Punch and Judy

Punch and Judy (englisch) ist ein in England sehr bekanntes, traditionelles, dem deutschen Kaspertheater ähnelndes, meist mit Handpuppen gespieltes Puppentheater. Es wird oft mit der traditionellen englischen Küstenkultur verbunden (traditional English seaside culture). Die Hauptfiguren sind Mr. Punch und seine Frau Judy.

Die Aufführung beginnt traditionell damit, dass Mr. Punch von Judy gebeten wird, auf das gemeinsame Kind aufzupassen, welches ihm aber die Treppe (bzw. dem Bühnenrand) hinunter fällt. Judy schimpft ihn und wird daraufhin ebenfalls von Mr. Punch verprügelt oder sogar erschlagen. Es kommt zu einer Folge kurzer Szenen, die das Wechselspiel zwischen zwei Figuren darstellen, typischerweise dem gewalttätigen Punch und einer beliebigen anderen Gestalt: der Polizist etwa will Mr. Punch für die Untaten verhaften und wird ebenfalls erschlagen. Der Clown bringt seinem Freund Mr. Punch eine lange Wurstkette, welche aber bald ein hungriges Krokodil anlockt, dass er verjagen muss (oft kommt stattdessen eine Wurstmaschine zum Einsatz, mit der Mr. Punch eine andere Figur, die gerade den Trichter der Maschine prüft, zur Wurstkette verarbeitet). Der Arzt gibt Mr. Punch, der sich krank (bzw. tot) stellt, von dessen „eigener Medizin“, d. h. er verprügelt Punch mit seinem eigenen Stock. Den Abschluss bildet meist ein Gegenspieler wie bspw. ein Gespenst oder der Teufel, die aber von Punch verprügelt werden. Seltener ist heutzutage der Henker Jim Crow, der Mr. Punch aufhängen soll, doch dieser bittet ihn zu demonstrieren, wie man denn gehängt wird und tötet damit den Henker selbst.

In vielen Ländern gibt es vergleichbare Figuren: Kasper in Deutschland, Guignol in Frankreich, Jan Klaassen in den Niederlanden, Mester Jakel in Dänemark, Pulcinella in Italien, Fasulis in Griechenland, Petruschka (spricht durch eine Pfeife) in Russland und Vasilache in Rumänien.

Das Theater wird meist von einem einzelnen Puppenspieler aufgeführt, der sich in der transportablen Puppenbude hinter der Kulisse versteckt. Dieser ist seit viktorianischer Zeit als „Professor“ oder „Punchman“ bekannt und wird manchmal begleitet von einem „Bottler“ (von englisch bottle „Flasche“), der das Publikum vor der Bude einzäunt, in die Vorstellung einführt und das Geld einsammelt (z. B. mit einer Flasche). Der Bottler kann auch Begleitmusik oder Klangeffekte spielen, Rücksprache mit den Puppen halten und manchmal Text wiederholen, der für die Zuschauer schwer zu verstehen war.

Früher waren Trommel und Panflöte die Instrumente der Wahl, heute wird auch das Publikum mit einbezogen, wenn es z. B. darum geht, die Puppen-Figuren vor Gefahr zu warnen, die hinter ihrem Rücken herannaht.

Neil Gaiman veröffentlichte 1994 die Geschichte The Tragical Comedy or Comical Tragedy of Mr. Punch. Sie handelt von einem Mann, der auf eine Kindheit voller Tragödien und unbeantworteter Fragen zurückblickt und immer wieder Parallelen zu dem Puppentheater von Punch und Judy zieht, das ebenfalls eine große Rolle in der Kindheit der Hauptfigur spielte.

Harrison Birtwistles Oper Punch and Judy (1967) wurde 1968 beim englischen Aldeburgh Festival uraufgeführt.

Die Musikgruppe Marillion veröffentlichte das Lied Punch and Judy auf ihrem 1984 erschienenen Album Fugazi.

Literatur

  • Rodney P. Carlisle: Encyclopedia of Play in Today’s Society, Band 2, SAGE, 2009, S. 4584–4585
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