Regintrudis Sauter
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Regintrudis Sauter (* 11. Mai 1865 in Meßkirch als Josephine Sauter; † 7. September 1957 in Rüdesheim am Rhein) war eine Benediktinerin und erste Äbtissin der 1904 neu gegründeten Abtei St. Hildegard, die in der Nachfolge der Klostergründungen Hildegards von Bingen steht. Damit war Regintrudis Sauter die 36. Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen. In ihrer Amtszeit von 1908 bis 1955 führte sie das Kloster durch die Krisen beider Weltkriege und dennoch zu großer Blüte.
Herkunft und Ausbildung
Josephine kam als Tochter des Bauinspektors Joseph Sauter und seiner Frau Katharina Sauter, geb. Kugler, am 11. Mai 1865 in Meßkirch in Baden zur Welt und wurde wegen ihres schwachen Gesundheitszustandes noch am selben Tag getauft. Sie war das 14. von insgesamt 16 Kindern der Familie. Als der Vater am 10. Januar 1879 starb, lebten noch 12 Kinder. Sechs davon ergriffen geistliche Berufe: Neben Josephine trat auch Cäcilia[1] in den Bendiktinerinnenorden ein, Bertha in den Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, ein Bruder wurde als Pater Pazificus Kapuziner, Reinhold und Hermann wurden Pfarrer. Ihre schulische Ausbildung erhielt sie an der Stadtschule in Meßkirch und im Kloster Herz Jesu der Englischen Fräulein in Günzburg, wo sie mit einem französischen Sprachexamen abschloss.[2.1]
Klostereintritt und Profess
Auf ihren sehnlichen Wunsch nach einem Leben im Kloster trat Josephine – vermittelt durch den mit ihr verwandten Benediktiner und späteren Abt Benedikt Sauter – in die traditionsreiche Benediktinerinnenabtei Nonnberg bei Salzburg ein: „Am 15. August 1883 übergab die Mutter selbst ihre Tochter Frau Äbtissin Magdalena Klotz.“[2.1] Am 27. April 1884 wurde sie eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Regintrudis, benannt nach der Benediktinerin, Äbtissin und Mitgründerin des Klosters Nonnberg aus dem 8. Jahrhundert. Als Grund für eine eineinhalbjährige Unterbrechung des Lebens im Kloster wird ihre schwache Gesundheit genannt. Am 2. Oktober 1887 legte Regintrudis ihre Profess ab und erhielt die Jungfrauenweihe durch Fürstbischof Albert Eder.[2.1]
Gründungskolonien für St. Gabriel und St. Hildegard
Nach zwei Jahren wurde Regintrudis einer Gründungskolonie zugeteilt, also einer Gruppe von Nonnen, die als erste ein neu gegründetes Kloster besiedeln. Am 13. November 1889 erfolgte der Umzug in die Abtei St. Gabriel in Smíchov, seit 1922 ein Stadtteil Prags, das dort als erstes Frauenkloster der Beuroner Kongregation eingerichtet wurde. Die Neugründung wurde durch Benedikt Sauter begleitet, der 1885 Abt des Prager Emmausklosters geworden war. Sie arbeitete als Wäschemeisterin, Bibliothekarin, Subpriorin[3] und ab 1900 als Novizenmeisterin.[4] Äbtissin Adelgundis Berlinghoff wählte sie 1904 aus, als Priorin eine Gruppe von Nonnen anzuführen, die die neu gegründete Abtei St. Hildegard in Eibingen, seit 1939 ein Stadtteil Rüdesheims, beziehen sollte. Dieser Gründungskolonie gehörte auch Regintrudis’ Schwester Cäcilia an. Am 17. September 1904, dem Gedenktag Hildegards von Bingen, kam die Gruppe in der Abtei an, für die am 2. Juli 1900 der Grundstein gelegt worden war.[5.1]
Äbtissin
Regintrudis wurde am 8. September 1908 vom Limburger Bischof Dominikus Willi zur Äbtissin geweiht, nachdem am Tag zuvor die Weihe der Klosterkirche stattgefunden hatte. Die Anlage befindet sich nur wenige hundert Meter entfernt von dem von Hildegard von Bingen 1165 gegründeten Kloster Eibingen, das 1814 in der Folge der Säkularisation auf Anordnung der nassauischen Regierung geschlossen wurde. Hildegards erste Gründung um 1150, das Kloster Rupertsberg, fiel im Dreißigjährigen Krieg 1632 einem Angriff der Schweden zum Opfer. Fortgeführt wurde ab 1636 nur das – verschont gebliebene – Eibinger Kloster als „Konvent von Rupertsberg und Eibingen“. Daher gilt die Abtei St. Hildegard als Nachfolgekloster der mittelalterlichen Gründungen. Als deren 36. Äbtissin steht Regintrudis in der Nachfolge Hildegards von Bingen.[5.2]
Sie sah sich bald den schwerwiegenden Folgen des Ersten Weltkriegs für ihre Abtei ausgesetzt, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Nach einer Zeit des Aufstiegs bestand der Konvent gegen Ende der 1930er-Jahre aus über 100 Nonnen. Neben den liturgischen Diensten weitete sich die Arbeit in der Abtei unter Regintrudis’ Leitung auf Handwerk, Kunst, Wissenschaft und Literatur aus.[5.1] Bedeutende Anregungen zur Gestaltung des klösterlichen Lebens erhielt sie aus der Abtei Maria Laach, namentlich von Abt Ildefons Herwegen.[2.2]
Die Geheime Staatspolizei verfügte die Aufhebung des Klosters zum 1. Juli 1941. Am folgenden Tag, dem 41. Jahrestag der Grundsteinlegung, erfolgte die Ausweisung aller 115 Nonnen.[6] Sie wurden unter anderem in das Mutterhaus der Dienstmägde Christi nach Dernbach verbracht[7.1] und arbeiteten in Gruppen verteilt in Lazaretten und Krankenhäusern. Regintrudis fand eine Unterkunft auf einem westfälischen Landsitz.[2.3] Nachdem die Abtei als „Teillazarett Kloster Eibingen“ zur Versorgung von bis zu 325 Verwundeten genutzt worden war,[6] konnte der Konvent am 2. Juli 1945 dorthin zurückkehren, erneut unter der Leitung seiner nun 80-jährigen Äbtissin.
