Reichenbach (Berglen)
Reichenbach Gemeinde Berglen
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| Koordinaten: | 48° 50′ N, 9° 27′ O |
| Höhe: | 375 m |
| Einwohner: | 200 (Feb. 2021)[1] |
| Eingemeindung: | 1. April 1972 |
| Eingemeindet nach: | Buchenberg |
| Postleitzahl: | 73663 |
| Vorwahl: | 07195 |
| Lage von Reichenbach in den Berglen
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Reichenbach im 17. Jahrhundert (Ansicht von Andreas Kieser)
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Reichenbach (früher Reichenbach bei Winnenden) ist ein Dorf und seit 1972 ein Gemeindeteil der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort gehört zur Region Stuttgart liegt vollständig im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Derzeit hat Reichenbach ungefähr 200 Einwohner.
Geographische Lage
Umliegende Ortschaften sind Bretzenacker im Nordosten, Steinach im Osten, Hößlinswart im Südosten, Remshalden-Buoch im Südwesten, Breuningsweiler im Westen und Birkmannsweiler im Nordwesten.
Zur Altgemeinde Reichenbach gehören die Weiler Lehnenberg und Spechtshof sowie die Wüstung Baubenweiler.
Geschichte
Reichenbach wurde 1360 erstmals urkundlich in einem Verzeichnis des Bistums Konstanz als Filiale der Pfarrei Buoch erwähnt. An das Haus Württemberg fiel Richembach das wyler vor 1442. Die Württemberger traten 1442 das Amt Winnenden (und damit auch Reichenbach) durch Ulrich den Vielgeliebten an den Edelmann Hans von Yberg ab. 1524 war der Winnender Vogt Paul Wyld Eigentümer von Reichenbach; später erfolgte der Weiterverkauf an das Haus Württemberg. 1806 wurde Reichenbach Bestandteil des neu errichteten Königreichs Württemberg. 1808 wurde Reichenbach mit Steinach dem Oberamt Waiblingen zugeordnet. Bis 1829 unterstand Reichenbach dem Schultheiß von Steinach. 1829 wurde die Gemeinde Reichenbach gegründet. 1938 wurde Reichenbach im Rahmen der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg dem Landkreis Waiblingen angegliedert. 1945 wurde Reichenbach von der US-Armee besetzt und wurde Teil der Amerikanischen Besatzungszone und somit des Landes Württemberg-Baden.1952 Teil des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg.
Mit der Gemeindereform von 1972 wurde Reichenbach ein Ortsteil der Großgemeinde Buchenberg, die noch im selben Jahr den Namen Berglen erhielt.[2] Mit der Gemeinde Berglen wurde Reichenbach dem Rems-Murr-Kreis zugeordnet.
Einwohnerentwicklung
- 1828: 230 Einwohner (alle evangelischen Glaubens)[3]
- 1850: 395 (darunter 4 Katholiken)[4]
- 1979: 490[5]
- 2021: 200
Religion
Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich ist Reichenbach wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geprägt. Reichenbach verfügt allerdings über keine Kirche. Zwischen Reichenbach und dem Spechtshof befindet sich ein kleiner Friedhof. Der Weiler Lehnenberg verfügt ebenfalls über einen Friedhof.
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
- 1828: Jung[3]
Wappen und Flagge
Die Altgemeinde Reichenbach führte ein Gemeindewappen und eine Flagge.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: Auf silbernem (weißen) Wappenschild über einem erniedrigten grünen Wellenbalken ein Zweig mit drei roten Kirschen.
Wappenbegründung: Der grüne Wellenbalken steht für den Bach, die Kirschen verweisen auf den früher weit verbreiteten Anbau von Steinobst.
Mit der Auflösung der Gemeinde Reichenbach im Zuge der baden-württembergischen Gemeindegebietsreform von 1972 ist das Wappen erloschen. Es kann jedoch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege weiterhin benutzt werden, etwa als Abzeichen oder Wimpel.
