Rat der Frauenvereinigungen von Tobata

Der Rat der Frauenvereinigungen von Tobata (englisch Tobata Council of Women's Associations, 1950 ursprünglich: Tobata City Council of Women’s Associations 戸畑市婦人会協議会 – Tobata-shi fujinkai kyōgikai; ab 1963: Kitakyushu City Tobata Ward Council of Women’s Associations 北九州市戸畑区婦人会協議会 – Kitakyūshū-shi Tobata-ku fujinkai kyōgikai; en.: Tobata Women's Association TWA; japanisch 戸畑婦人会 Tobata fujinkai) war ein Verband von Bürgergruppen mit Sitz im Tobata-Bezirk von Kitakyūshū, Präfektur Fukuoka, Japan. Die im März 1950 gegründete Organisation initiierte in den 1950er und 1960er Jahren eine Basisbewegung gegen die Umweltverschmutzung in der Stadt, dem Zentrum einer der wichtigsten Industriezonen Japans. Die Kampagne basierte auf unabhängiger wissenschaftlicher Forschung; Hausfrauen führten Experimente durch, um die Schadstoffbelastung zu messen und deren Zusammenhang mit den Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit in ihren Wohngebieten zu ermitteln. Ihre Arbeit wurde mit dem Slogan „Wir wollen unseren blauen Himmel zurück“ (青空がほしい, Aozora ga hoshii) in Verbindung gebracht, dem Titel eines 1965 von der TWA produzierten, weit verbreiteten 8-mm-Films und einer Reihe von Berichten, die von 1965 bis 1969 jährlich veröffentlicht wurden. Die Kampagne schärfte das Bewusstsein für die Gefahren der Umweltverschmutzung und förderte die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in Kitakyushu, was zu Verbesserungen der Umweltbedingungen in der Stadt führte. Angesichts des wachsenden gesellschaftlichen Bewusstseins für das Problem stellte die TWA ihre Aktivitäten gegen die Umweltverschmutzung im Jahr 1970 ein.

Hintergrund

Während Japans rasantem Wirtschaftswachstum in den 1950er- und 1960er-Jahren führte die Produktionssteigerung zu massiver Umweltverschmutzung in Industriegebieten im ganzen Land, und viele Menschen litten unter umweltbedingten Krankheiten, die häufig von Schwermetallen verursacht wurden. In Japan werden sie „die vier schweren Umweltkrankheiten“ (四大公害病, Yondai kōgaibyō) genannt. Dazu gehören die Itai itai Krankheit (イタイイタイ病, wörtl. Aua-Aua-Krankheit) verursacht durch Cadmium; die Minamata-Krankheit und die Niigata Minamata-Krankheit (新潟水俣病, Niigata Minamata-byō) durch Quecksilber verursacht und das Yokkaichi Asthma (四日市ぜんそく, Yokkaichi zensoku) verursacht durch Schwefeloxide, die von einer Erdölraffinerie in die Luft eingetragen wurden.[1][2][3]

Tobata, heute ein Stadtteil von Kitakyushu, war Teil der ehemaligen „Industriezone Kitakyushu“ (北九州工業地帯, Kitakyūshū kōgyō-chitai)[4] einem weitläufigen Industriegebiet rund um das 1901 eröffneten Stahlwerk Yahata (八幡製鐵所, Yahata seitetsu-sho, Yawata Iron & Steel Co. Ltd.).[5] Auch Tobata und das benachbarte Yahata waren besonders betroffen: Der deutliche Anstieg der industriellen Aktivitäten führte zu großen Emissionen von Ruß, Staub, Rauch und Schadstoffen. Die Umweltverschmutzung in diesem Gebiet war die schlimmste in ganz Japan.[1][2] Der Himmel war von Industrieabgasen verschleiert, die von den Einheimischen wegen ihrer vielfältigen Farbtöne als „siebenfarbiger Rauch“ (七色の煙, Nana-iro no kemuri) bezeichnet wurden, und die Dōkai-Bucht war so verschmutzt, dass sie „Meer des Todes“ (死の海, Shi no umi, Sea of Death) genannt wurde.[6] Bis 1961 emittierten allein die Yahata Steel Works täglich 27 t (30 Kurztonnen) Feinstaub aus 62 Schornsteinen. In den 1960er Jahren bedeckten Fabriken 70 % der Landfläche von Tobata, und Yahata Steel besaß mehr als die Hälfte der Stadt.[1] In diesem Zusammenhang begannen Frauenvereine in Tobata, sich gegen Umweltverschmutzung zu organisieren.[6]

