Rautenbach (Unternehmen)

Rautenbach Solingen GmbH & Co KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1885 in Solingen als Rautenbach OHG
Sitz Solingen, Deutschland Deutschland
Leitung Daniel Rautenbach (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl 40
Umsatz 8 Mio. EUR
Website https://www.glaetzer-cnc.de/die-firmengruppe.html
Stand: 2025

Rautenbach Solingen Beteiligungs GmbH & Co KG ist eine deutsche Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Solingen, welche Anteile an Firmen in der CNC-Serienbearbeitung, dem Werkzeug- und Vorrichtungsbau, sowie der Räum- und Systemtechnik hauptsächlich für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie, das produzierende Gewerbe beziehungsweise den Flugzeugturbinenbau hält. Die Firma geht auf die Familie Rautenbach respektive die Firma Rautenbach zurück, welche während des Zweiten Weltkriegs in Solingen und Wernigerode über 3.500 Mitarbeiter beschäftigt hat.[1][2]

Die ehemalige Rautenbach AG, welche primär in Aluminiumguss die Fertigung von Automobilteilen umfasste, wurde 2004 durch Andreas und Daniel Rautenbach an den mexikanischen Nemak-Konzern veräußert.[3][4]

Geschichte

Der Firmengründer Rudolf Rautenbach (1859–1939) eröffnete 1885 eine Gelbgießerei in Solingen. Zu seinen Kunden zählte zunächst vor allem die dort beheimatete Stahlwarenindustrie. Ab 1900 stieg er in die Produktion von Leichtbauteilen für die Automobilindustrie ein und die Firma belieferte namhafte Unternehmen wie Daimler und Adam Opel. 1912 beschäftigte das Unternehmen am Solinger Mangenberg bereits 150 Mitarbeiter. Nach dem Rückzug von Rudolf Rautenbach übernahm sein Sohn Arthur 1920 die Geschäftsführung.[1]

Das Unternehmen spezialisierte sich in den 1920er Jahren auf die Produktion von Aluminiumteilen und belieferte neben der Autoindustrie auch die aufkommende Flugzeugindustrie. 1935 wurde in Wernigerode im Harz ein Zweigwerk errichtet, eine der damals größten Leichtmetallgießereien Europas. Das Unternehmen produzierte im Zweiten Weltkrieg als kriegswichtiger Zulieferbetrieb für die deutsche Rüstungsindustrie und beschäftigte in seinen Werken auch Zwangsarbeiter. Das Werk am Solinger Mangenberg wurde am 16. Februar 1945 durch einen Luftangriff zerstört.[5]

Nach einem Produktionsverbot wurde der Gießereibetrieb für nichtmilitärische Zwecke im Solinger Werk 1949 wieder aufgenommen. Da neben Arthur zwischenzeitlich sein Bruder Harry in das Unternehmen eingestiegen war, firmierte es neu als Gebr. Rautenbach GmbH. Harry wurde 1953 alleiniger Geschäftsführer im Unternehmen. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn Harald den Betrieb 1966 und erweiterte das Produktionsspektrum der Firma auf Aluminiumfassadenteile. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1972 fusionierte das Unternehmen mit der Honsel AG. Harald Rautenbachs schied 1982 aus dem Unternehmen aus. Honsel gab wenige Jahre später den Standort in Solingen auf.[1]

Das Werk in Wernigerode wurde seit 1948 als VEB Gießerei und Modellbau Wernigerode betrieben. Es avancierte zum bedeutendsten Aluminiumgießereibetrieb der DDR. Dieser Betrieb wurde 1993 durch die Familie Rautenbach von der Treuhand zurückgekauft.[1] In dem Werk werden vor allem Zylinderköpfe für die Automobilindustrie produziert. 2004 beschäftigte das Werk inklusive des Auslandsstandorts in der Slowakei 900 Mitarbeiter, bevor es an den mexikanischen Konzern Nemak verkauft wurde. Bis heute gehört das Werk in Wernigerode zu den größten Arbeitgebern.[3]

Die Familie Rautenbach baute sich ab Mitte der 1980er Jahre in Solingen durch mehrere Firmenübernahmen etwa im Bereich CNC-Bearbeitung neue Standbeine auf. Das Unternehmen Rautenbach fungiert heute als Holdinggesellschaft für diese Unternehmen. Die Firmen Glätzer, Knieps und Meyer+Dörner sind an der Dönhoffstraße am Solinger Mangenberg ansässig, an der sich früher das Solinger Rautenbach-Werk befand.[1]

Organisation

Die Firmengruppe umfasst (Stand 2022) folgende Unternehmen:

  • Rautenbach Solingen GmbH & Co KG (Beteiligungen)
    • Glätzer GmbH
    • Knieps GmbH
    • Meyer+Dörner Räumwerkzeuge GmbH

Literatur

  • Deutsches Klingenmuseum, Barbara Grotkamp-Schepers (Hrsg.): Starke Marken aus Solingen. Wartberg Verlag, Gudensberg 2006
  • Ralf Rogge: Jahrzehntelang bedeutendste deutsche Leichtmetall-Gießerei. Solinger Tageblatt, 20. Januar 2007
  • Rautenbach. „NS-Musterbetrieb“ als Bombenziel. Solinger Tageblatt, 24. Juli 2007

Einzelnachweise

  1. a b c d e Rudolf Rautenbach Leichtmetallgießereien. In: Detailseite - Archivportal-D. Abgerufen am 27. Februar 2024.
  2. Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß: Rautenbach. In: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 214–215 [Online-Version]. Abgerufen am 27. Februar 2024.
  3. a b Katrin Schröder: Rautenbach: „Ich bin Wernigeröder“. In: Volksstimme Wernigerode. 3. April 2017, abgerufen am 27. Februar 2024.
  4. F. M. T. Staff: Nemak Set to Acquire Rautenbach. In: FOUNDRY Management & Technology. 31. Januar 2005, abgerufen am 27. Februar 2024 (englisch).
  5. Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt. Aus der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. 1975, Band 3, Braun, Duisburg 1975, ISBN 3-87096-126-0, S. 440.