Real Casina di Caccia (Persano)
Das Real Casina di Caccia ist ein Jagdschloss aus den 1750er-Jahren im Ortsteil Persano der Gemeinde Serre in der italienischen Provinz Kampanien. König Karl III. von Spanien ließ es erbauen und überließ es den Grafen De Rossi von Caiazzo, den Lehensherren von Serre.
Das Gebiet der Residenz erstreckt sich zwischen den Flüssen Sele und Calore Lucano und umfasst Territorien in Eboli, Campagna und Altavilla Silentina. Es ist reich an Wäldern und Wildbret; 1758 ging es in den Besitz des Souveräns über.
Einführung
Der Bau des Jagdschlosses von Persano war Teil jener Förderung und infrastrukturellen Erneuerung, die Karl III. in seinem Königreich einführte, indem er den Bau neuer Straßen, Brücken, Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungssystemen, öffentlicher Gebäude (Schulen, Krankenhäuser, kultureller Einrichtungen) und zahlreicher architektonischer und städtebaulicher Eingriffe beförderte.
Tatsächlich hatten die Bourbonen von Neapel verschiedene königliche Residenzen errichten lassen und damit ein örtliches System königlicher Liegenschaften mit vielfachen Funktionen geschaffen: Die einfache Residenz, das Schloss für die Jagd und eher die landwirtschaftliche als die industrielle Funktion. Die königlichen Liegenschaften waren entscheidend für die Verwaltung und den Umbau des Königreiches, weil sie die Hauptstadt Neapel zu ihrer Umgebung hin öffneten, so wie Paris, Madrid, Turin und andere europäische Hauptstädte.
Der königlichen Liegenschaften gab es laut einem „Memorandum“, das 1806 Joseph Bonaparte präsentiert wurde, 23 nur in der Provinz Terra di Lavoro und 69 insgesamt. Es gibt keine gesicherten Informationen über die genaue Anzahl der königlichen Liegenschaften für Jagdzwecke der Bourbonen im Königreich beider Sizilien, da einige von ihnen nur eine begrenzte Zeit lang existierten.
Man weiß nicht, wie König Karl III. vom Wald von Persano Kenntnis erlangte, vermutlich während einer seiner ersten Erkundungsreisen durch das neue Königreich, die in bis zu den Ruinen von Paestum führten, oder durch eine Einladung der Grafen De Rossi, Lehensherren von Serre. Letztere hatten tatsächlich viele Jahre lang Karl III. zu Gast, der später es später für eine Summe von 6800 Dukaten pro Jahr mietete. Erst 1758 kaufte er offiziell das Anwesen und gab dem Grafen Giuseppe de Rossi im Austausch dagegen seine Besitzungen in Casal di Principe. Um seine direkte Gerichtsbarkeit auszudehnen, kaufte Karl III. auch die angrenzenden Lehen von Controne und Postiglione, die dem Grafen Marcantonio Garofalo gehörten,[1] und errichtete so einen Standort der Krone als Gegengewicht zur Macht der Lehensherren der Gegend (Darunter stachen neben den Doria d'Angri, Grafen von Eboli, die Solimenes, Markgrafen von Altavilla, und die Moscatis, Grafen und Herzöge von Albanella, hervor.)[2]
Geschichte und Beschreibung