Geschichte

Gründung

Der erste Frauenverein in Tobata nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Herbst 1946 gegründet. Die damalige Bürgermeistergattin, Tsuruta Yoshiko, war die Vorsitzende.[3][3.1][7][7.1] In der Nachkriegszeit, geprägt von Not und Entbehrungen, konzentrierte sich die Organisation auf das Wohlergehen ihrer Mitglieder. Zu ihren Aktivitäten gehörten die Erforschung der Nutzung lokaler Pflanzen als Nahrungsmittel und effizienter Lebensmittelrationen sowie die Organisation von Tauschbörsen.[3.1] Im März 1948 besuchte Charlotte Crist,[8][8.1] eine Vertreterin der amerikanischen Militärregierung (GHQ) mit Zuständigkeit für Frauenangelegenheiten in der Präfektur Fukuoka, Tobata, um sich über die Aktivitäten des Vereins zu informieren. Sie kritisierte die Ernennung der Bürgermeistergattin zur Vorsitzenden als undemokratisch und ordnete Neuwahlen an. Der Verein protestierte, wurde aber am 31. März zwangsweise aufgelöst.[3.1]

Crist besuchte Tobata in den folgenden Monaten regelmäßig und gab Anleitungen zum Aufbau demokratischer, unabhängiger Frauenorganisationen.[3.1] Sie wollte Tobata als Vorbild für die demokratische Mobilisierung von Frauen in Japan etablieren, wo Basisgruppen unabhängig von staatlichem Einfluss an der Lösung von Problemen ihrer Gemeinden arbeiten sollten.[8.1] Die erste dieser neuen Organisationen, die „Nakabaru-Frauenvereinigung“ (中原婦人会, Nakabaru fujinkai), wurde im Mai 1948 im Stadtteil Nakabaru von Tobata gegründet. Während die ursprüngliche Tobata-Frauenvereinigung auf kommunaler Ebene agierte, entstanden diese neuen Gruppen auf rein ehrenamtlicher Basis durch Hausfrauen in den verschiedenen Stadtvierteln. Im März 1950 wurde eine neue „Tobata-Frauenvereinigung“ als stadtweiter Dachverband für die zahlreichen Nachbarschaftsgruppen gegründet.[3.1]

Aschen-Untersuchungen in Nakabaru (1950–1952)

1950 diskutierten Mitglieder des Vereins Nakabaru das Problem der Ascheemissionen eines nahegelegenen Kohlekraftwerks.[3.2] Die Frauen beschlossen, die Situation zunächst selbst zu untersuchen. Sie bestätigten visuell, dass das Kraftwerk nachts Asche und laute Geräusche ausstieß. Daraufhin richteten sie vier Emissionsmessstationen in Tobata ein. An jeder Station hängten sie gestärkte und ungestärkte Bettwäsche und weiße Hemden auf und ließen diese drei Monate lang trocknen.[3.2] Sie stellten fest, dass die gestärkte Wäsche so stark verschmutzt war, dass sie sich nicht mehr reinigen ließ und dass die Wäsche in der Nähe des Kraftwerks am stärksten verschmutzt war.[3.2] 1951 präsentierten sie die Ergebnisse ihrer Untersuchung den Stadträten und drängten sie zum Handeln. Die lokalen Behörden nahmen sich des Problems umgehend an und führten Gespräche mit dem Energieunternehmen. Man einigte sich darauf, das Problem durch die Installation zusätzlicher Staubabscheider schnellstmöglich zu beheben; alle Arbeiten sollten bis März 1952 abgeschlossen sein.[3.3]

