Rückgabe der Namen
Rückgabe der Namen ist eine internationale Gedenkaktion, die von der 1989 in der Sowjetunion gegründeten Menschenrechtsorganisation Memorial initiiert wurde und seit 2007 jährlich weltweit stattfindet.
Geschichte
1974 erklärten politische Gefangene in DubrawLag den 30. Oktober zum Gedenktag für die politischen Gefangenen. In der Folgezeit traten politische Gefangene in den Gulag-Lagern jährlich am 30. Oktober in den Hungerstreik. Seit 1987 fanden Demonstrationen in Moskau, Leningrad, Lwiw, Tiflis und anderen Städten statt. Am 30. Oktober 1989 bildete sich eine Menschenkette aus etwa 3000 Menschen um das KGB-Gebäude in Moskau. Nachdem sie von dort zum Puschkin-Platz zogen, wurde die Demonstration von der OMON brutal aufgelöst.[1] 1991 erklärte der Oberste Rat der Russischen Sowjetrepublik den 30. Oktober 1991 zum offiziellen „Gedenktag der Opfer politischer Verfolgung“,[2] der seit 2017 an der von Wladimir Putin eingeweihten Mauer der Trauer begangen wird.[3][4]
Am 29. Oktober 2007 fand in Moskau am Solowezki-Stein, dem 1990 aufgestellten Denkmal für Opfer des stalinistischen Großen Terrors, auf dem Lubjanka-Platz die erste Rückgabe der Namen am Vorabend des offiziellen Gedenktages statt. Später wurde die Gedenkveranstaltung International, sodass sie im Jahr 2022 in mehr als 20 Ländern und 70 Städten auf der ganzen Welt stattfand.[5] Menschenrechtler versuchen, die Veranstaltung in Moskau auch nach Auflösung von Memorial im Dezember 2021 fortzusetzen.[6]
In Deutschland
Auch Memorial Deutschland nimmt an dieser Gedenkveranstaltung teil. In Berlin werden jedes Jahr am 29. Oktober am Denkmal für die Opfer des Stalinismus auf dem Steinplatz in Berlin-Charlottenburg die Namen der Menschen verlesen, die aus Berlin und Brandenburg stammten und Opfer der Stalinschen Säuberungen wurden.[7]
Zwischen 1950 und 1953 wurden insgesamt 923 deutsche Zivilpersonen von sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt, nach Moskau gebracht und dort hingerichtet. Davon stammten 241 aus Berlin und Brandenburg. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die meisten dieser Opfer von der russischen Militärstaatsanwaltschaft nachträglich als unschuldig anerkannt und rehabilitiert.[7]
Literatur
- Erinnerungsorte an den Massenterror 1937/38 in der Russischen Föderation. Herausgegeben von Anna Kaminsky, bearbeitet von Ruth Gleinig und Ronny Heidenreich im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2007, ISBN 978-3-00-022887-2.
- Arsenij Roginskij, Jens Siegert: Fragmentierte Erinnerung: Stalin und der Stalinismus im heutigen Russland. Osteuropa 2009, S. 37–44.
- Anna Kaminsky, Arsenij Roginskij, Frank Drauschke: „Erschossen in Moskau ...“. Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950–1953. Metropol Verlag, 2020, ISBN 978-3-86331-541-2.
Weblink
- Erschossen in Moskau… Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950-1953. Digitales Totenbuch der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Einzelnachweise
- ↑ 30 октября - День памяти жертв политических репрессий. In: Regnum. Abgerufen am 17. Oktober 2025 (russisch).
- ↑ 30. Oktober: Erinnern an die Opfer politischer Gewalt in der Sowjetunion. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 30. Oktober 2020.
- ↑ Putin fordert Schlussstrich unter Stalin-Ära. Deutsche Welle, 30. Oktober 2017.
- ↑ David Nauer: Geliebter Massenmörder Stalin: Eine Mauer der Trauer – und eine des Schweigens. SRF, 6. November 2017.
- ↑ trv-science.ru: «Возвращение имен»: от третьего Рима до первого. In: Троицкий вариант — Наука. 1. November 2022, abgerufen am 17. Oktober 2025 (russisch).
- ↑ Trotz Verbot: Memorial-Gedenken an Stalin-Opfer in Russland. Deutsche Welle, 29. Oktober 2023.
- ↑ a b Rückgabe der Namen - Memorial Deutschland. Abgerufen am 17. Oktober 2025.