Die Projektierung des Jagdschlosses begann 1752 und der Militäringenieur Giovanni Domenico Piana, der aus Ponna im Herzogtum Mailand stammte, wurde mit ihr beauftragt.[1] Dieser ließ das vorhergehende Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das auf den Resten eines alten, vermutlich mittelalterlichen, Dorfes erstellt worden war, vollständig abreißen und vollkommen neu errichten. Aber Störungen in der Statik aufgrund des weichen Alluvialuntergrundes führten praktisch sofort zu Schäden an dem noch unvollendeten Gebäude. Der König wandte sich daher an Luigi Vanvitelli (der schon mit den Bauarbeiten an der Reggia di Caserta beauftragt worden war) für einen Rettungs- und Restaurierungseingriff. Dennoch unterstützen einige Autoren, wie Luigi del Posto, die These, dass der Bau des Jagdschlosses aus der Zeit um 1738 stammen könnte: „4. Februar 1738: Der König ordnet an, dass ihm ein Schlösschen in Persano mit anschließendem Wald für sein Jagdvergnügen erbaut würde.“[3] Dass das königliche Anwesen in Persano auf dem vorhergehenden Gebäude vollkommen neu errichtet wurde, wird auch durch das Zeugnis des Funktionärs Luca Vecchione bestätigt, der den Ort 1757, wie folgt, beschrieb: „Persano wird in drei Hauptbezeichnungen unterteilt, das Viertel San Nazario, das Viertel Mezzo und das Viertel des Casinos, wegen des Jagdschlosses, in dem der bekannte Herzog von Serre wohnt, wo es heute auf Kosten Seiner Majestät als nichts weniger als seine Residenz erbaut wurde, sodass der Hof sich in der Zeit an dem königlichen Vergnügen der Jagd erfreue. Das Schlösschen, das an diesem göttlichen Ort existierte, wurde, als der Neubau errichtet wurde, abgerissen und wie es genau gebaut war, kann ich nicht sagen, weil es nicht mehr existiert, nur in den Dokumenten ist der von Giovanni Domenico Piana erstellte Plan ersichtlich.“[4]
Für das Schlösschen von Persano gab es viele Entwürfe: In den ersten hatte das Gebäude einen quadratischen, symmetrischen Grundriss mit Ausnahme der Kapelle der Madonna delle Grazie, die vom Hauptbaukörper vorsprang. Das Gleichgewicht der Konstruktion war durch die vier achteckigen Türme unterstrichen. Zwei davon enthielten Wendeltreppen, die ins Dachgeschoss führten (heute nicht mehr existent), während die anderen beiden vermutlich als Aborte dienten.
Eine Vorhalle mit sieben Arkaden umgibt den Hof allseitig. Auf der Ebene des ersten Obergeschosses scheinen die Arkaden vollkommen offen zu sein. Die mittleren Öffnungen der vier Vorhallen sind weiter, was auf eine größere, funktionelle Bedeutung hinweist. Diese Annahme wird durch die Tatsache gestützt, dass diese Öffnungen mit dem Haupteingang im unteren Stockwerk und dem Zugang zur Kapelle im oberen Stockwerk korrespondieren. Auch auf den anderen beiden Seiten haben die mittleren Öffnungen aus Symmetriegründen eine größere Breite, auch wenn die Funktion dieser Räume nicht erkennbar ist. In dieser Anfangsphase des Projektes fungierten die Arkaden und die Vorhalle als Verbindungselemente der Innenräume. Dennoch spiegelt letztere nicht die Symmetrie wider, die sich klar in der Außenansicht des Gebäudes manifestiert. Tatsächlich folgt die Aufteilung der Innenräume nicht derselben Regelmäßigkeit zwischen den einzelnen Seiten, die so weniger durchgängig als die äußere Ausrichtung erscheint. Diese Diskrepanz zwischen äußerer Harmonie und innerer Konfiguration lässt die ursprüngliche Absicht erkennen, die repräsentative Funktion der Außenansicht von der praktischeren und funktionelleren Natur der Innenräume zu unterscheiden.
Jedoch sollte sich das Gestaltungskonzept der offenen Bögen in der endgültigen Konstruktion nicht widerspiegeln. Im endgültigen Projekt waren die oberen Arkaden geschlossen (aus Stabilitätsgründen), was die visuelle Transparenz und das Gleichgewicht der ursprünglichen Komposition teilweise veränderte.
