturgischen Geräte, die Bibliothek, das Archiv und verschiedene Kunstwerke mitnehmen.[5]

Auch in der Stadt Höxter hatte sich die Reformation durchgesetzt. Die dortigen Minoriten sahen sich 1555 gezwungen, die Stadt zu verlassen. Elf Jahre später kam es zwischen der Stadt Höxter und dem Kloster Corvey zum Streit um das Klostergebäude der Minoriten. Abt Reiner überließ die Kirche und das Kloster de facto der Stadt, die sofort die Klostergebäude abreißen ließ. Nach dem Tod des Abtes protestierte der Orden der Minoriten dagegen bei Kaiser Rudolf II.[6]

Abt Reiner versuchte in Corveyer Herrschaftsbereich die Reformation zurückzudrängen. Dagegen bildete sich 1566 ein Bündnis (Erbeinigung des Fürstentums Corvey) aus den Adelsfamilien Amelunxen, Stockhausen, Kannen und der Stadt Höxter.[7]

Literatur

  • Theo Optdendrenk: Rohr im Winde oder Fels in der Brandung? Reiner von Bocholtz, Fürstabt von Corvey 1555–1585. In: ders. (Hrsg.): Lobberich. Ein Kirchspiel an der Nette. Heimatgeschichtliches Lesebuch zu 1000 Jahren einer niederrheinischen Gemeinde. Matussek, Nettetal 1987, ISBN 3-920743-15-6, S. 105–113.
  • Leo Peters: Ein Reichsfürst aus Lobberich. In: Rheinische Post, 4. Juli 2015.

Einzelnachweise

  1. Gottfried Eckertz, Eduard Johann Konrad Növer: Die Benediktiner-Abtei M. Gladbach. Heberle, Köln 1853, S. 118.
  2. Klaus Johannes Dors: Die Urkunden im Archiv der Pfarre St. Sebastianus in Nettetal – Lobberich bis zum Jahre 1600 (online, abgerufen am 15. November 2025).
  3. Friedrich W. Ebeling: Die deutschen Bischöfe bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts, Band 1. Wigand, Leipzig 1858, S. 353.
  4. Elke-Ursel Hammer: Substrukturen, Zentren und Regionen in der Bursfelder Kongregation. In: Enno Bünz und andere (Hrsg.): Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Festschrift für Matthias Werner zum 65. Geburtstag. Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-20060-2, S. 421.
  5. Christof Römer: Die Benediktiner in Gröningen. Epochen einer Corveyer Propstei im Bistum Halberstadt. In: Harz-Zeitschrift, Jg. 60 (2008), S. 30.
  6. Konrad Eubel: Geschichte der kölnischen Minoriten-Ordensprovinz. Boisserée, Köln 1906, S. 272.
  7. Georg Winter: Niederdeutschland. In: Historische Gesellschaft zu Berlin (Hrsg.): Jahresberichte der Geschichtswissenschaft, Jg. 6 (1888), S. 97.
VorgängerAmtNachfolger
Kaspar I. von HörselFürstabt von Corvey
1555–1585
Dietrich IV. von Beringhausen