Regina Friedlaender

Regina Friedlaender (* 12. Mai 1866 in Berlin als Regina Oppler; † 7. März 1932 ebenda) war eine deutsche Modistin, Modedesignerin und Unternehmerin.

Werdegang

Regina Oppler wurde 1866 als Tochter des jüdischen Kaufmanns David Oppler geboren und wuchs in Berlin auf. Sie erlernte den Beruf der Putzmacherin und bot im Sommer 1894 im Berliner Tageblatt einen „Lehrkurs für feinen Damenputz“ für „junge Damen“. 1894 heiratete sie den Kaufmann Hugo Friedlaender. 1896 wurde Tochter Rosalie geboren und 1900 Sohn Emanuel Werner.[1] Die Ehe wurde am 9. Februar 1906 durch das Königliche Landgericht geschieden.[1][2]

Am 6. Mai 1906 heiratete Regina Friedlaender den Schriftsteller und Lyriker Leo Heller (1876–1941), der 1901 nach Berlin gekommen war, um als Textdichter beim literarisches Kabarett Überbrettl zu arbeiten. Sie behielt auch nach der Eheschließung den Namen „Friedlaender“ bei.[2] Mit ihrem Mann und ihren Kindern lebte sie in Berlin und führte in den nächsten Jahren bis zum Einsetzen der Weltwirtschaftskrise erfolgreich einen der führenden Modesalons Berlins.[1][3][4]

Regina Friedlaender starb am 7. März 1932 in Berlin und wurde am 10. März auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee bestattet.[2] Ihr Ehemann Leo Heller zog von Berlin nach Teplitz und anschließend nach Prag, wo er im Januar 1941 starb. Ihre Tochter Rosalie Friedländer, verheiratete Voß, wurde 1943 im Vernichtungslager Sobibor ermordet, ihr Sohn Emanuel Werner, mittlerweile Facharzt, starb 1948 in Montevideo.[1]

Tätigkeit als Modeschöpferin und Unternehmerin

Am 15. April 1904 ließ Regina Friedlaender ihre neu gegründete Firma in das Firmenregister eintragen. Im Frühjahr 1910 zog sie mit ihrem Geschäft namens „Modes“ in die renommierte Potsdamer Straße um. In den folgenden Jahren expandierte ihre Firma, hatte mehrere Adressenwechsel und Regina Friedlaender schaltete „Einstellungsannoncen in einschlägigen Tageszeitungen, in denen sie immer wieder Laufmädchen, Buchhalterinnen, Zuarbeiterinnen und Verkäuferinnen“ suchte.[1] 1914 eröffnete sie einen von Ludwig Kainer konzipierten Salon in der Königgrätzer Straße 2–3 (heute Ebertstraße),[4] dessen Ausgestaltung mit Fresko-Malereien an Wänden und Decken sogar in einer Kunstzeitung besprochen wurde. Ab 1917 führte sie ihren exklusiven Salon in der Budapester Straße 2–3. Zu ihren vor allem wohlhabenden Kundinnen zählten unter anderem Aristokratinnen und Ehefrauen von Diplomaten sowie Schauspielerinnen, darunter auch Anita Berber.[1] Auch der Tenor Hermann Jadlowker trug ihre Hüte.[2]

Der Shawl: Komposition von Regina Friedländer. Zeichnung Leonhard und Die Diva: Pelzmantel von Regina Friedlaender, 1922

Regina Friedlaender machte sich mit ihren Entwürfen einen Namen in der Berliner Modewelt und hatte ab Anfang der 1920er Jahre großen Erfolg mit ihrem Modesalon, der als „eines der führenden Berliner Modellhäuser“ galt.[1][3] Sie hatte „einen hohen künstlerischen Anspruch, betrachtet ihre Mode, ihren Beruf, so wie ihr Ehemann, auch als Kunst“.[1] Im Bereich des Hutmacher- und Schneiderhandwerks schuf sie ausgefallene Kreationen,[1] extravagante und exklusive Hutmodelle in aufsehenerregenden Farben und Designs[3] und Haute Couture.[2] Ihre Entwürfe von Kopfbedeckungen, Pelzen und Roben wurden in vielen Modemagazinen und Lifestyle-Zeitschriften, wie etwa der Styl, Berliner Leben, Die Dame und Elegante Welt gezeigt und positiv besprochen.[2][3] Die Berliner Presse bezeichnete sie als die „Modekönigin von Berlin“.[1]

Im Jahr 1928 war auch die Firma von Regina Friedlaender als Teil der Berliner Modeindustrie durch den in Deutschland einsetzenden wirtschaftlichen Abschwung und die 1929 folgende Weltwirtschaftskrise betroffen. Im Juni 1928 wurde im Deutschen Reichsanzeiger die Eröffnung des Konkursverfahrens ihrer Firma veröffentlicht. Regina Friedlaender gelang es, den Konkurs zunächst abzuwenden, indem sie zusammen mit dem Kaufmann Fritz Dix, der das Stammkapital von 25.000 Reichsmark einbrachte, die „GmbH für die Herstellung und den Vertrieb von Damenmoden und Damenputz Regina Friedländer“ gründete. Dix und sie selbst firmierten als gemeinsame Geschäftsführer. Am 29. November 1928 wurde das Konkursverfahren aufgehoben,[1] die Firma konnte aber aufgrund der Weltwirtschaftskrise und dem sinkenden Bedarf an Luxusgütern bis zum Tod Regina Friedlaenders 1932 nicht mehr an die frühere Größe anknüpfen.[1]

Ausstellungen (Auswahl)

1921 war Regina Friedlaender Teil einer Modeausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin, bei der Mode nach einem neuen Konzept dargeboten wurde. Statt Mannequins über den Laufsteg zu schicken, wurden die Kreationen in komplett ausgestatteten Salons diverser Modefirmen ausgestellt. Sie beteiligte sich in Folge auch an Modellhut-Ausstellungen in anderen Städten, wie etwa in Hamburg, an „Modeschauen, Galas, Modetees und Messen wie die Berliner Durchreise oder die Berliner Woche“.[1]

Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Regina Friedlaender vertreten war.[5]

Commons: Regina Friedländer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m Bettina Müller: „Modekönigin von Berlin“: Wie Regina Friedländer die Modeindustrie aufwühlte. In: Berliner Zeitung vom 13. März 2024. Abgerufen am 15. Dezember 2025
  2. a b c d e f Bettina Müller: "Det is det Lebens janzer Zweck: Een scheenen Dod zu schterben" - Der Schriftsteller und Redakteur Leo Heller (1876 Wien – 1941 Prag). In: Arthistoricum.net vom 2. Mai 2017. Abgerufen am 16. Dezember 2025
  3. a b c d Friedlaender, Regina. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 15. Dezember 2025
  4. a b Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 108, 1236–125
  5. Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 15. Dezember 2025