Wie vorher erwähnt, forderte Karl III. den Eingriff Luigi Vanvitellis (damals „der erste Architekt des Königs für die Gebäude in Caserta“), um die verschiedenen strukturellen Mängel auszumerzen, die sich in kurzer Zeit zu zeigen begannen. Aus der Briefkorrespondenz des Architekten mit den Gebrüdern Urbano sind die Gründe für diese Mängel ersichtlich. In seinen Briefen kritisierte Vanvitelli dauernd die Oberflächlichkeit der örtlichen Militäringenieure und von Giovanni Domenico Piana gegenüber den konstruktiven Irrtümern bei Real Casina di Caccia von Persano, wie dem Fehlen der Ketten an den Säulen und dem Gebrauch von für das Schwemmland ungeeigneten Materialien. Der Autor lieferte eine detaillierte Analyse der aufgetretenen Probleme, wobei der den Grund für den Einsturz der Vorhalle in der Rotation der Säulen sah, die durch das Gewicht der Gewölbe auf instabilem Mauerwerk und der fehlenden Installation der Ketten verursacht würde. Außerdem haben offensichtliche Dinge, wie der Einsatz von Sand anstelle von Puzzolanen durch einen Teil der örtlichen Ingenieure eine spätere Konsolidierung und, daraus resultierend den Einsturz der Gebäude, verursacht. Er schlug vor, Eisenketten einzusetzen, die im Inneren der Bögen verborgen seien, sowohl oben als auch unten, und so die Gesamtstabilität der Gebäude zu garantieren. Die Konsolidierungsmaßnahmen am Real Casina di Caccia in Persano wurden dank der Autorität Vanvitellis, der 1754 Arbeiter aus Caserta zur Installation der Querketten schickte, schnellstens durchgeführt, sodass die Kreuzgewölbe mit dem Rest des Gebäudes verbunden und so weitere Setzungen verhindert wurden. Der am ehesten sichtbare Eingriff, den Vanvitelli vorgeschlagen hatte, war die Vermauerung der oberen Loggia, eine Lösung, die bereits in Neapel angewendet worden war und die den Hofraum veränderte, indem sie einen Gegensatz zwischen den Arkaden im Erdgeschoss und der geschlossenen Wand im ersten Obergeschoss schuf. Vanvitelli schlug auch vor, einige Tüten zuzumauern und die Anzahl der Fenster in den Treppentürmen zu verringern. Die gefundenen Tabellen bestätigen die Umsetzung dieser Maßnahmen, einschließlich des Anbaus eines rechteckigen Baukörpers für die königlichen Küchen, was den ursprünglich quadratischen Grundriss des Gebäudes und Beibehaltung der von Karl III. gewünschten Symmetrie veränderte. Auch die Kapelle mit zwei rechteckigen Räumen und der gebogenen Apsis scheint Vanvitelli zugeschriebenen Veränderungen unter Beibehaltung der eigentlichen Konfiguration unterzogen worden zu sein. Der Eingriff von Vanvitelli an der Kapelle wird auch von Bruno Zevi bestätigt, der den „Umbau in Persano“ mit dem Bau der Treppen, der großen Treppe und der königlichen Kapelle erwähnt. Er schrieb: „Beim Umbau von Persano postulierte Luigi Vanvitelli ein Renaissancemodul mit quadratischem Grundriss, aber der Stil des 18. Jahrhunderts ist am imposanten doppelten Zug der großen Treppe zu sehen, setzt die Bögen im Erdgeschoss in einen Gegensatz zur geschlossenen Mauer im Obergeschoss und formt die Querträger des Kirchleins, die den Raum zwischen den beiden Kuppeln überdecken.“[5]
Im Landgut Persano wurde 1742 eine Pferdezucht mit ausgewählten neapolitanischen, sizilianischen, kalabresischen und apulischen Rassen mit Hengsten aus Andalusien und der Provence errichtet, um eine eigene Rasse zu schaffen.
Das Gebäude und die zugehörige Jagd wurden in ein Militärgelände verwandelt, in dem das Logistikregiment „Garibaldi“ (eine Einheit, die zur Brigata bersaglieri “Garibaldi” gehört) und das 10. Sanitätsabteilung „Napoli“ (eine Einheit, die zum Logistikunterstützungskommando gehört) ihren Sitz haben. Somit ist das Gelände normalerweise nicht öffentlich zugänglich, aber zu einigen Gelegenheiten im Jahr wird Touristen der Zugang ermöglicht[6] oder für kulturelle Veranstaltungen.[7]
Einzelnachweise
- ↑ a b M. Ulino: I Borbone delle Due Sicilie e il Real Sito di Persano in Il Postiglione. Bände 20–21. 2008. S. 187–202.
- ↑ G. M. Alfano: Istorica descrizione del regno di Napoli diviso in dodici provincie. Neapel 1798.
- ↑ L. del Pozzo: Cronaca civile e militare delle Due siciilie sotto la dinastia borbonica dall'anno 1734 in poi. Stamperia Reale, Neapel 1857. S. 34.
- ↑ G. Alisio: Il sito Reale di Persano in Napoli nobilissimae. Neapel 1973. S. 215. Bemerkung 13.
- ↑ B. Zevi: Cronache di architettura. Laterza, 1971. S. 36. Bemerkung 13.
- ↑ Servizio di Ettore de Lorenzo: Si aprono le porte della Reggia borbonica di Persano. 21. Januar 2024, abgerufen am 5. November 2025 (italienisch).
- ↑ Visita alla Real Casina di Caccia di Persano. Fondo Ambiente Italiano (FAI), 21. Oktober 2023, abgerufen am 5. November 2025 (italienisch).
Weblinks
Koordinaten: 40° 32′ 0″ N, 15° 2′ 55,6″ O