Dank des Engagements des Frauenvereins Nakabaru beschaffte die Stadtverwaltung von Tobata Emissionsmessgeräte. Ab Mai 1958 wurden in Tobata sieben Messstationen für Schwefeldioxid und Feinstaub eingerichtet. Die Stadt begann außerdem, Zuschüsse für die Installation von Staubabscheidern anzubieten. Ab 1959 wurde die Emissionsüberwachung auf die vier Nachbarstädte ausgeweitet, die 1963 mit Tobata zu Kitakyushu fusionierten.[3.4]

Sanroku-Umweltverschmutzungsforschung (1960–1964)

Ab den 1950er Jahren waren die Bewohner des Sanroku-Viertels in Tobata giftigen Gasen und Ruß ausgesetzt, die von den Petrolkoks- und Rußproduktionsanlagen der Nippon Steel Chemical innerhalb des Stahlwerkskomplexes Yahata ausgestoßen wurden.[3.4] Der „Sanroku-Frauenverein“ (三六婦人会, Sanroku fujinkai) setzte sich 1960 gemeinsam mit anderen Bürgerinitiativen für eine Sanierung ein. Zahlreiche Beschwerden über die Umweltverschmutzung wurden 1961 bei Versammlungen im Sanroku-Gemeindezentrum (Kōminkan) vorgebracht. Die Bewohner brachten rußbeflecktes Shōji-Papier, Zeitschriften und Gras als Beweismittel mit. Nach wiederholten Diskussionen erklärte sich die Stadtverwaltung bereit, eine Delegation zur Tokioter Zentrale der Nippon Steel Chemical zu entsenden, um dort Abhilfe zu fordern.[3.4] Nakasu Sugako, Vorsitzende des Sanroku-Frauenvereins, wurde ausgewählt, das Viertel in diesen Verhandlungen zu vertreten. Infolgedessen stimmte Nippon Steel Chemical zu, die Rußanlage mit einem Gaswäscher und die Pechkoksanlage mit einem Gassammelsystem auszustatten. Dies löste das Problem jedoch nicht, da eine Notstromversorgung fehlte und der Kokereiofen veraltet konstruiert war.[3.4]

1963 kam Hayashi Eidai (林えいだい) nach Sanroku, um für das Schulamt von Tobata zu arbeiten. Er war für die Gemeindezentren von Sanroku und Nakabaru zuständig und zeigte sich schockiert über die Luftqualität in der Gegend. Daraufhin ermutigte er den Frauenverein von Sanroku, eine unabhängige wissenschaftliche Studie zum Verschmutzungsproblem durchzuführen.[3.5] Ab Mai 1963[7.2] orientierten sich die Frauen an der Arbeit des Vereins in Nakabaru und hängten an drei verschiedenen Stellen in Sanroku jeweils 30 Stoffstücke auf, deren Zustand sie alle zehn Tage überprüften. Zusätzlich befragten sie Anwohner, maßen die Menge an Ruß und Staub, die herabfiel, mithilfe leerer Hemdkartons und schickten Proben zur Analyse an die Technische Universität Kyūshū. Die Ergebnisse dieser Studien wurden im Oktober 1963 auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Frauenvereins von Tobata und des Schulamts von Tobata vorgestellt und fanden breite Beachtung in Fernsehen, Radio und Zeitungen.[3.6] Mithilfe der Stadt- und Präfekturverwaltung als Vermittler konnte der Frauenverband von Sanroku Druck auf Nippon Steel Chemical ausüben, den veralteten Koksofen zu modernisieren und eine Notstromversorgung für die Staubabscheider zu installieren. Die Parteien einigten sich im Februar 1964 unter diesen Bedingungen auf eine Beilegung des Streits.[3.4]

„Aozora ga hoshii“ – Wir wollen unseren blauen Himmel zurück (1965–1969)

