Rüdiger Roehl
Rüdiger Roehl (* 23. September 1942 in Berlin) ist ein Berliner Metallbildhauer.
Roehl kam aus einem protestantischen Elternhaus in Berlin-Grünau. Er absolvierte bis 1961 die Erweiterte Oberschule. Nach dem Abitur machte er bis 1963 bei Fritz Kühn in Berlin-Bohnsdorf eine Lehre als Bauschlosser und Kunstschmied. 1963 wurde er wegen „versuchter Republikflucht“ mit seinem Bruder, dem späteren Metallgestalter Christian Roehl (* 1940) inhaftiert. Nach der vorzeitigen Entlassung mit 3-jähriger Bewährung durch Vermittlungsbemühungen des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen, der Westberliner Rechtsschutzstelle und der Evangelischen Kirche in Deutschland (BRD)[1] war er von 1964 bis 1966 Mitarbeiter Kühns in dessen Atelier für Kunstschmiedearbeiten. Von 1966 bis 1971 studierte er in der Fachrichtung Metallgestaltung der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein. Von 1971 bis 1973 war er Leiter der Metallabteilung des Instituts für Denkmalpflege der DDR. Seitdem arbeitete er freischaffend als Metallgestalter. Mit Jan Skuin und Gerd Hermann Werner (* 1944) betrieb er ab 1973 als Kollegium Bildender Künstler eine Metallkunst-Werkstatt in Bohnsdorf.[2] Werner ging 1979 in die Bundesrepublik. Roehl beteiligte sich 1977 und 1981 an den Stahlgestalter-Symposien im VEB Chemieanlagenbau Staßfurt und von 1983 bis 1988 an acht Schmiedesymposien im Tobiashammer.
Er war von 1971 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte in der DDR und 1989 in Budapest und Kraków Einzelausstellungen und war auf wichtigen Gruppenausstellungen vertreten.
Neben Werken für den öffentlichen Raum schuf Roehl auch Kirchenschmuck wie die Ausgestaltung in der Biesdorfer Versöhnungskirche.[3]
Ausstellungen (unvollständig)
Teilnahme an Gruppenausstellungen in der Zeit der DDR
- 1981: Karl-Marx-Stadt („Plastik im Freien ´81. Metallgestaltung & Holzgestaltung der DDR“)
- 1981/1982 und 1986/1987: Halle, Staatliche Galerie Moritzburg (1. und 2. Zentrale Ausstellung „Metallgestaltung in der DDR“)
- 1985: Berlin, Bezirkskunstausstellung (Kunsthandwerk/Design)
- 1989: Westberlin („Metallkunst aus der Deutschen Demokratischen Republik“)
Ausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung
- 1992: Von Pappe und Eisen, Wolf Leo mit Rüdiger Roehl im studio bildende kunst, Berlin-Treptow[4]
- 1992: Werke von Roehl und Jan Skuin im Hotel Brandenburger Hof[4]
- 1993: Figuren vereint im Widerspruch, Rüdiger Roehl und Jan Skuin, in der Galerie Alter Markt, Berlin-Köpenick[4]
- 2011: Zusammen mit den Berliner Metallkünstlern Jürgen Steinau (* 1953), Olaf Haacke (* 1951) und Lutz Holland (1934–2012), die alle ebenfalls ihre Ausbildung auf Burg Giebichenstein absolvierten, wurde im Jahre 2011 unter dem Titel Metall – Kunst – Handwerk eine Werkausstellung im Kunstgewerbemuseum auf Schloss Köpenick veranstaltet.[5]
Werke (Auswahl)
- 1978/1979: Torwächter, Plastik für ein Arbeiterwohnheim in Berlin
- 1980: Wandgestaltung für die Mensa der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport Leipzig (mit Skuin)
- 1980: Blattwerk, Stahl und Edelstahl, geschmiedet, 160 × 80 × 90 cm
- 1981: Akrobat, Schwarzblech, gebrannt, montiert, Höhe 250 cm[6]
- 1981: Jana, Stahl, gebrannt, verformt, montiert[6]
- 1983: Helmkopf, gespalten. Bleiblech, montiert, Höhe 18 cm
- 1984: Musikspiel[7]
- 1985–1987: Hauszeichen in Berlin-Marzahn, Blumberger Damm / Glambecker Ring / Grumsiner Straße.
Blumberger Damm 202: Mann mit Vogel und Fisch (nicht erhalten), Glambecker Ring 20/22: Sportler (nicht erhalten), Glambecker Ring 69: Teufel mit Hampelmann, Grumsiner Straße 12: Mann mit Vogel (nicht erhalten)[8] - 1986: Seerosenbrunnen, Bronze, Rüdiger Roehl und Jan Skuin in Berlin-Friedrichshain, Friedenstraße 68, Ecke Palisadenstraße[7]
- 1987: Windspiel, Stahl, in Berlin-Weißensee, Schönstraße 80, auf dem Gelände der Park-Klinik Weißensee[7]
- um 1987: Haupttür vom Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz, zusammen mit Jan Skuin.
