Rathaus (Wittstock/Dosse)
Das denkmalgeschützte Rathaus in Wittstock/Dosse, im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin, ist ein neugotischer Backsteinbau, welcher mit der Gerichtslaube spätmittelalterliche bis barocke Bestandteile besitzt. Innerhalb des Gebäudes finden sich gestalterische Elemente, die sich dem Jugendstil zuordnen lassen.
Lage
Es steht an der östlichen Seite des Marktplatzes, an der Gröper Straße[1] der Kleinstadt Wittstock.
Geschichte
Vorgängerbau
Die erste Erwähnung eines Rathauses in Wittstock datiert auf das Jahr 1274.[2] Die Ursprünge des heutigen Gebäudes liegen um 1400. Aus dieser Zeit stammt der Keller. Über jenem bestand eine „Halle, die zur Tuch-schau, Waage und für die Feuerlösch-Spritzen genutzt wurde.“[3] Die Gerichtslaube wurde zwischen 1401 und 1415 erbaut.[1] Im Stockwerk oberhalb wurde die Ratsstube eingerichtet. Etwa 1484 entstand an der Nordseite ein Anbau mit zwei Geschossen.[3]
Im Jahr 1716 kam es zum größten der Wittstocker Stadtbrände, der auch das Rathaus beschädigte und in einem „teilweise[n] Auf- und Neubau“ resultierte.[3] Dazu gehörte der Fachwerkturm von 1726.[4]
Gegenwärtiges Rathaus
Prägend für das heutige Bild ist der Neubau von 1905, bei dem Teile des Vorgängers[4] – Gerichtslaube, Kellergewölbe und Nordgiebel[2] – mit in das neugotische Bauwerk integriert wurden.[4]
Infolge eines Brandes[1] am 20. März 1954 wurden maßgebliche Schäden im Inneren verursacht, worauf eine Restaurierung durchgeführt wurde. Bedeutende Opfer von diesen „rätselhaftem Anschlag“[2] waren das Wandgemälde im Sitzungssaal, der Dachstuhl und der Turm sowie ein Großteil des Stadtarchivs.[3] 1992 bis 1997[2] bzw. 1996 bis 1997[1] fand eine weitere Restaurierung statt.[2]
Die nachfolgenden 2000er waren ebenfalls der Zustandsverbesserung gewidmet. So erfolgten in den Jahren 2000 und 2009/2010 Sanierungen.[3] Die zur Sanierung der Hülle 2000 aufgewendeten Mittel stammten zu circa 80 % aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz.[3] Weiterhin wurde über den Winter der Jahre 2010 zu 2011 die Deckenmalerei des Bürgermeister-Arbeitszimmers freigelegt und restauriert.[2]
Beschreibung
Äußeres
Es handelt sich um einen zweigeschossigen, massiv konstruierten Backsteinbau[1] mit hohen neugotischen Stufengiebeln. Der quadratische Turm ist dem früheren Fachwerkturm nachempfunden.[4] Unter dem Hauptbau befindet sich ein Keller mit Kreuzrippengewölbe[1] (Birnstabrippen).[3] Jener war früher zweischiffig und vierjochig.[1]
Im Osten des Gebäudes besteht die offene Gerichtslaube aus der Frühzeit des 15. Jahrhunderts. Über figürliche Konsolsteine[1] aus Terrakotta[2] von 1530 erhebt sich darin das barocke Stichkappen-Tonnengewölbe.[1]
An der nach Süden gerichteten Fassade existiert eine alte Sonnenuhr.[2]
Inneres
Im Inneren des Gebäudes zeigen sich vielfach Elemente des Jugendstils und im Plenarsaal hängt ein Gemälde, welches die Übergabe der Stadtrechte darstellt.[2] Diese vollzog sich am 13. September 1248 durch Bischof Heinrich I. von Havelberg und folgte dem Stendaler Stadtrecht.[5] Die Deckenmalerei im Arbeitszimmer des Bürgermeisters bildet „unter anderem die Wappen der Bischöfe, die zwischen 1401 und 1501 in Wittstock residierten“ ab.[2]
Galerie
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Nordostansicht
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Südostansicht
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Nahaufnahme des Turm von Westen
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Gerichtslaube
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Begründet vom Tag für Denkmalpflege 1900, Fortgeführt von Ernst Gall, Neubearbeitung besorgt durch die Dehio-Vereinigung und die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Brandenburg: bearbeitet von Gerhard Vinken und anderen, durchgesehen von Barbara Rimpel. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 1181.
Weblinks
- Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09170005 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Rathaus Wittstock auf der Website der Stadt Wittstock/Dosse
- Wittstock/Dosse auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i Rathaus. In: Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ a b c d e f g h i j Rathaus Wittstock. In: Stadt Wittstock/Dosse. Abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ a b c d e f g Wittstock/Dosse. In: Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Abgerufen am 30. September 2025 (Denkmal-Information, siehe PDF).
- ↑ a b c d Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Begründet vom Tag für Denkmalpflege 1900, Fortgeführt von Ernst Gall, Neubearbeitung besorgt durch die Dehio-Vereinigung und die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Brandenburg: bearbeitet von Gerhard Vinken und anderen, durchgesehen von Barbara Rimpel. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 1181.
- ↑ Wittstock/Dosse. In: Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Abgerufen am 30. September 2025.
Koordinaten: 53° 9′ 47,9″ N, 12° 29′ 7,8″ O