Rönne (Adelsgeschlecht)

Die Familie von Rönn/Rönne/Rönnen ist eine alte, noch heute in Deutschland existierende Adelsfamilie[1] aus dem Herzogtum Bremen, des Weiteren ab der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Livland, Kurland und später auch in Samogitien ansässig. Ab dem 16. und 17. Jahrhundert auch in Dänemark zu finden. Im 18. Jahrhundert ebenfalls in Pommern niedergelassen.

Im Herzogtum Bremen und Umgebung

Die Familie ist bereits zu Zeiten des Erzbischofs Johann Rode (Erzbischof von 1496–1511) ritterlich gewesen. Im Kirchspiel zu Osten an der Oste hatte die Familie von Rönne seit 1450 Ländereien:[2] Diederich von Rönne erhielt 1450 das Gericht zu Osten vom Erzbischof Gerhard III. zu Lehn. Im Jahre 1500 lebten Diederich, Claus und Erich von Rönne im Herzogtum Bremen. Bis in das Jahr 1650 hatte die Familie das Kirchspiel Osten in Lehn und den Erbtitel auf das Gericht. Der rinnende Fluss vom Wappen der Familie wurde zum Amtssiegel des Kirchspieles. Noch heute ziert ein Fluss teilweise das Wappen der Stadt Osten. Die männliche Nachkommenschaft derer von Rönne ist im Kirchspiel von Osten nach 1650 erloschen.[3]

Im Jahre 1692 erbaute der Herr Johann von Rönne bei Ahlerstedt, auf einem sehr sumpfigen Orte mit viel Mühe, einen adeligen Hofe. Die Familie war noch bis 1777 in Ahlerstedt und Alderdorf bei Osten ansässig.[4]

In Dänemark

Aus der Familie ging im 17. Jahrhundert ein Zweig hervor, der in königlich-dänische Dienste trat. Aus dieser Linie stammte Claus von Rönne, Kapitän in der Armee des dänischen Königs, und dessen Sohn Otto von Rönne, der für 1712 als Major belegt ist.[5]

In Pommern

Die Familie war im Jahre 1720 in Zuchow und 1749 in Dübzow bei Regenwalde begütert.[4]

In Livland, Kurland und Litauen

Der erste in Livland genannte von Rönne war um 1340 Herr Johann Renne der Domherr von Dorpat. Auch Hauptmann der Ronneburg genannt.

In den Matrikeln des 15. Jahrhunderts in Livland werden sie mit einem vererblichen Adelstitel (Baron) genannt und als Grundbesitzer aufgeführt.[6] Die Familie gehört aber nicht zum livländischen Uradel.

Anfang des 16. Jahrhunderts teilt sich die Familie in zwei Stammbäume auf. Der ältere in Pilten, der andere aber in Kurland. In Kurland gab es bereits 1567 ein Gut mit dem Namen Rennes,[7] dies ist der gebräuchliche Name der Familie im russischsprachigen Raum; ob die Namensgleichheit ein Zufall war, kann man nicht mehr sagen. Zu den Ländereien bei Pilten und Kurland zählten unter anderen die Güter Appusen, Drogen und Dahmen. Später besaß die Familie Rönne, durch erbliche Titel, auch in Samogitien Ländereien, zum Beispiel Scharcken und Turlauken.

Der in Livland verbliebene Familienzweig muss im 16. Jahrhundert ausgewandert oder ausgestorben sein, denn erst Ende des 17. Jahrhunderts (1693) wird wieder ein von Rönne in den Matrikeln genannt.

Der bekannteste Vertreter dieses Stammes war Carl Ewald von Rönne ein russischer General und Ritter des Sankt-Andreas-Orden, des polnischen Weißen Adler Ordens sowie des preußischen Orden De la Générosité. Der russische Zar Peter I. hat Carl Ewald von Rönne im Jahre 1712 in den Freiherrenstand erhoben. Dessen Sohn Carl Freiherr von Roenne wurde 1732 mit der Verleihung eines neuen Wappens in den polnischen Freiherrenstand erhoben.

