Radegund von Wellenburg

Radegundis-Fresko in der Kirche St. Martin in Zusamaltheim

Radegund von Wellenburg (* um 1270 in Wulfertshausen bei Friedberg[1]; † um 1290 oder 1340 in Augsburg), auch Radiana oder Radegundis genannt, war eine Viehmagd auf Schloss Wellenburg bei Augsburg.

Radegundis gilt – neben Simpert und Wolfgang von Regensburg – als eine der drei bayerischen „Wolfsheiligen“. Der katholische Gedenktag ist der 18. Juli. Andere Quellen nennen den 22. August und den vierten Sonntag nach Pfingsten.[2]

Legendenerzählung

Der Überlieferung nach kam sie als junge Frau auf das Schlossgut Wellenburg. Radegundis arbeitete dort für den damaligen Hausherr, den bischöflichen Kämmerer Heinrich Portner als Viehmagd und half zudem im Haus und auf dem Hof.[1] Neben ihrem Eifer zeichnete sie sich durch Bescheidenheit und die Sorge um Arme und Kranke aus.

Regelmäßig suchte sie in ihrer Freizeit ein unweit der Burg gelegenes Siechenhaus auf, um dort die Kranken zu pflegen und mit Nahrungsmitteln zu versorgen.[3] Als andere Angestellte sie beim Hausherrn bezichtigten, Essen für die Kranken zu stehlen, lauerte Heinrich der Portner ihr auf dem Weg zum Siechenhaus auf. Radegundis trug einen Korb mit Milch, Butter und Brot bei sich, gab auf Nachfrage jedoch an, nur Kamm und Bürste zur Pflege der Kranken mitzuführen. Als der Hausherr in den Korb blickte, befanden sich darin auf wundersame Weise tatsächlich nur Kamm und Bürste.[3]

Die Legende besagt, dass Radegundis für ihre Notlüge noch auf dem Heimweg bestraft wurde: Zwei Wölfe fielen sie an und verletzten sie schwer.[4] Herbeigeeilte Bauern trugen die Verwundete zurück auf das Schloss, wo sie drei Tage später verstarb. Vor ihrem Tod soll sie ihrem Dienstherrn die Lüge gestanden und ihn um Verzeihung gebeten haben.[5]

Ihr Leichnam sollte im Familiengrab des Hausherrn in Augsburg beigesetzt werden.[5] Da die vorgespannten Pferde den Transport des Leichenwagens nach einer Weile allerdings verweigerten, wurden ungezähmte Ochsen vorgespannt, die ihn zum Siechenhaus zurückbrachten, wo Radegundis schließlich beigesetzt wurde (sog. „Gespannwunder“).[6]

Radegundiskapelle

An der Stelle der Beisetzung wurde später eine Kapelle errichtet und ihre Gebeine in einem Reliquienschrein untergebracht. Um 1450 bedachte man die Kapelle mit Privilegien und sie entwickelte sich zu einer Wallfahrtsstätte für Mägde und Knechte, die Radegundis als Patronin der Wohltätigen sowie als Beschützerin von Vieh und Feldern verehrten.[5]

Um 1520 ließ der Kardinal Matthäus Lang eine gotische Kirche errichten und 1521 eine Gedenkmünze mit der Umschrift „ORA PRO NOBIS DEUM SANCTA VIRGO RADIANA“ prägen.[7]

Zum Schutz wurden die Gebeine 1701 und 1796 zeitweise nach Augsburg verbracht.[5] Anfang des 19. Jahrhunderts zerstörte ein Sturm die Kapelle. Reichsfürst Anselm Maria Fugger ließ die Gebeine mit einem Großteil der Ausstattung 1812 „in aller Stille“ nach Waldberg überführen, wo sie 1817 in der neuen Pfarrkirche St. Radegundis unter dem Hochaltar beigesetzt wurden.[5]

Radegundis in der bildenden Kunst

1521 schuf Hans Burgkmair der Ältere im Auftrag des Kardinals Matthäus Lang drei Holzschnitte, auf denen Radiana von zwei Wölfen angefallen wird.[8]

Der Graf Anton Joseph Fugger stiftete zwischen 1682 und 1691 fünfzehn Ölgemälde, die Begebenheiten aus dem Leben der Radegund von Wellenburg zeigen. Sie befanden sich ursprünglich in der Wallfahrtskapelle und wurden ebenfalls in die Kirche nach Waldberg gebracht.[5]

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Literatur

  • Gertrud Scherf: Wolfsspuren in Bayern. Kulturgeschichte eines sagenhaften Tieres. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2001, ISBN 3-924350-96-5.

Einzelnachweise

  1. a b Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 21.
  2. Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 24.
  3. a b Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 22.
  4. Scherf 2001: 44 f.
  5. a b c d e f Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 23.
  6. Alexander Schöppner: Radiana zu Wellenburg. In: Sagenbuch der Bayerischen Lande. B. 1, Nr. 53. München 1852, S. 50–51 (zeno.org).
  7. St. Radegundis: Patrozinium (Memento vom 27. Februar 2014 im Internet Archive)
  8. Abbildungen der drei Holzschnitte. In: Sammlung Online Albertina Museum Wien. Albertina, abgerufen am 23. Mai 2021.