Obwohl der Streit mit Nippon Steel Chemical beigelegt war, blieb das umfassendere Problem der Umweltverschmutzung weiterhin ungelöst. Der Frauenverein Sanroku beschloss daher, die Luftqualität weiterhin zu überwachen. 1964 proklamierte der Verein erstmals das Motto „Wir wollen unseren blauen Himmel zurück“ (青空がほしい, Aozora ga hoshii), die später zum Slogan der Anti-Umweltverschmutzungsbewegung in Kitakyushu wurden.[3.7] Aufbauend auf den Erfahrungen von Sanroku beschloss der Frauenverein Tobata 1965, die Umweltverschmutzung als stadtweites Forschungsthema aufzugreifen. Der Frauenverein Tobata (TWA) umfasste mittlerweile 13 verschiedene Nachbarschaftsvereine mit 6.900 Mitgliedern. Hayashi Eidai schlug die Bildung eines Forschungsausschusses für Umweltverschmutzung vor, der sich aus je einem Mitglied jedes der 13 Vereine zusammensetzen sollte. Professor Nose Yoshikatsu von der Universität Yamaguchi wurde eingeladen, seine Erfahrungen im Kampf gegen die Umweltverschmutzung in Ube (in der benachbarten Präfektur Yamaguchi) zu teilen und Hinweise zu geeigneten Forschungsmethoden zu geben. Mitglieder des Sanroku-Verbandes reisten durch die Präfektur, um ihre Erkenntnisse aus eigenen Untersuchungen weiterzugeben.[3.8] Eine Frauengruppe wurde mit der Datenerhebung beauftragt und besuchte das Rathaus, um die von den Stadtverwaltungen der fünf Städte, die sich 1963 zu Kitakyushu zusammengeschlossen hatten, erhobenen Statistiken zur Luftverschmutzung einzusehen. Nose gab Hilfestellung bei der Datenanalyse.[3.8] Eine andere Gruppe untersuchte die Anwesenheitslisten aller Grundschulen in Tobata von 1959 bis 1965, um einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Umweltverschmutzung und krankheitsbedingten Fehlzeiten zu ermitteln. Sie besuchten außerdem das örtliche Gesundheitsamt, um die Sterblichkeitsraten und Todesursachen zu untersuchen.[3.9]

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts wurden in einer Broschüre mit dem Titel „Wir wollen unseren blauen Himmel zurück“ zusammengefasst.[3.9] Die Frauen stellten fest, dass die Fehlzeiten von Grundschulkindern in den Monaten Januar und Februar, den Monaten mit der stärksten Luftverschmutzung, sechs Jahre lang jedes Jahr sprunghaft anstiegen.[1.1] Sie erstellten außerdem ein Diagramm, das zeigte, dass die Todesfälle durch Asthma und Atemwegserkrankungen in Tobata während der sogenannten Winter-„Smogzeit“ höher waren. Diese Ergebnisse legten einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und menschlicher Gesundheit nahe, der von den Behörden bis dahin nicht erkannt worden war und Politiker wie Forscher gleichermaßen schockierte.[1.1] Parallel zum Bericht produzierte die TWA einen 8-mm-Film mit dem Titel „Wir wollen unseren blauen Himmel zurück“.[3.9] Die Frauen nutzten die Einrichtungen des Schulamts und teilten sich in Gruppen auf, um den Film zu drehen und ihre Botschaft gegen die Luftverschmutzung zu verbreiten. Der 29-minütige Film, der im Herbst 1965 Premiere feierte,[3.9] wurde vom öffentlich-rechtlichen Sender NHK landesweit im Fernsehen ausgestrahlt,[1.2] und hatte große Auswirkungen.[6]

Eine Herausforderung für die TWA bestand darin, dass die meisten ihrer Mitglieder wirtschaftlich von den umweltverschmutzenden Unternehmen abhängig waren.[1.3] Ihre Ehemänner waren bei Yahata Steel und verbundenen Unternehmen angestellt, und in vielen Fällen lebten sie in firmeneigenen Unterkünften. Obwohl die Männer das Umweltproblem erkannten, wussten sie auch, dass diese Unternehmen ihnen vergleichsweise hohe Gehälter boten und es in Kitakyushu kaum andere gute Arbeitsmöglichkeiten gab. Daher waren viele Männer empört, als sie erfuhren, dass ihre Frauen sich an Aktivitäten beteiligten, die ihre Arbeitgeber kritisierten.[1.3] Die daraus resultierenden Spannungen im Familienleben führten 1966 zu einem plötzlichen Rückgang der Mitgliederzahlen des Frauenverbandes und zwangen den Umweltausschuss, seine Aktivitäten vorübergehend einzustellen. Laut Hayashi Eidai wurden einige Männer, deren Frauen prominente Aktivistinnen waren, entweder entlassen oder in andere Teile Japans versetzt.[1.3] Dies veranlasste die TWA, einen nicht-konfrontativen Ansatz zu verfolgen und direkte Proteste gegen die Unternehmen selbst zu vermeiden.[6]

