Rainer Glagow

Rainer Glagow (Pseudonym: Jürgen Gadow) (* 17. Dezember 1941 in Frankfurt (Oder); † 26. Juli 2010 in Bonn) war ein deutscher Orientalist und Islamkritiker.

Leben

Rainer Glagow wurde als Sohn eines Gutsinspektors und Offiziers geboren und studierte Orientalistik/Islamwissenschaft, Geschichte und Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Bonn. Während seines Studiums wurde er 1961 Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia.[1] 1967 wurde er zum Dr. phil. promoviert.

Nach seinem Studium war Glagow an der Ain-Schams-Universität in Kairo als Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes tätig. 1971 wurde er Stellvertretender Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg. Von 1978 bis 1981 war Glagow als Büroleiter der Hanns-Seidel-Stiftung (Akademie für Politik und Zeitgeschehen) in Kairo tätig, wo er mit dem ägyptischen Innenministerium ein Netz von Erwachsenenbildungsinstituten (Nil-Zentren) im ganzen Land aufbaute. In diesen Jahren wandelte er sich zum Islamkritiker.

Von 1981 bis 1994 leitete er das Madrider Büro der Hanns-Seidel-Stiftung, mit dem er nach dem Tod von Francisco Franco aktiv am Aufbau eines demokratischen Parteiensystems in Spanien beteiligt war. Er arbeitete mit der Partnerstiftung Cánovas del Castillo zusammen, um die Mitte-Rechts-Partei Alianza Popular/Partido Popular aufzubauen.

Von 1994 bis 2006 war er als Vertreter der Hanns-Seidel-Stiftung in Berlin tätig, wo er deren Bildungsprogramm in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leitete.

Nach seinem Ruhestand 2006 war er 2007 Gründungsmitglied und Zweiter Vorsitzender des Vereins Pax Europa e. V., aus dem sich 2008 die Bürgerbewegung Pax Europa entwickelte; bis zu seinem Tod blieb er deren engagiertes Mitglied und wissenschaftlicher Berater.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Das Kalifat des al-Mu'tadid Billah (892–902). Dissertation Universität Bonn 1967, als Buch 1968.
  • Der Berg des Unheils. Freundschaft und Abenteuer eines Christenjungen und eines jungen Moslems in der Zeit der Kreuzzüge. 1966, 2. Auflage München 1981, Neuausgaben 1994 und 1999.
  • Die ägyptisch-chinesischen Beziehungen. Bestandaufnahme und Perspektiven. Hamburg 1976.
  • Einige Aspekte der gegenwärtigen politisch-ideologischen Diskussion in Ägypten. Sonderdruck 1976.
  • Demokratische Republic Sudan. (= Verfassungstexte: Beilage zu: Verfassung und Recht in Übersee, Heft 2, 1977.) Hamburg 1977.
  • Das Rote Meer – eine neue Konfliktsregion? Politik und Sicherheit im afro-arabischen Grenzbereich. Sonderdruck Stiftung Deutsches Übersee-Institut 24, Hamburg 1977.
  • Spanien und Europa. München 2001.
  • Zusammen mit Berndt Georg Thamm, Thomas Gandow, Jutta Helmerichs: Terrorismus: ein Handbuch über Täter und Opfer. Hilden 2002.
  • Allahs Weltordnung, der politische Islam als Herausforderung für Demokratie und Gesellschaft. Mering 2010.

Ehrungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. Friedrich Vohl (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle 1991. Nach dem Stand vom 1. Januar 1991, S. 64.