Römische Verträge (1941)
Die Römischen Verträge (auch Römische Protokolle genannt) wurden am 18. Mai 1941 zwischen dem faschistischen Königreich Italien und dem neu entstandenen Unabhägigen Staat Kroatien (USK) abgeschlossen. Darin wurde nach der Zerschlagung des Königreichs Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg in einem Grenzabkommen die italienische Annexion von Küstengebieten anerkannt. Weitere Abkommen drehten sich um die militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Hintergrund
Im Versailler Vertrag waren Italien, die im Londoner Vertrag von 1915 von der Triple Entente versprochenen Gebiete, nicht umfänglich zugesprochen worden. Die Empörung darüber begünstigte italienischen Irredentismus und den Aufstieg Mussolinis. Im Oktober 1940 griff Italien ohne Rücksprache mit Hitler Griechenland an und am 25. März 1941 unterzeichnete das Königreich Jugoslawien unter Druck den Beitritt zum Dreimächtepakt (Deutschland, Italien und Japan).[1] Dagegen kam es am 27. März in Jugoslawien zum Staatsstreich. Prinzregent Paul wurde gestürzt und die Ratifizierung des Paktes abgelehnt. Hitler entschied sich in einem antiserbischen Haßaffekt und zur Sicherung des zunächst nur gegen Griechenland geplanten Balkanfeldzugs und des geplanten Rußlandfeldzugs kurzfristig zur überstürzten Zerschlagung Jugoslawiens unter Beteiligung von Italien, Ungarn und Bulgarien.[2] Noch während des Angriffs auf Jugoslawien rief Slavko Kvaternik im Namen des Ustascha-Führers Ante Pavelić am 10. April 1941 den Unabhängigen Staat Kroatien aus.[3]
Die Mitgliedsstaaten des Dreimächtepakts und die unter dessen Einfluss stehenden Länder erkannten den USK an. Hitler und Mussolini befürworteten die Zielsetzung von Pavelic, ein großkroatisches Territorium zu errichten, wobei Mussolini aber die adriatische Küste zur Erweiterung des Lebensraums (spacio vitale) durch Italien annektieren und Kroatien in Personalunion (durch die Wahl eines Königs aus dem Haus Savoyen) mit Italien verbinden wollte.[4] Nach ersten Gesprächen zwischen dem italienischen Außenminister Ciano und Pavelič in Ljubljana im April trafen sich Mussolini und Pavelič am 7. Mai in Monfalcone bei Triest, wo sie sich einigten. Zur symbolischen Bekräftigung des italienisch-kroatischen Verbundenheit sollte Aimone von Spoleto als Tomislav II. die kroatische Königskrone erhalten.[5]
Verträge
Am 18. Mai wurden dann in Rom drei kurze Verträge unterzeichnet und am selben Tag Aimone von Spoleto mit dem Titel Zwonimir Tomislav II. zum nominalen kroatischen König proklamiert.[6]
Grenzabkommen
Italien annektierte alle Inseln des adriatischen Archipels mit Ausnahme von Pag, Brač, Hvar und der Halbinsel Pelješac. Auf dem Festland wurde um die Kvarner Bucht das Gebiet der Städte Kastav, Sušak, Fužine, Čabar und Bakar übernommen. In Dalmatien lagen die Städte Ŝibenik, Trogir und Split sowie die Bucht von Kotor im annektierten Gebiet.[7]
Militärabkommen
In dem Militärabkommen verzichtete Kroatien auf eine eigene Kriegsmarine und militärische Anlagen an der Küste. Italienischen Truppen erhielten das vertragliche Durchzugsrecht auf allen Straßen- und Bahnverbindungen im Küstengebiet. Italien wurde eine nicht näher definierte Führungsrolle beim Aufbau und der Ausbildung der kroatischen Streitkräfte zugesagt.[5]
Garantie- und Kooperationsabkommen
Italien garantierte die Unabhängigkeit des kroatischen Staates und Kroatien verpflichtete sich, keine internationalen Verpflichtungen einzugehen, die gegen den Geist des Abkommens wären. Auch eine enge Zusammenarbeit in Währungs-, Zoll- und Verkehrsfragen war Gegenstand.[5]
Nachgang
Die erzwungene Abtretung eines Teils von Dalmatien schwächte Pavelić und in Zagreb kam es zu antiitalienische Demonstrationen. Mussolini enttäuschte mit dem Vertrag die italienischen Agitatoren, die für eine vollständige Annexion Dalmatiens eingetreten waren und hatte durch die Schwächung von Pavelić die pro-deutsche Seite gestärkt. Die Verträge waren ein wichtiger Punkt in der Entfremdung der italienischen Regierung von der Ustascha.[8] Obwohl Hitler sein politisches Desinteresse an Kroatien bekundet hatte, wurde die deutsch-kroatische Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet intensiviert und auch mit der Rekrutierung von kroatischen Arbeitern für die deutsche Rüstungsindustrie und Landwirtschaft begonnen.[9] Am 27. Oktober 1941 wurde der Verlauf der Südgrenze des USK zum unter italienischem Einfluss stehenden Unabhängigen Staat Montenegro in einem italienisch-kroatischen Vertrag fixiert.[10]
Literatur
- Vladimir Đuro Degan: Pravni aspekti i politiĉke posljedice rimskih ugovora od 18. svibnja 1941. In: Pravni fakultet Sveučilišta u Splitu (Hrsg.): godine Zbornik radova Pravnog fakulteta u Splitu. Band 45, Nr. 2, 2008, ISSN 1847-0459, S. 265–278.
Einzelnachweise
- ↑ Vladimir-Đuro Degan: Pravni aspekti i politiĉke posljedice rimskih ugovora od 18. svibnja 1941. S. 266 f.
- ↑ Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1964, S. 40 f.
- ↑ Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. S. 53.
- ↑ Holm Sundhaussen: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941-1945: Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie. In: Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Studien zur Zeitgeschichte. Band 23. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1983, ISBN 3-421-06150-5, S. 78 f.
- ↑ a b c Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. S. 67 f.
- ↑ Eintags-König-Tragikomödie. Spiegel, 6. Februar 1948, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Vladimir-Đuro Degan: Pravni aspekti i politiĉke posljedice rimskih ugovora od 18. svibnja 1941. S. 273.
- ↑ Sanela Schmid: Deutsche und italienische Besatzung im Unabhängigen Staat Kroatien: 1941 bis 1943/45. De Gruyter, Oldenbourg 2020, S. 48 f., doi:10.1515/9783110623833-003.
- ↑ Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. S. 70.
- ↑ Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. S. 68.