Trotz dieser Hürden setzte die TWA ihre Forschung von 1966 bis 1969 fort und veröffentlichte jährlich die Broschüren „Wir wollen unseren blauen Himmel zurück II–V“.[3.9] In dieser Zeit traten die Frauen häufig in den Medien auf und weiteten ihre Aktivitäten von der Forschung auf den Aktivismus aus. 1967 schickten sie Anfragen an 83 Unternehmen in Kitakyushu und baten um Informationen zu Staubabsaugung und Abwasserbehandlungsanlagen. Sie erhielten Antworten von 45 Unternehmen,[3.9] darunter Yahata Steel, die sie zu einem Treffen einlud, um ihre Maßnahmen zur Schadstoffbekämpfung zu erläutern, und Mitsubishi Chemical (三菱ケミカル株式会社, Mitsubishi Chemical Kabushiki-gaisha, kurz: MCC), die ihnen eine Besichtigung ihres Werks in Kurosaki (黒崎) gestattete. 1968 wandte sich die TWA an die im Stadtrat von Kitakyushu vertretenen Parteien und bat sie um ihre Stellungnahme zum Umweltproblem.[3.9] Als Reaktion auf die Bemühungen der TWA,[8.2] erließ die Stadt im April 1970 die Kitakyushu-Verordnung zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung (Kitakyushu Pollution Control Ordinance).[3.10] Sie begann außerdem mit der Einrichtung des städtischen Umweltüberwachungszentrums[6] ein eigenes System zur Überwachung der Umweltverschmutzung.[9] Darüber hinaus war die Umweltverschmutzung zu einem landesweiten politischen Thema geworden. Die 64. Sitzung des Nationalen Parlaments (Kokkai, National Diet) im November 1970 wurde als „Verschmutzungsparlament“ (Pollution Diet) bezeichnet, da dort eine Reihe von Gesetzen zur Regulierung und Bekämpfung der Umweltverschmutzung verabschiedet wurden.[3.10][10] Nach den von der Umweltverschmutzung dominierten Bürgermeisterwahlen 1971 verschärfte Kitakyushu im selben Jahr seine eigenen Vorschriften mit einer Überarbeitung der Verordnung zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung.[3.10]

Niedergang

Vor dem Hintergrund dieser regulatorischen Maßnahmen ließen die umweltbezogenen Forschungs- und Aktivismusaktivitäten der TWA nach, wobei die meisten bedeutenden Vorhaben bis 1970 eingestellt wurden.[7.3] Ein Grund für den Niedergang der Bewegung war der Verlust von Hayashi Eidai, der 1968 auf eine andere Position versetzt wurde und 1970 schließlich die Stadtverwaltung von Kitakyushu ganz verließ.[7.4] Hinzu kam der Aufstieg einer linken Anti-Umweltverschmutzungsbewegung in der Stadt. Die TWA wollte sich nicht in einen ideologischen und politischen Streit verwickeln lassen,[7.5] da ihre Mitglieder dies als Widerspruch zu ihrer Rolle als Hausfrauen empfanden, denen das Zuhause höchste Priorität einräumte.[7.6] Der Fokus des Umweltproblems verlagerte sich von Feinstaub auf Schwefeldioxid; mit dem Übergang der Industrie von Kohle zu Öl sanken die Emissionen von Staub, Ruß und Asche, während die Schwefeldioxidemissionen rapide anstiegen. Kobori Satoru merkt an, dass die TWA trotz des Bewusstseins um die Bedeutung der Schwefeldioxidemissionen nicht ohne Weiteres gegen diese vorgehen konnte, da es im Gegensatz zu Feinstaub keine einfache und wirtschaftliche Lösung für deren Beseitigung mit der damals verfügbaren Technologie gab.[7.7] Da die TWA stets darauf bedacht war, Maßnahmen zu vermeiden, die den lokalen Unternehmen wirtschaftlich schaden würden, war sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen.[7.5]

