Rüttihubelbad

Das Rüttihubelbad ist ein anthroposophisches Sozial-, Kultur- und Tagungszentrum in der Gemeinde Walkringen im Kanton Bern, Schweiz.

Lage und Geschichte

Das Rüttihubelbad liegt auf dem Rüttihubel zwischen Worb und Walkringen am Rand des Emmentals, auf einer Anhöhe oberhalb von Enggistein, zwischen Bern, Thun und Burgdorf. 1756 erbaute Peter Schüpbach hier das erste Bauernhaus. 1779 erschloss Schüpbach eine Heilquelle, die sich als mineralhaltig erwies. Erste Badeversuche führten jedoch zu Konflikten mit der Obrigkeit: Auf Betreiben des Herrschaftsherrn von Worb wurde der Badebetrieb mehrfach untersagt und Anlagen zerstört. Trotz wiederholter Verbote wurde die Quelle weiterhin genutzt, insbesondere von der ärmeren Landbevölkerung.

Erst am 12. April 1834 erhielten Peter Schüpbach und seine Söhne das offizielle Badewirtschaftsrecht (zunächst befristet auf die Sommermonate). In der Folge entwickelte sich das Rüttihubelbad im 19. Jahrhundert rasch zu einem vielbesuchten Kurbad. Um die Mitte des Jahrhunderts verfügte es über mehrere Badeeinrichtungen und Unterkünfte, die bis zum Ende des Jahrhunderts auf rund 95 Zimmer anwuchsen. Zur Erleichterung der Anreise verkehrte ab dem späten 19. Jahrhundert zweimal wöchentlich ein sogenannter „Badomnibus“ zwischen Bern und dem Rüttihubel.

Im Unterschied zu den zeitgenössischen, zunehmend luxuriösen Badeorten wurde das Rüttihubelbad als einfach, zweckmässig und von häuslicher Behaglichkeit geprägt beschrieben. Der ungezwungene Umgangston, die Nähe zum Landleben sowie die als heilkräftig geltende Eisenquelle prägten den Charakter des Ortes über Jahrzehnte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor der Badebetrieb an Bedeutung; 1982 ging die Rüttihubelbad AG der Familie Schüpbach in Konkurs.

Quelle: https://www.ruettihubelbad.ch/stiftung/uber-die-stiftung/#geschichte

Die Informationen zur Geschichte des Rüttihubelbad von 1756 – 1982 stammen aus folgendem Werk: Bohnenblust, Emil O.: Mit frischem Wind zu neuen Ufern. Separatdruck ca. 1995

Betrieb

1986 gründet der gemeinnützige „Verein für ein Alters- und Pflegeheim auf anthroposophischer Grundlage” die Stiftung Rüttihubelbad. Zweck dieser gemeinnützigen Stiftung war der Erwerb des Kurhauses Rüttihubelbad und der dazugehörigen landwirtschaftlichen Liegenschaften, um ein gemeinnütziges Alters- und Pflegeheim auf anthroposophischer Grundlage zu errichten und zu betreiben. Das Alterswohn- und Pflegeheim ist insbesondere auch durch das komplementärmedizinische und kulturelle Angebot sehr beliebt.

Im Herbst 1994 wurde das Sozial- und Kulturwerk mit Restaurant und Hotel eingeweiht.

Die Sozialtherapeutische Gemeinschaft bietet seit 2002 begleitete Wohn- und geschützte Arbeitsplätze an.

Im Januar 2004 erweiterte die Stiftung Rüttihubelbad ihr Angebot mit der Eröffnung des Sensorium, einem Erfahrungsfeld der Sinne.

Die Stiftung Rüttihubelbad entwickelt ihre Dienstleistungen in einer fachlich anerkannten und geschätzten Qualität und ist mit rund 260 Mitarbeitenden eine der grössten Arbeitgeberinnen der Region.

«Sensorium»

Das Sensorium ist ein interaktives Museum, das sich der Welt der Sinne widmet und sich an der von Hugo Kükelhaus konzipierten Erlebnisausstellung «Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne» orientiert.

Erfahrungsfeld der Sinne

An rund 80 Stationen entdecken die Besucher «die Gesetzmässigkeiten der Natur im Äusseren, aber auch im eigenen Organismus».[1] Dabei stehen die menschlichen Sinne und die Inanspruchnahme all ihrer Möglichkeiten im Zentrum.

