Raiffeisenbank im Hochtaunus

  Raiffeisenbank im Hochtaunus eG

Verwaltungssitz der Raiffeisenbank im Hochtaunus in Bad Homburg vor der Höhe
Staat Deutschland Deutschland
Sitz Bad Homburg vor der Höhe
Rechtsform eingetragene Genossenschaft
Bankleitzahl 500 617 41[1]
BIC GENO DE51 OBU[1]
Gründung 1870
Auflösung 31. Dezember 2024
Verband Genoverband e. V.
Leitung
Vorstand Frank Klomfaß
Sibylle Kraus
Aufsichtsrat Andrea Althaus (Vorsitzende)
Liste der Genossenschaftsbanken in Deutschland

Die Raiffeisenbank im Hochtaunus eG war[2] eine deutsche Genossenschaftsbank mit Sitz in der hessischen Kreisstadt Bad Homburg vor der Höhe im Hochtaunuskreis.

Geschichte

Im Jahr 1870 wurde das älteste Vorgängerinstitut der ehemaligen Raiffeisenbank eG Oberstedten mit dem Sitz in Oberstedten gegründet. 1874 wurde der Gesellschaftervertrag zur Gründung einer Genossenschaft unterzeichnet und die Eintragung im Genossenschaftsregister vorgenommen. Im Jahr 1922 wurde die Genossenschaftsbank in Volksbank Frühling eGmuH umbenannt und fusionierte im Jahr 1950 infolge der Währungsreform von 1948 mit der im Jahr 1915 gegründeten Raiffeisen-Warengenossenschaft Oberstedten eGmuH mit dem Sitz in Oberstedten zur Spar- und Darlehnskasse Oberstedten e. G. mbh.

1967 fand die Verschmelzung mit der Spar- und Darlehnskasse Kalbach eGmbH mit dem Sitz in Kalbach und der Spar- und Darlehnskasse Bommersheim eGmbH mit dem Sitz in Bommersheim statt. Aufgrund des Wandels von einer Warengenossenschaft mit Geldverkehr zu einem modernen Kreditinstitut im Jahr 1972 wurde das Bankhaus 1972 in Raiffeisenbank eGmbH umbenannt. Mit den Zusammenschlüssen der Raiffeisenbank eG Oberstedten im Jahr 1978 mit der Spar- und Darlehnskasse e.G. Steinbach mit dem Sitz in Steinbach (Taunus) und im Jahr 1994 mit der Raiffeisenbank eG Wehrheim mit dem Sitz in Wehrheim vergrößerte sich das Geldinstitut und das Einzugsgebiet. Die Raiffeisenbank eG Wehrheim fusioniert zuvor im Jahr 1979 mit der Spar- und Darlehnskasse Obernhain eG mit dem Sitz in Obernhain. Sie war der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und deren zusätzlicher freiwilliger BVR Institutssicherung GmbH angeschlossen.

1995 wurde das im Jahr 1972 bezogene Bank- und Verwaltungsgebäude in Oberstedten erweitert. 2007 fand eine erneute Namensänderung in Raiffeisenbank Oberursel eG mit Hauptsitz in der Hauptstraße in Oberursel-Oberstedten statt.

Im Jahr 2019 fand eine erneute Umfirmierung in die heutige Raiffeisenbank im Hochtaunus eG statt und der Sitz wurde von Oberursel-Oberstedten nach Bad Homburg vor der Höhe verlegt.[3] Die Filiale in Oberursel-Oberstedten, die bisherige Hauptstelle, wurde zum 30. Juni 2019 geschlossen.[4] 2020 hatte die Raiffeisenbank im Hochtaunus eG ihr 150-jähriges Bestehen.

Im Jahr 2020 gründete sie die Gruppenfinanzierungsplattform „Viele schaffen mehr“,[5] um gemeinnützige Projekte und Initiativen in der Region zu unterstützen.

Bis 2022 wurde neben dem nahezu entgeltfreien Onlinekonto auch ein mit 30 €/Monat kostenpflichtiges, auf Vor-Ort-Service ausgerichtetes Girokonto angeboten.[6]

Im Oktober 2022 wurde bekannt, dass die Raiffeisenbank im Hochtaunus als erste Bank in Deutschland beabsichtigt, alle Filialen zu schließen und alle eigenen Geldautomaten abzubauen. Erhalten bleibt einzig die Zentrale in Bad Homburg vor der Höhe. Die Bank verfügte bis Ende 2022 über fünf Filialen in Bad Homburg vor der Höhe, Frankfurt-Kalbach, Steinbach (Taunus), Oberursel (Taunus) und Wehrheim.[7]

Am aktuellen Standort eröffnete die Bank im Zuge der Filialschließungen eine Beratungsfiliale, die Beratung in allen Finanzangelegenheiten bot.[8] Die Bank teilte sich den Gebäudekomplex mit der Deutschlandzentrale des Pharmaunternehmens Lilly.[9]

Im Februar 2025 wurde bekannt, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht der Raiffeisenbank im Hochtaunus die gewerbliche Immobilienfinanzierung, die den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit bildet, mit sofortiger Wirkung untersagt hat. Grund seien hohe Verluste der Bank infolge von Wertberichtigungen aufgrund der Krise auf dem deutschen Immobilienmarkt und eine im Vergleich mit anderen Genossenschaftsbanken hohe Anzahl an ausgegebenen Genossenschaftsanteilen.[10] Im Nachgang wurde bekannt, dass die Bank im Jahr 2024 einen Verlust von über 500 Millionen Euro zu verzeichnen hatte, der vor allem auf Wertberichtigungen von Immobilienkrediten basierte.[11]

