Raúl Zurita

Raúl Zurita (* 1950 in Santiago de Chile) ist ein chilenischer Dichter, Universitätsprofessor und Ingenieur. Er gehört zu einer Generation von Dichtern, die sich um 1970 von dem großen Vorbild Pablo Nerudas deutlich absetzten. Sein Werk ist unter anderem durch die chilenische Diktatur geprägt.

Zurita war das zweite Kind einer italienisch-baskischen Auswandererfamilie. Seine Mutter war Italienerin, die ihre Heimat nach der Emigration nie mehr wiedersah. Nachdem sein Vater kurz nach seiner Geburt gestorben war, arbeitete die Mutter als Sekretärin, um die Familie zu ernähren. Noch während seines Ingenieurstudiums wurde Zurita 1973 am Tag des Putsches gegen Salvador Allende mit Hunderten von Kommilitonen und Professoren sowie anderen Intellektuellen auf das Schiff Maipo vor der Küste verbracht und auf engstem Raum zusammengepfercht.

Er durchlitt die Diktatur Pinochets in innerer Emigration, wurde mehrfach verhaftet und gefoltert. Die beiden Gedichtbände Fegefeuer und Vorhimmel konnte er an den Zensurbehörden vorbeigeschleusen.

In den 1980er Jahren trat er verschiedentlich mit spektakulären provokativen Aktionen an die Öffentlichkeit. 1981 "ließ das Colectivo de Acciones de Arte (CADA), an dem Zurita mit den Künstlern Lotte Rosenfeld und Juan Castillo, der Schriftstellerin Diamela Eltit und dem Soziologen Fernando Barcells arbeitete, aus sechs Kleinflugzeugen 400 000 Flugblätter über Santiago abwerfen, auf denen der Zusammenhang von Kreativität, gesellschaftlicher Existenz und Wohnen thematisiert wird. Das Papierbombardement der chilenischen Hauptstadt war auch eine Anspielung auf die Bombardierung des Präsidentenpalastes La Moneda 1973, während der sich Salvador Allende aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben nahm. (...) Und 1982 schrieb eine Flugzeugstaffel ein Solidaritätsgedicht Zuritas für die spanischsprachige Minderheit der USA in Rauchschrift in den Himmel von New York."[1]

"1993 ließ er die letzte Zeile von »La Vida Nueva« in monumentalen Lettern in die Atacamawüste in Nordchile graben (in einschlägigen Kartensuchmaschinen lassen sich Satellitenaufnahmen des drei Kilometer langen und 400 Meter hohen Schriftzugs finden: 24°2′49″S 70°26′43″W): »Ni pena ni miedo« – Weder Scham noch Furcht. Verse aus seinem Band Canto a su amor desaparecido (Lied an seine verschwundene Liebe) stehen auf dem großen Mahnmal für die Opfer der Diktatur im Hauptfriedhof von Santiago."[2]

Zurita war u. a. Lehrer für kreatives Schreiben im kalifornischen Berkeley, eine Lesereise führte ihn nach China.

Zurita ist verheiratet mit Paulina Wendt. Seit seinen 50er Jahren leidet er an Parkinson.

Werke (Auswahl)

  • Fegefeuer (1979)
  • Vorhimmel (1982)
  • Das neue Leben (1993)

Auszeichnungen

Literatur

  • Bernhard Malkmus: Von der Freiheit unserer Lieder. Pinochets unbeugsamer Widersacher Raúl Zurita. In: Sinn und Form 5/2017, S. 682–687.
Commons: Raúl Zurita – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bernhard Malkmus: Von der Freiheit unserer Lieder. Pinochets unbeugsamer Widersacher Raúl Zurita. In: Sinn und Form 5/2017, S. 682–687.
  2. Bernhard Malkmus: Von der Freiheit unserer Lieder. Pinochets unbeugsamer Widersacher Raúl Zurita. In: Sinn und Form 5/2017, S. 682–687.