Permanentausstellung

Nach Kükelhaus verhindern die immer eintöniger werdende Umwelt, die den Sinnen nichts mehr zu tun gibt, und eine gleichzeitige Reizüberflutung, die nur bestimmte Sinne wie Sehen und Hören überfordert, zunehmend eine differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit und fördern deren Abbau. Dies lässt den grundlegenden körperlichen Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten immer weniger Raum. Kükelhaus sieht darin schwerwiegende Folgen für das menschliche Verhalten in all seinen Bezügen – zu sich selbst, zu den Mitmenschen, zur Natur und Technik.[2]

Im Sensorium gibt es rund 80 Stationen, um sinnliche Wahrnehmungen zu aktivieren. So zeigen rotierende Scheiben optische Phänomene, ein Duftbaum präsentiert verschiedene Gerüche, Steine, Hölzer und Gongs lassen Töne und ihre Schwingungen spüren, eine Partnerschaukel lässt ein aktives Miteinander erleben. Nach Hugo Kükelhaus erfährt der Mensch dadurch, «wie das Auge sieht, das Ohr hört, die Nase riecht, die Haut fühlt, die Finger tasten, der Fuss versteht, die Hand begreift, das Gehirn denkt, die Lunge atmet, das Blut pulst, der Körper schwingt».

Sonderausstellungen

Im Jubiläumsjahr 2024  wurde dem Inspirator eine Sonderausstellung namens "Vita und Werk Hugo Kükelhaus" gewidmet. Sie ist weltweit einzigartig. Zudem stand im 2024 imSensorium die Sonderausstellung «Leben ist Schwingung» im Zentrum. Ein universelles Phänomen unserer Zeit: Es geht dabei um Schwingung und Bewegung, sichtbar gemacht in Form von Wellen, Echos und Vibrationen an Pendel-Konstruktionen. Als Vertiefung und Ergänzung wurde 2025 zusätzlich die Sonderausstellung «Faszination Resonanz: kleine Impulse – grosse Wirkung» kuratiert. Auch sie spricht die Sinnesorgane des Publikums an und wird zum Angelpunkt persönlicher Erfahrungen.

Das Sensorium legt Wert darauf, dass Gäste aller Generationen ein maximal sinnliches Erlebnis mit nach Hause nehmen.

Übersicht der Sonderausstellungen

Das Sensorium lädt regelmässig zu einer neuen temporären Ausstellung ein.

  • 2014: Das Wasser: Erlebe die Schönheit und die Phänomene des Elements Wasser.
  • 2015: Bienen machen Sinn: Lerne die Aufgaben einer Biene und deren Verbindung zu den Sinnen kennen.
  • 2016: Labyrinth – Erlebe den Weg: Abzweigungen, Sackgassen und Irrwege. Finde den roten Faden und verliere ihn nicht.
  • 2017: Spiel der Kräfte: Spielerische und physikalische Erfahrungen mit den Themen Kraft und Energie stehen im Zentrum.
  • 2018: Klang – vom Ton zur Emotion
  • 2019: Zeit – von Zeit zu Zeit
  • 2020: Touch – alles rund um den Tastsinn
  • 2021: Sensibel – Sensible Daten, ein äusserst sensibler Mensch, ein sensibles Thema – was genau bedeutet SENSIBEL?
  • 2022: Unbewusst
  • 2023: Farbe erleben! Bestand aus Teilen der Ausstellung Experiment FARBE (Goetheanum, 2010)
  • 2024: Leben ist Schwingung: Sonderausstellung zu Ehren von Hugo Kükelhaus, dem Initianten des Sensoriu
  • 2025: Faszination Resonanz: kleine Impulse – grosse Wirkung
Commons: Rüttihubelbad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hugo Kükelhaus Stiftung – Über Hugo Kükelhaus. Abgerufen am 12. September 2017.
  2. Stiftung Rüttihubelbad, Hugo Kükelhaus. Abgerufen am 12. September 2017.

Koordinaten: 46° 56′ 23″ N, 7° 35′ 52″ O; CH1903: 612127 / 198747