Im März 2025 gab die Raiffeisenbank im Hochtaunus Fusionspläne mit der Volksbank Mittelhessen eG bekannt.[12]

Im Zeitraum der Fusionsgespräche mit der Volksbank Mittelhessen wurde am 14. April 2025 bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende Achim Brunner „mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Hochtaunus aus persönlichen Gründen niedergelegt“ habe.[13] Ein Nachfolger kommt vom Fusionspartner aus Gießen: Der Aufsichtsrat berief Frank Klomfaß in den Vorstand. Er war zuletzt bei der Volksbank Mittelhessen als Bereichsleiter für Kreditmanagement tätig. Außerdem fungierte er seit vielen Jahren als Prokurist und seit 2021 als Chief Risk Officer der Bank.[14][15] Im Mai 2025 wurde bekannt, dass die Genossenschaft wegen der hohen Verluste Hilfe der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken beanspruchen muss.[16] Anfang August 2025 wurde bekannt, dass rund 500 Millionen Euro benötigt würden, angesichts eines Kreditbuchs von 1,245 Milliarden Euro seien mehr als 40 Prozent aller Forderungen ausfallgefährdet.[17][18] In neueren Berichten über die Fusion wurde der Finanzbedarf mit 503 Millionen Euro beziffert.[19]

Am 26. August 2025 wurde von der Vertreterversammlung mit einer Zustimmung von 95,9 Prozent der Vertreterstimmen die Fusion mit der Volksbank Mittelhessen rückwirkend zum 1. Januar 2025 beschlossen, nachdem die Vertreterversammlung der Volksbank Mittelhessen dies bereits am 18. August 2025 beschlossen hatte.[11] In Medienberichten wurde dies als Notfusion bezeichnet.[17] Die Verschmelzung mit der Volksbank Mittelhessen eG wurde von den zuständigen Registergerichten am 9. Oktober 2025 unter den Genossenschaftsregisternummern 119 und 302 eingetragen.[20] Damit ging die Raiffeisenbank im Hochtaunus eG in der in Gießen eingetragenen Genossenschaft auf.

Einzelnachweise

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. FAQs zur Fusion ab 1.10.2025. Abgerufen am 2. Oktober 2025 (deutsch).
  3. GnR 119 des Amtsgerichts Bad Homburg v. d. Höhe
  4. Raiffeisenbank schließt Filiale in Oberstedten – Standort Wehrheim bleibt. In: Usinger Anzeiger. VRM Mittelhessen GmbH & Co. KG, 22. Februar 2019, abgerufen am 18. April 2021.
  5. „Viele schaffen mehr“ – Raiffeisenbank im Hochtaunus eG startet Crowdfunding-Plattform für gemeinnützige Projekte in der Region. In: meinebank.de. Raiffeisenbank im Hochtaunus eG, abgerufen am 24. Juni 2021.
  6. Unsere Privatkontomodelle. In: meinebank.de. Raiffeisenbank im Hochtaunus eG, abgerufen am 24. Juni 2021.
  7. Erstmals macht eine Bank alle Filialen dicht. In: Süddeutsche Zeitung. Süddeutsche Zeitung, 4. Oktober 2022, abgerufen am 10. Oktober 2022.
  8. Beratungscenter. Raiffeisenbank im Hochtaunus eG, 2023, abgerufen am 24. März 2023.
  9. Raiffeisenbank Oberursel eG zieht um. Raiffeisenbank Oberursel eG, 2025, abgerufen am 21. Februar 2025.
  10. Daniel Schleidt: Bafin erteilt der Raiffeisenbank im Hochtaunus ein Kreditverbot. In: FAZ.NET. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Februar 2025, abgerufen am 1. April 2025.
  11. a b vom 27. August 2025: Verschmelzung schafft neue Großbank mit 11,6 Milliarden Euro Bilanzsumme, abgerufen am 30. August 2025
  12. Volksbank Mittelhessen und Raiffeisenbank im Hochtaunus vereinbaren die Aufnahme von Fusionsgesprächen. (PDF; 343 kB) In: meinebank.de. Raiffeisenbank im Hochtaunus eG, 12. März 2025, abgerufen am 1. April 2025.
  13. Handelsblatt. Abgerufen am 15. April 2025.
  14. Handelsblatt. Abgerufen am 15. April 2025.
  15. fondsprofessionell.de vom 15. April 2025: Krisenbank bestellt neuen Vorstandsvorsitzenden, abgerufen am 19. April 2025
  16. Handelsblatt.de vom 23. Mai 2025: Deshalb muss die Raiffeisenbank Hochtaunus gestützt werden, abgerufen am 2. November 2025
  17. a b "Bad Bank" kommt bei Volksbank unter: Raiffeisenbank im Hochtaunus durch Fusion gerettet - Hessenschau.de
  18. boersen-zeitung.de vom 12. August 2025: Finanzloch der Raiffeisenbank im Hochtaunus beträgt 500 Mill. Euro, abgerufen am 2. November 2025
  19. fnp.de vom 27. August 2025: Volksbank-Vertreter stimmen Notfusion mit »Skandal-Raiba« zu, abgerufen am 2. November 2025
  20. Registerportal | Sitzungshinweis. Abgerufen am 2. Oktober 2025.

Koordinaten: 50° 13′ 0,5″ N, 8° 36′ 38,8″ O