Die zweiflügelige Tür am Haupteingang bestand aus Eisen, Kunststoff und Glas und stellte stilisierte Pflanzenteile dar. Der Verbleib des Kunstwerkes ist nicht bekannt.[9] - um 1991: Altarbild „Der Gekreuzigte“, in Berlin-Biesdorf
- um 1991: Antependium und Altartisch
- um 1991: Ambo und Taufschale
- 1993: Gestaltung des Vorplatzes einer Seniorenresidenz in Berlin-Friedrichshagen, zusammen mit Jan Skuin[2]
- 1994: Torskulptur, Edelstahl in Berlin-Wedding, Zeppelinplatz[7]
- 1994: Wasserspeier, Metallbleche, in Berlin-Baumschulenweg, Baumschulenstraße[7]
- 1995: Neugestaltung des Grabmals für den Architekten des Berliner Schlosses Friedrich August Stüler auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte[2]
- 1995: Drei Stelen in Berlin-Johannisthal, Sterndamm, Stahl und Holz[10][11]
- 1996/1997: Kopf, Edelstahl und Plexiglas, in Berlin-Oberschöneweide, Adlergestell 133[7]
- 1999: Mahnmal für 15 Treptower Maueropfer (zusammen mit Jan Skuin), 1999, in Berlin-Plänterwald am Grünzug Heidekampgraben, Ecke Kiefholzstraße
Inschrift: „In Treptow starben fünfzehn Menschen an der Berliner Mauer. Unter den Opfern waren 2 Kinder. Jörg Hartmann, 10 Jahre alt und Lothar Schleusener, 13 Jahre alt, erschossen am 14. 3. 1966V.“ - 2000: Denkmal für die letzten Kriegstoten bei Kriegsende 1945, Massengrabanlage Alter Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte, gemeinsam mit Jan Skuin[2]
- 2005/2006: Kunstinstallation Steckenpferd träumt mit dem Regenbogen (zusammen mit Jan Skuin), in Berlin-Marzahn, Havemannstraße; Metall, Bronze, Edelstahl und Kupferblech
Eine 7 Meter hohe Konstruktion in Form und Farbe einem Regenbogen nachempfunden, trägt an der Spitze einen Pferdekopf, unter dem ein Steckenpferd im Wind schaukelt. Das Kunstwerk markiert die Ahrensfelder Terrassen, durch Rückbau von Plattenbauten entstandene Wohngebäude.[12]
Galerie
-
Wasserspeier Trio, (1994)
Berlin-Baumschulenweg -
Drei Stelen, (1995)
Berlin-Johannisthal -
Kopf, (1997)
Berlin-Adlershof -
-
Gegen die Trägheit des Herzens, (2002)
Berlin-Rahnsdorf
Literatur
- Rüdiger Roehl, Jan Skuin: Werkstatt für Metallgestaltung. In: Bildende Kunst, Berlin,4/1981, S. 168–170
- Helmut Wahlstab: Dekorative und funktionale Metallgestaltungen von Rüdiger Roehl und Jan Skuin. In: Metallverarbeitung, Berlin, 1/1981, S. 16–18 (mit neun Abbildungen)
- Eva Grabe: Geformt von Meisterhand. Zu Gast bei Metallgestalter Rüdiger Roehl. In: Metallverarbeitung, Berlin, 1/1984, S. 10–12 (mit sieben Abbildungen)
- Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Aus dem Schaffen dreier Jahrzehnte in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1984
- Kunstamt Marzahn (Hrsg.): Kunst in der Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf. 2., überarb. Auflage. Selbstverl. des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf, Berlin 2009, ISBN 978-3-00-026730-7.
- Röhl, Rüdiger. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 779
Weblinks und Quellen
- ↑ - Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ a b c d Kunsttour Caputh von Jan Skuin ( vom 2. Januar 2013 im Internet Archive)
- ↑ Festschrift zur Orgeleinweihung im evangelischen Gemeindezentrum in der Maratstraße. S. 15, Hrsg. Die Versöhnungskirchgemeinde, 2011
- ↑ a b c Website Kunst + Evangelische Akademien ( vom 2. März 2014 im Internet Archive)
- ↑ Metall – Kunst – Handwerk. Zeitgenössische Arbeiten von vier Berliner Künstlern; abgerufen am 26. Februar 2014
- ↑ a b Abbildung im Katalog der 2. Zentralen Ausstellung „Metallgestaltung in der DDR“, S. 72
- ↑ a b c d e f Roehl auf Bildhauerei-in-Berlin ( vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.today)
- ↑ Kunst in der Großsiedlung..., S. 172
- ↑ Kunst in der Großsiedlung..., S. 81
- ↑ Der Rufer, der Seher, der Schnüffler – Bildhauerei in Berlin. Abgerufen am 8. Januar 2022 (deutsch).
- ↑ Stand By Your Art – SBYA in Johannisthal - Berlin.de. Abgerufen am 8. Januar 2022 (deutsch).
- ↑ Kunst in der Großsiedlung... S. 205.