Wirtschaftliche Verhältnisse
Die wirtschaftliche Lage in Reichenbach war bis weit in das 19. Jahrhundert katastrophal. Der Name Geißwand kommt daher, dass sich die Einwohner von Reichenbach keine Kühe leisten konnten, sondern nur Ziegen (Geißen). In der Oberamtsbeschreibung von 1850 steht: „Der landwirtschaftliche Betrieb wird als gering bezeichnet… Die Einwohner gehören zu den ärmsten des Bezirks und bauen nicht das eigene Bedürfnis an Getreide. An Gewerben sind nur 8 Leinenweber und 3 Schuhmacher in der Gemeinde Reichenbach.“ Gründe für den schlechten Ertrag waren: die sehr schlechten Anbaubedingungen (Bodenqualität, Geländebeschaffenheit und Kleinklima) und die wegen der Erbteilung sehr kleinen Anbauflächen. Aufgrund dieser Verhältnisse wanderten einige Familien nach Amerika aus. Viele Eltern mussten sich auswärts ihr Brot verdienen, und viele Kinder gingen betteln. In dem Reichenbacher Wappen ist ein Kirschzweig mit 3 Kirschen. Dies kommt daher, dass man in Reichenbach sehr viele Kirschbäume anpflanzte. Aus ihnen wurde das Bergleswasser (ein Schnaps) gebrannt. Man ließ die Bäume sehr hoch wachsen und musste, um die Kirschen ernten zu können auf bis zu 50-sprossige Leitern klettern, die teilweise noch verlängert wurden. Dies führte dann auch zu tödlichen Unfällen. Ab 1876 wurden noch mehr Kirschen angebaut, da nun die leicht verderblichen Kirschen mit der Bahnstrecke Stuttgart-Bad Cannstatt–Nördlingen nach Stuttgart und Bayern transportiert werden konnten. Die Reichenbacher Erdbeeren wurden 1935 zum ersten Mal in kleinen Spankörben auf dem Stuttgarter Markt verkauft. Heute besitzt Reichenbach 22 ha Wald.
Strom- und Wasserversorgung
Bis 1875 mussten die Reichenbacher von einem Brunnen, der 100 m unterhalb des Ortskerns lag, ihr Wasser holen. Die Wasserleitung, die 1875 gebaut wurde, hatte einen Fehler. Das Wasser kam nicht in die oberen Stockwerke des Schulhauses. 1935 baute man eine neue Wasserleitung. Die Reichenbacher Quelle ist die wasserreichste Quelle von Berglen. 1924 wurde Reichenbach als letzte Gemeinde der Berglen an das Stromnetz angeschlossen.
Bildungseinrichtungen
Bis 1700 mussten die Reichenbacher Kinder nach Buoch gehen, da im Dorf keine Schule vorhanden war. Im Jahre 1700 erhielt Steinach eine Dorfschule, in die auch die Reichenbacher Kinder gingen. Damit die Kinder auch die Schule besuchten und nicht bettelten, wurden sie vom Steinacher Dorfbüttel abgeholt und in die Schule gebracht. Wenn die Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schickten, mussten sie eine Geldstrafe bezahlen. 1866 erhielt Reichenbach seine eigene Dorfschule. Da die Gemeinde die Mittel für die Schule nicht aufbringen konnte, wurde sie zum größten Teil vom Staat finanziert. In der NS-Zeit wurden Reichenbach und Steinach 1938 zu einem Schulbezirk vereinigt. 1969 schlossen sich Reichenbach, Steinach und Hößlinswart zu einem Schulbezirk zusammen.
Heute wird in Reichenbach nicht mehr unterrichtet. Das Schulhaus wird nun im Erdgeschoss für Veranstaltungen genützt. Im oberen Stockwerk sind heute Wohnungen.
Feuerwehr
1840 kaufte die Feuerwehr Reichenbach mit noch anderen Orten eine Handfeuerspritze.
1847 wurde diese Spritze vollständiges Eigentum der Gemeinde Reichenbach, da die anderen Orte sich eine eigene Spritze kauften. Diese Spritze war auch auf der Weltausstellung in Paris.
2001 schlossen sich die Freiwilligen Feuerwehren Reichenbach und Steinach zusammen.
2008 erfolgte dann der Zusammenschluss mit anderen Freiwilligen Feuerwehren aus Berglen zur Abteilung Süd.
Vereine
In Reichenbach gibt es drei Vereine:
- Gemischter Chor Reichenbach: 1918 begannen einige singfreudige, junge Leute ein paar Lieder einzuüben. Aus diesem „losen“ Chor wurde 1922 ein richtiger Verein mit festen Singstunden. Seit 1977 wird alle drei Jahre das Waffelfest veranstaltet.
- Obst- und Gartenbauverein Reichenbach: 1933 wurde der Obst- und Gartenbauverein Reichenbach gegründet. Er veranstaltet mit noch drei andern Obst- und Gartenbauvereinen den jährlichen Blumenschmuckwettbewerb.
- SSV Steinach-Reichenbach: 1957 gründeten Sportfreunde den Verein. 1959 wurde das Vereinsheim eingeweiht. Seit 1960 hat der Verein einen eigenen bespielbaren Fußballplatz. 1980 fand zum ersten Mal die Berglesolympiade statt. Zurzeit wird das neue Vereinsheim im Erlenhof gebaut.
Einzelnachweise
- ↑ Zahlen & Daten. Abgerufen am 11. Oktober 2022.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 459 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1828, S. 203.
- ↑ Beschreibung des Oberamts Waiblingen, S. 190.
- ↑ Der Rems-Murr-Kreis, S. 285.
Literatur
- Gemeinde Reichenbach. In: Johann Gottlob von Kurr (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Waiblingen (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 26). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1850, S. 190–192 (Volltext [Wikisource]).
- Ilse Böwing-Bauer: Die Berglen. Hopfer Verlag, Tübingen 1958.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 285.