Puppenhaus Lindow (Mark)

Das Wohnhaus Straße des Friedens 16 in Lindow (Mark) ist ein Zeugnis spätklassizistischer Bürgerhausarchitektur im Ruppiner Land. Es prägt durch sein Äußeres wesentlich das Lindower Stadtbild.[1] Seine Fassadengestaltung erinnert an Schlossarchitektur. Die Ausstattung ist Ausdruck eines in Lindow bis dahin unbekannten großbürgerlichen Repräsentationsanspruchs. Es ist ein früher dreigeschossiger Wohn- und Geschäftsbau in der Region.

Das Haus ist im Kern ein zweigeschossiger Massivbau des frühen 19. Jahrhunderts. 1873 wurde es für Dr. W. Richter durch Maurermeister Drescher um ein Geschoss aufgestockt und mit einer repräsentativen spätklassizistischen Fassade versehen. Das Erdgeschoss ist durch Putznutungen und kräftiges Gurtgesims als Sockelgeschoss ausgebildet. In der Mitte befindet sich ein zweiflügelides Durchfahrtstor. Die beiden Obergeschosse sind durch vier korinthische Kolossalpilaster gestalterisch zusammengefasst.

Das Hausinnere ist vom Umbau 1873 geprägt. Lediglich der gewölbte Keller unter dem linken Hausteil ist als ältere Bausubstanz erkennbar. Die Tordurchfahrt ist gefliest. Hinten nach links eingerückt befindet sich eine Holztreppe mit Traljengeländer. Vor allem in den Obergeschossen sind die Grundrissstruktur und Ausstattung des 19. Jahrhunderts erkennbar. Die Türen sind erhalten.

Der Hof ist von drei ein- bis zweigeschossigen massiven Wirtschaftsgebäuden winkelförmig umschlossen. Auf dem Dach des hinteren Gebäudes befinden sich antikisierende Zinkvasen. weitere Hofgebäude wurden um 1900 errichtet.

Über dem Traufgesims befindet sich ein Ziergitter zwischen den auf Postamenten stehenden vier weiblichen Musenfiguren in antiker Haltung (v. l. n. r. (vermutlich) Polyhymnia, Urania, Kalliope und Euterpe). Daher wird das Haus im Volksmund als Puppenhaus bezeichnet.

Das Haus steht unter Denkmalschutz.

Einzelnachweise

  1. Ulrike Schwarz und Matthias Metzler: Denkmale in Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin. In: Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1. Auflage. Band 13.2. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2003, ISBN 3-88462-191-2, S. 85.

Koordinaten: 52° 58′ 12,8″ N, 12° 59′ 15,1″ O