Raffaele Garofalo

Raffaele Garofalo (* 18. November 1851 in Neapel; † 18. April 1934 in Neapel) war ein italienischer Jurist und Strafrechtslehrer.

Der junge Baron schlug nach dem Abschluss des Jurastudiums die Richterlaufbahn ein und stieg darin bis zum Präsidenten des Kassationsgerichts in Neapel auf. Daneben habilitierte er sich 1891 an der Universität Neapel für Strafrecht und Strafprozessrecht. 1909 wurde er zum Mitglied des italienischen Senats ernannt.

Neben Cesare Lombroso und Enrico Ferri war Garofalo maßgeblich an der Begründung der italienischen positivistischen Strafrechtsschule des 19. Jahrhunderts, der „scuola positiva del diritto penale“, beteiligt. Durch sein Buch Criminologia verwendete er wohl als erster den Begriff „Kriminologie“.[1] Garofalo stellte in seinem Buch das Konzept des Natürlichen Verbrechens (delitto naturale) vor. womit er Handlungen meinte, die elementaren menschlichen Regungen zuwiderlaufen.[2] Da er die Disposition hierzu für angeboren und nicht erziehbar hielt, sprach er sich in seinem Buch Contro la corrente für die Todesstrafe aus. Den natürlichen Verbrechen stellte Garofalo die aus seiner Sicht als Gegenstand der Kriminologe ungeeignete legalistische Definition des Verbrechens gegenüber.[3]

Im Dezember 1932 wurde er als assoziiertes Mitglied in die Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique aufgenommen.[4]

Schriften (Auswahl)

  • Criminologia. (= Biblioteca antropologico-giuridica). Torino 1885. (2. Auflage 1891; französisch La criminologie. Paris 1888, 5. Auflage 1905; englisch Criminology, London/Boston 1914)
  • Contro la corrente. Napoli 1888.

Literatur

  • Francis A. Allen: Raffaele Garofalo, 1852–1934. In: Hermann Mannheim (Hrsg.): Pioneers in Criminology. London 1960, S. 254–276.
  • Paolo Camponeschi: Garofalo, Raffaele. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 52: Gambacorta–Gelasio II. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1999, S. 366–368.
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Einzelnachweise

  1. Hans-Jürgen Kerner: Kriminologie. In: Ders. (Hrsg.): Kriminologie-Lexikon. 4. Aufl., Heidelberg 1991, S. 206–211, S. 207.
  2. Michael Bock: Kriminologie. 5. Auflage. Vahlen, München 2019, ISBN 978-3-8006-5916-6, S. 21.
  3. Raffaele Garofalo: Criminology, übersetzt von Robert Wyness Millar. Montclair, New Jersey 1968 (Nachdruck der ursprünglichen Ausgabe von 1914), S. 4.
  4. Académicien décédé: Baron Raffaele Garofalo. Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, abgerufen am 17. September 2023 (französisch).