Vermächtnis

Der Frauenverband von Tobata spielte eine entscheidende Rolle bei der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Gefahren der Umweltverschmutzung[11] und in der Geschichte der Umweltsanierung in Kitakyushu.[12] Ihr Engagement trug zur Bildung eines breiten Konsenses in der Bevölkerung bei, die Umweltverschmutzung zu bekämpfen, und bewegte sowohl die lokale Regierung als auch Unternehmen zum Handeln.[3.11] Infolgedessen ging die Feinstaubbelastung in Kitakyushu deutlich zurück, und Mitte der 1970er-Jahre verbesserte sich die Wasserqualität der Dōkai-Bucht.[13] Zwischen 1972 und 1991 investierte die Stadt Kitakyushu 804 Milliarden Yen (etwa 7 miard. US-Dollar) in Maßnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung und zur Sanierung von Umweltschäden.[6] Das Vermächtnis der Frauenbewegung wurde 1992 auf dem UN-Erdgipfel gewürdigt, als Kitakyushu für seinen Beitrag zum Umweltmanagement ausgezeichnet wurde.[14] Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen bezeichnete Kitakyushu als „eine der größten Erfolgsgeschichten im Bereich der ökologischen Erholung des 20. Jahrhunderts“ („one of the greatest environmental comeback stories of the 20th century“) und als eine Stadt, die „von einer Industriebrache zur ersten ‚Ökostadt‘ Japans“ wurde („transformed from industrial wasteland to the first 'Eco Town' in Japan“).[15]

Ein charakteristisches Merkmal des Aktivismus der TWA war, dass sie nie eine konfrontative Haltung gegenüber der Industrie einnahm[3.11] und die „wachstumsorientierte“ („growth-oriented“) Strategie der Stadt nicht in Frage stellte. In Anerkennung der Bedeutung der Industrie für die lokale Wirtschaft konzentrierten sich die Frauen auf die Einführung von Umweltschutzbestimmungen und die Förderung der Installation von Anlagen zur Schadstoffminderung. Sie forderten die Unternehmen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen, anstatt die industrielle Tätigkeit gänzlich zu unterbinden.[16] Dies unterschied sich von zeitgleichen Anti-Umwelt-Bewegungen in anderen Teilen Japans, wie beispielsweise in Yokkaichi (Präfektur Mie), wo Anwohner rechtliche Schritte gegen den Verschmutzer einleiteten.[17] Dank ihres Aktivismus entwickelte sich Yahata Steel zu einem Branchenführer im Bereich Umweltschutz und bemühte sich um die Einbindung lokaler Akteure in Entscheidungsprozesse. Mit Unterstützung von Yahata Steel baute die Stadtverwaltung in den 1970er Jahren eine partnerschaftliche Beziehung zu den lokalen Unternehmen auf. Dies geschah in Form von öffentlich-privaten Umweltschutzvereinbarungen, welche die Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung erleichterten.[16.1]

