Rabacino

Rabacino
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Rabacino
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Studzienice
Geographische Lage: 54° 8′ N, 17° 35′ O
Einwohner:

Rabacino (deutsch Gröbenzin) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Studzienice im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage

Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, westlich des Sonnenwalder Sees, etwa acht Kilometer südöstlich der Stadt Bytów, vier Kilometer nördlich des Dorfs Studzienice und 3,5 Kilometer östlich des Kirchdorfs Ugoszcz.

Geschichte

Dss Dorf Gröbenzin entstand 1752 als Streusiedlung im Rahmen der von Friedrich II. in öden Landstrichen Preußens in Gang gesetzten landwirtschaftlichen Kultivierungsmaßnahmen, der sogenannten Friderizianischen Kolonisation. Die von Kommissionen angeworbenen und ausgewählten Neusiedler-Familien, die acht Jahre lang von Dienstpflichten gegenüber dem Staat entbunden worden waren und dafür ihre Hauser und Scheunen erbaut und ihre Äcker und Gärten urbar gemacht hatten, besaßen zusammen 907 Morgen 53 Quadratruten Siedlungsland und entrichteten dadür eine Grundsteuer, leisteten aber außer Pass- und Marschfuhren keine Naturaldienste.[1] In Gröbenzin wohnten anfangs hauptsächlich Polen.[2] Um die Mitte des 19. Jahrhunderts soll in Gröbenzin etwa die Hälfte der Bevölkerung kaschubisch gesprochen haben.[3]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 410,8 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Gröbenzin 46 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 32 Pferde, 105 Stück Rindvieh, acht Schafe und 135 Stück Borstenvieh hielten.[4]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Gröbenzin eine Flächengröße von 4,1 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Gröbenzin der einzige Wohnplatz war, standen insgesamt 31 bewohnte Wohnhäuser.[5]

Bis 1945 bildete Gröbenzin eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Grünenwalde war dem Amtsbezirk Pomeiske zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Gersdorf.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Ende der Kampfhandlungen wurde Gröbenzin zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wanderten Polen zu, und die allermeisten einheimischen Dorfbewohner wurden von der polnischen Administration aus Gröbenzin vertrieben. Der Ortsname Gröbenzin wurde zu „Rabacino“ polonisiert.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 Dorf, im Jahr 1752 in der Bernsdorfer Heide angelegte Neusiedlung, mit Behausungen für zwölf Familien nebst einem Schäferei- und Hirtenkaten sowie 18 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu Bernsdorf[1]
1818 072 Dorf, königliche Besitzung, zum Kirchspiel Bernsdorf gehörig[6][7]
1846 233 Dorf[8]
1852 234 Dorf[9]
1855 234 am Jahresende, davon 99 Evangelische und 135 Katholiken[10]
1864 264 am 3. Dezember, Erhebungsbezirk[11]
1867 271 am 3. Dezember, Landgemeinde[12]
1871 244 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 122 Evangelische und 122 Katholiken[12]
1885 251 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 126 Evangelische und 125 Katholiken[13]
1895 257 am 2. Dezember, Landgemeinde, davon 120 Evangelische und 137 Katholiken[14]
1905 291 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 106 Evangelische (103 mit deutscher, drei mit polnischer Muttersprache) und 185 Katholiken (drei mit deutscher, 182 mit polnischer Muttersprache)[15]
1910 252 am 1. Dezember, Dorf[16]
1925 227 Landgemeinde, in 43 Haushaltungen, davon 115 Evangelische und 112 Katholiken[5]
1933 187 [17]
1939 168 [17]

Kirche

Kirchspiel bis 1945

In Gröbenzin waren die Einwohner etwa zur Hälfte evangelischer Konfession. Das evangelische Kirchspiel war in Bernsdorf.

Das katholische Kirchspiel war in Bernsdorf.

Polnisches Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Trivia

Der früheren kaschubischen Ortsbezeichnung Rabacino[3] entlehnte ältere mundartliche Ortsbezeichnungen wurden überliefert durch plattdeutsche Redensarten wie: „Dei is ut Rabbazin, wo de Heiner melk ware“ (Der ist aus Rabbazin, wo die Hühner milch waren, d. h. Milch gaben) oder „Dat kan de olle Häksch ut Rabenzin ok“ (Das kann die alte Hexe aus Rabenzin auch).[18]

Literatur

  • Gröbenzin, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Gröbenzin (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1054, Nr. (8) (Google Books).

Fußnoten

  1. a b Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1055, Nr. (8) (Google Books).
  2. Peter Wehrmann: Friedrich der Große als Kolonisator in Pommern, in: VI. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft zu Greifswald, II: Teil: 1896–1898, Greifswald 1898, S. 1–43, insbesondere S. 20 (Google Books).
  3. a b Alexander Hilferding: Die Ueberreste der Slaven auf der Südküste des baltischen Meeres, in: Zeitschrift für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft, Band I, 2. Heft, Bautzen, 1862, S. 81–97, insbesondere S. 97 (Google Books).
  4. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 136–137, Ziffer 10 (Google Books).
  5. a b Die Gemeinde Gröbenzin im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
  6. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 83, Ziffer 2994 (Google Books).
  7. Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 286, Ziffer 7 (Google Books).
  8. Bütower Kreisblatt, No. 3, Bütow, 17. Januar 1849, S. 11–12, Einwohner-Tabelle, Ziffer 14 (bibliotekacyfrowa.eu, PDF)
  9. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 203 (Google Books).
  10. Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 3 (Google Books).
  11. Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 17 (Google Books).
  12. a b Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 172–173, Ziffer 9 (Google Books).
  13. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 190–191, Ziffer 10 (Google Books).
  14. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 196–197, Ziffer 10 (Google Books).
  15. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für die Provinz Pommern. Auf Grund von Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1908, 4. Kreis Bütow, S. 18–19, Ziffer 27 (pbc.gda.pl).
  16. Gröbenzin, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Gröbenzin (meyersgaz.org).
  17. a b Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  18. Otto Knoop: Allerhand Scherz, Neckereien, Reime und Erzählungen über pommersche Orte und ihre Bewohner, in: Baltische Studien, 41. Jahrgang, Berlin 1891, S. 99–203, insbesondere S. 130 (Google Books).