Ende des 16. Jahrhunderts siedelten die von Rönne auch in Litauen. Sie werden in Nord-Žemaitija sesshaft. Hier war Felix Baron von Rönne der bekannteste Familienangehörige. Er war polnischer Kammerherr bei König Stanislaus II. und bekam im August 1799 den Sankt-Stanislaus-Orden verliehen. In der Verleihungsurkunde wird er als Baron tituliert. Im Besitz des Familienzweiges waren mehrere Güter z. B. Renavas (Rennow), Gargsdai, des Weiteren Hlinowka, Obakie und Zawierz.

Wappen

  • Das Stammwappen der Rönne zeigt in Rot einen silbernen Wellenbalken. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein natürlicher Laubbaum. Der Baum ähnelt einer Eberesche, in einigen skandinavischen Ländern heißt die Eberesche auch Rönnebaum oder Rönne. Ein anderer Herkunftsgrund könnte eine zeitlich früher liegende Lehnschaft in der Nähe der Rönne gewesen sein. Dies war ein Wasserlauf von einem Moor hin zur Oste.[8]
  • Das Wappen der baltischen Barone von Roenne von 1732 ist über dem goldenen Schildfuß mit zwei blauen Wellenbalken gespalten, rechts in Rot ein einwärts sehender silberner Adler, links in Silber eine goldene Lilie. Auf dem Helm mit rechts rot-silbernen, links blau-goldenen Decken drei (rot, gold, silber) Straußenfedern.[9]

Bekannte Familienangehörige

  • Carl Ewald von Rönne (1663–1716), russischer General der Kavallerie
  • Karl Gustav von Rönne (1720–1786), russischer Generalleutnant
  • Gustav von Rönne (1779–1849), russischer Generalmajor[10]
  • Dorothea von Rönne (1786–1869), Äbtissin des Cathrinen-Stifts in Mitau
  • Wilhelm von Rönne (1787–1864), russischer Generalleutnant[11]
  • Georg von Rönne (1790–1838), russischer Generalmajor[12]
  • Ernst von Rönne (1796–1847), russischer Generalmajor[13]
  • Friedrich von Rönne (1798–1865), deutscher Jurist, Diplomat und Politiker
  • Ludwig von Rönne (1804–1891), deutscher Jurist, Publizist und Politiker
  • Paul von Rönne (1865–?), preußischer Landrat, Ober-Regierungsrat in Marienburg/Westpreußen[14]
  • Alexis von Roenne (1903–1944), deutscher Oberst und Widerstandskämpfer
  • Sören von Rönne (* 1962), deutscher Springreiter
  • Ronja von Rönne (* 1992), deutsche Journalistin und Schriftstellerin

Literatur

Einzelnachweise

  1. Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1971. Band V, Band 48 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1971, S. 308 ff.
  2. August Wilhelm Hupel: Materialien zu einer öselschen Adelsgeschichte (1790). Verlag Johann Friedrich Hartknoch, Riga 1790, S. 227.
  3. Siehe Literatur: Peter von Kobbe, Göttingen 1824, S. 303.
  4. a b E. H. Kneschke: NaDA-L. Leipzig 1867, S. 549.
  5. Lexikon over Adelige Familier i Danmark, Norge og Hertugdømmene. Band 2. Levin & Munksgaard, København 1859, S. 116 (google.de [abgerufen am 5. November 2025]).
  6. Siehe Literatur: Hupel, Riga 1790, S. 602.
  7. Carl Ludwig Tetsch: Curländischer Kirchgeschichte, von dem Zustande dieser Provincial-Kirche bis zum Ableben Gotthards ersten Herzog zu Curland nebst der gegenwärtigen äußerlichen kirchlichen Verfassung. Erster Theil, Verlag Johann Friedrich Hartknoch, Riga/Leipzig 1767, S. 166.
  8. Johann Heinrich Pratje: Die Herzogthümer Bremen und Verden. Oder vermischte Abhandlungen zur Erläuterung der Politischen Kirchen Gelehrten und Naturgeschichte wie auch der Geographie dieser beiden Herzogthümer. Band 6 (?), 1760 ff., S. 272. Reprint: Norderstedt 2017. ISBN 978-3-7433-9248-9.
  9. Christoph Franke et al.: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band XI, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2000.
  10. Datensatz in der Erik-Amburger-Datenbank.
  11. Datensatz in der Erik-Amburger-Datenbank.
  12. Datensatz in der Erik-Amburger-Datenbank.
  13. Datensatz in der Erik-Amburger-Datenbank.
  14. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1920. Siebzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1919, S. 736.
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