Einzelnachweise

  1. a b c Anna Schrade: 北九州の「青空がほしい」公害反対運動における主婦の活動 – Kitakyūshū no ‘aozora ga hoshī’ kōgai hantai undō ni okeru shufu no katsudō. In: Journal of Ohara Institute for Social Research. 2018; (japanisch).
    1. a b S. 35
    2. S. 34
    3. a b c S. 30–31
  2. a b Ryo Fujikura: A Non-confrontational Approach to Socially Responsible Air Pollution Control: The electoral experience of Kitakyushu. In: Local Environment. Band 6, Nr. 4, November 2001, ISSN 1354-9839, S. 469–482, doi:10.1080/13549830120091743 (englisch, tandfonline.com).
  3. a b Satoko Kanzaki: 北九州の公害克服の歴史を動かした戸畑婦人会の活動 – Kitakyūshū no kōgai kokufuku no rekishi o ugokashita Tobata fujin-kai no katsudō. In: Journal of Asian Women’s Studies. 2016; (japanisch).
    1. a b c d e S. 76
    2. a b c S. 78
    3. S. 78–79
    4. a b c d e S. 80
    5. S. 82
    6. S. 83
    7. S. 83–84
    8. a b S. 84
    9. a b c d e f g S. 85
    10. a b c S. 86
    11. a b S. 87
  4. Chikashi Kishimoto: 戦後北九州市における持続可能な地域づくり. In: Perspectives on East Asia. 2011, S. 23–26; (japanisch).
  5. Takamitsu Jimura: Cultural Heritage and Tourism in Japan. Routledge 15. August 2021, ISBN 978-0-429-67312-2, S. 143 (google books).
  6. a b c d e f Carin Holroyd: Green Japan: Environmental Technologies, Innovation Policy, and the Pursuit of Green Growth. University of Toronto Press 1. Januar 2018: S. 143. google books ISBN 978-1-4875-0222-5
  7. Satoru Kobori: ⻘空がほしい再訪 --⾼度成⻑期⼾畑の婦⼈会による反公害運動の道のり – qīng Sora ga hoshī saihō – gāo-Do Nari cháng-Ki hù Hata no-fu rén-Kai ni yoru han kōgai undō no michinori. In: The Zinbun Gakuhō: Journal of Humanities. 20. Juni 2024; (japanisch).
    1. S. 412
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  8. Satoshi Kanbara: 戸畑婦人会による公害反対運動から得られる示唆 -Tobata fujin-kai ni yoru kōgai hantai undō kara e rareru shisa. In: The Monthly Bulletin of the Institute for Social Science Senshu University. 20. September 2020; (japanisch).
    1. a b S. 54
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  9. E. X. Corporation: Japan’s Experience in Urban Environmental Management: Kitakyushu – A Case Study. Metropolitan Environmental Improvement Programme, World Bank, 30. April 1996, abgerufen am 28. September 2025 (englisch). S. 20.
  10. E. X. Corporation: Japan’s Experience in Urban Environmental Management: Kitakyushu – A Case Study. Metropolitan Environmental Improvement Programme, World Bank, 30. April 1996, abgerufen am 28. September 2025 (englisch). S. 19.
  11. Yasuo Takao: Japan’s Environmental Politics and Governance: From Trading Nation to EcoNation. Routledge 3. November 2016: S. 234. google books ISBN 978-1-317-51777-1
  12. Satoshi Kanbara: 戸畑婦人会による公害反対運動から得られる示唆 – Tobata fujin-kai ni yoru kōgai hantai undō kara e rareru shisa. In: The Monthly Bulletin of the Institute for Social Science Senshu University. 20. September 2020; (japanisch). S. 60.
  13. Yatsuka Kataoka, Shiko Hayashi, Junko Akagi, Kohei Hibino, Junko Ota, Fritz Akhmad Nuzir, Shino Horizono: Kitakyushu as a “Top-runner of Intercity Cooperation”. Institute for Global Environmental Strategies 2018: S. 8.
  14. Eco-Model City Kitakyushu and Japan’s Disposal of Radioactive Tsunami Debris. In: The Asia-Pacific Journal: Japan Focus. vol. 10, is. 24. 7. Juni 2012; (englisch).
  15. A model city in Japan is helping Asian cities go green. UN Environmental Programme, 13. August 2019, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  16. Yeum Mi-Gyeung: Partnership, Participation and Partition in Urban Development Politics in Kitakyushu, Japan. In: Asian Perspective. Band 26, Nr. 2. 2002, S. 161, ISSN 0258-9184, JSTOR:42704364.
    1. S. 162–163
  17. Ken Fujikawa: 地域社会における公害経験の意味と普遍化. In: The Meiji Gakuin Sociology and Social Welfare Review. 10. November 2010; (japanisch). S. 89.

Literatur