Raffaele Rossi (Franziskaner)

Raffaele Rossi OFMRef (* 4. April 1694 in Lugagnano Val d’Arda; † 14. Juli 1760 in San Casciano dei Bagni) war ein italienischer Franziskaner und von 1744 bis 1750 Generalminister des Franziskanerordens.

Leben

Raffaele Rossi (latinisiert: Raphael de Rubeis), Taufname Antonio, wurde 1694 in Lugagnano bei Piacenza geboren. Er absolvierte die Gymnasialklassen in Piacenza und trat mit 17 Jahren im Kloster San Bernardino bei Borgonovo in der Reformatenprovinz Bologna in den Orden der Minderen Brüder Franziskaner ein (30. August 1711).

Nachdem er das Noviziatsjahr absolviert hatte, wurde er von seinen Oberen zum Studium der Philosophie nach Cesena und danach nach Bologna zum Studium der Theologie geschickt, das er 1719 im Kloster Pace in Genua abschloss. Noch im selben Jahr, 1719, also im Alter von 25 Jahren, wurde er zur Lehre der Philosophie in das Kloster in Cesena eingeteilt, später wechselte er als Lektor der Theologie in das Kloster Piacenza. An beiden Orten erwarb er sich großes Ansehen, lehnte jedoch die Aufnahme in das Kollegium der Doktoren der theologischen Fakultät Piacenza trotz wiederholter Bitten ab.

Sein außergewöhnliches Predigttalent, er hielt Advents- und Fastenpredigten in vielen bedeutenden Kirchen und Kathedralen, machte ihn bald überregional bekannt. Er wurde später auch zum Theologen des spanischen Königs ernannt und nahm mit diesem Titel am Kongress zur Unbefleckten Empfängnis Mariens in Madrid teil. Zuvor schon Guardian und Definitor, wurde er auf dem Provinzkapitel im Kloster San Paolo in Monte in Bologna 1738 zum Provinzialminister gewählt. Als solcher nahm er 1740 am Generalkapitel in Valladolid teil, bei dem Pater Gaetano da Laurino zum Generalminister gewählt wurde.

1742 wurde er vom Kardinalprotektor des Ordens, Troiano Acquaviva, mit der Autorität eines apostolischen Visitators nach Neapel in das königliche Kloster Santa Chiara berufen. Zwei Jahre später zum Kustos des Heiligen Landes ernannt, verzichtete er jedoch wegen aufgetretener politischer Differenzen. 1744, nach dem plötzlichen Tod des Generalministers Politi, wurde er in Rom in Abwesenheit (er war in Neapel) einstimmig zum Generalvikar gewählt und per Dekret Papst Benedikts XIV. vom 22. Juni 1744 zum Generalminister des gesamten Franziskanerordens ernannt, dem dritten aus der Observanz der Reformaten.

Mehr noch als sein Vorgänger Politi wurde Rossi vom Papst mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet, indem dieser ihn zum Apostolischen Kommissar, Visitator und Reformator des Ordens ernannte. Er erließ neue Statuten für die Kustodie des heiligen Landes, die 1746 päpstlich bestätigt wurden (Breve Exponi Nobis vom 7. Februar 1746) und förderte die Missionsinstitutionen und die beiden römischen Missionskollegien San Pietro in Montorio und San Bartolomeo all’Isola.

Nach Ablauf seiner sechsjährigen Amtszeit von den Kapitelvätern trotz seines Widerstrebens für drei Jahre zum Generalkommissar gewählt, nahm er auf ausdrückliche Anordnung Benedikts XIV., der dem Kapitel persönlich vorstand, das Amt an. Nach der Einberufung der Generalkongregation in Assisi 1753 legte er es nieder und kehrte nach Rom zurück, in der Absicht, sich nach Castell’Arquato, einem Kloster seiner Provinz, zurückzuziehen, wozu er bereits Vorbereitungen getroffen hatte. Jedoch verweigerte ihm der Papst die Erlaubnis und behielt ihn in Rom, wo er u. a. als Examinator des Klerus tätig war. Als die Ärzte bei ihm ein Steinleiden diagnostizierten, ließ er sich zweimal operieren und reiste nach der Genesung nach Spanien, um 1756 am Generalkapitel in Murcia teilzunehmen. Dort wurde der von ihm favorisierte Clemente Guignoni von Palermo zum Generalminister des gesamten Ordens gewählt. Auch wurden ebenso andere angesehene Persönlichkeiten, die er den Wählern vorgeschlagen hatte, in andere Ämter gewählt.

Seine Heimat sah er trotz seines brennenden Wunsches nicht wieder. Er starb am 14. Juli 1760 in San Casciano dei Bagni in der Toskana, wohin er sich zu einer Kur begeben hatte, und wurde im nahegelegenen Franziskanerkloster in Cetona begraben. Die Grabinschrift[1] würdigt ihn als Mann von außerordentlicher Gelehrsamkeit (vir excellente eruditione).

Es wurde zu seinen Lebzeiten allgemein angenommen, dass ihn Papst Benedikt, der ihm sehr zugetan war, in pectore zum Kardinal kreiert habe.[2] Benedikt XIV. aber starb am 3. Mai 1758 und Raffaele Rossi war ständig krank, weshalb seine Ernennung nicht veröffentlicht wurde.

Literatur

  • Gaetano Tononi: Il Padre Raffaele Rossi da Lugagnano (1694–1760). Piacenza, 1888, in: Indicatore Ecclesiastico del 1889, S. 137–146
  • Candido Mesini: Il P. Raffaele Rossi da Lugagnano, Ministro Generale dei Frati Minori (1694–1760), in: Studi Francescani 33 (1936), S. 194–201

Einzelnachweise

  1. wiedergegeben bei Mesini, S. 201
  2. G. Tononi, op. cit., S. 140f.