Regintrudis beging 1952 die 65. Wiederkehr ihrer Profess. Zu diesem Anlass ernannte Rüdesheim sie zur Ehrenbürgerin „in Anbetracht der großen Verdienste um die Stadt, den Rheingau und ihre Abtei, die sie zu so hoher geistiger Blüte geführt habe“.[2.3] Am 4. August 1955 legte sie ihr Amt – 90-jährig – nieder. Als Äbtissin hatte sie 137 Novizinnen zur ewigen Profess geführt.[2.3] Zu ihrer Nachfolgerin wurde Fortunata Fischer gewählt, die bereits seit 1953 als Priorin-Administratorin amtierte.[8] Nach einer leidvollen Zeit der Krankheit starb sie am 7. September 1957, am 49. Jahrestag der Kirchweihe von St. Hildegard und am Vorabend des 49. Jahrestages ihrer Äbtissinnenweihe. Neben vielen anderen nahmen der Limburger Bischof Wilhelm Kempf, mehrere Äbte und Vertreter fast aller Klöster der Beuroner Kongregation sowie der Enkel des Klosterstifters, Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, an der Beerdigung auf dem Klosterfriedhof teil.[2.3]
Würdigung
Die Nachrufe betonen ihre Charakter- und Glaubensstärke und heben ihre Leistungen in der Gestaltung des klösterlichen Lebens sowie ihre Verdienste um Hildegard von Bingen hervor.
Der Benediktiner und Hochschullehrer Damasus Zähringer, späterer Erzabt der Erzabtei Beuron, betont ihre „starke, in sich geschlossene Persönlichkeit“ sowie ihren „klaren, eindeutigen Charakter“ und stellt fest, dass Regintrudis „aus der Geschichte der Beuroner Kongregation nicht wegzudenken ist“.[2.3] Die Benediktinerin und Wissenschaftlerin Marianna Schrader unterstreicht die Bedeutung der Verstorbenen für die Abtei: „Äbtissin Regintrudis ist der geistige Grundstein des neuen Klosters der hl. Hildegard. Ihr Hinübergang in die Ewigkeit hat die erste Epoche seiner Geschichte abgeschlossen.“[7.1] Franz Rector, Autor des Binger Heimat-Jahrbuchs, erkennt Regintrudis’ Wirken über die Klostermauern hinaus an:
„Es ist ein unvergängliches Verdienst der ersten Äbtissin dieses Klosters, Regintrudis Sauter, daß gerade in dem halben Säkulum, das nun seit der Neugründung dieses Frauenklosters vergangen ist, auch die Bedeutung Hildegards von Bingen als Mystikerin und Prophetin, als Dichterin und Liedsängerin, als Naturforscherin und Physikerin, im letzten Sinne auch als Kirchenlehrerin in das Bewußtsein unserer Zeitgenossen trat.“
Literatur
- Franz Rector: Regintrudis Sauter †, Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen. In: Landkreis Bingen (Hrsg.): Heimat-Jahrbuch Landkreis Bingen. Geschichte, Begebenheiten, Einflüsse, Zeitströmungen. Band 4. Schiffer, 1960, ZDB-ID 401335-9, S. 66–69.
- Marianna Schrader: Frau Regintrudis Sauter OSB †, Äbtissin von St. Rupertsberg und Eibingen. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. Band 9. Jaegersche Buchdruckerei, Speyer 1957, S. 297–298, urn:nbn:de:0128-1-12685.
- Damasus Zähringer: † Frau Regintrudis Sauter OSB, Äbtissin von St. Rupertsberg und Eibingen, 1865–1957. In: Benediktinische Monatschrift zur Pflege religiösen und geistigen Lebens. Band 33, Nr. 11/12. Beuroner Kunstverl., 1957, ZDB-ID 206486-8, S. 478–481.
Weblinks
- Regintrudis Sauter in der Biographia Benedictina (Benediktinerlexikon.de)
Einzelnachweise
- ↑ Cäcilia ist vermutlich ihr Ordensname.
- ↑ Zähringer: Benediktinische Monatsschrift. 1957.
- ↑ Ulrike-Johanna Wagner-Höher: Die Benediktinerinnen von St. Gabriel/Bertholdstein (1889–1919) (= Studien zur monastischen Kultur. Band 1). EOS-Verlag, St. Ottilien 2008, ISBN 978-3-8306-7343-9, S. 401.
- ↑ Regintrudis Sauter OSB (Kurzbiografie Nr. 22086). (PDF; 7,7 KB) In: Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917–1929). 23. Juli 2014, abgerufen am 8. Januar 2026.
- ↑ Rector: Heimat-Jahrbuch Landkreis Bingen. 1960.
- ↑ a b Abtei St. Hildegard: Die Geschichte unseres Klosters. Abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Schrader: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. 1957.
- ↑ Fischer, Fortunata – Biographia Benedictina. Abgerufen am 12. Januar 2026.