Pulchriphyllium bioculatum

Pulchriphyllium bioculatum

Pulchriphyllium bioculatum, Weibchen

Systematik
Unterstamm: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Familie: Wandelnde Blätter (Phylliidae)
Gattung: Pulchriphyllium
Art: Pulchriphyllium bioculatum
Wissenschaftlicher Name
Pulchriphyllium bioculatum
(Gray, G. R., 1832)

Pulchriphyllium bioculatum (Syn. Phyllium (Pulchriphyllium) bioculatum, Nomen oblitum Phyllium longicorne Latreille, 1802[1]) ist die erste in Terrarien gehaltene Art der Wandelnden Blätter (Phylliidae). Sie wurde bereits vor über 100 Jahren erfolgreich in Deutschland gehalten und gehört zu den bekanntesten Arten der Ordnung der Gespenstschrecken (Phasmatodea) überhaupt.

Merkmale

Die Tiere sind je nach ihrer Herkunft und den klimatischen Bedingungen ihres Lebensraums hinsichtlich Körperform und Färbung sehr variabel. So gibt es Individuen, die grün, gelb, braun oder rötlich gesprenkelt oder fast einfarbig sind. Auch die Form und Größe des Hinterleibs und der blattartigen Verbreiterungen (Loben) an den Gliedmaßen variieren sehr stark. Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von 67 bis 94 Millimetern, die Männchen bleiben mit 50 bis 68 Millimetern deutlich kleiner. Bei den adulten weiblichen Tieren sind nur die Vorderflügel voll ausgebildet. Männchen haben kurze Vorderflügel und voll entwickelte, transparente Hinterflügel. Charakteristisch für die Männchen sind die stets braun gefärbten Schenkel und Schienen des mittleren Beinpaares. Auch die Vorder- und Hinterbeine weisen an diesen Gliedern je nach Herkunft unterschiedlich ausgeprägte braune Areale auf.[2]

Systematik

Die Art wurde 1832 von George Robert Gray als Phyllium bioculatum beschrieben. Als Holotypus ist ein Männchen im Oxford University Museum of Natural History hinterlegt. Daten zu dessen Fundort oder Sammelzeitpunkt sind nicht bekannt. Die Art wurde seit 1904 der 1898 von Griffini aufgestellten Untergattung Pulchriphyllium zugeordnet. Seit 2021 hat diese Untergattung den Status einer Gattung, wodurch aus Phyllium (Pulchriphyllium) bioculatum Pulchriphyllium bioculatum wurde. Die Unterteilung in verschiedene Unterarten bzw. Zuordnung anderer Arten als Synonyme variierte in der Vergangenheit stark.[2]

Phyllium pulchrifolium (heute Pulchriphyllium pulchrifolium (Audinet-Serville, 1838)) aus Java und Sumatra wurde zwischen 1999 und 2018 als Synonym oder Unterart von Pulchriphyllium bioculatum angesehen. Erst 2018 wurde sie von Francis Seow-Choen revalidisiert. Deren Synonym Phyllium magdelainei Lucas, 1857, wurde dadurch zwischen 1976 und 2018 ebenfalls zeitweilig als Synonym zu Phyllium bioculatum angesehen.

Phyllium agathyrsus (heute Pulchriphyllium agathyrsus (Gray, G. R., 1843)) aus Sri Lanka galt von 1906 bis 2018 je nach Autor entweder als eigenständige Art oder Synonym zu Pulchriphyllium bioculatum bzw. Pulchriphyllium pulchrifolium.

Phyllium scythe (heute Pulchriphyllium scythe (Gray, G. R., 1843)) aus Bangladesch und Phyllium crurifolium (heute Pulchriphyllium crurifolium (Audinet-Serville, 1838)) von den Seychellen wurden zwischen 1995 und 2023 als Synonyme oder Unterarten zu Phyllium bioculatum angesehen. Die zu Pulchriphyllium crurifolium gehörigen Synonyme Phyllium dardanus Westwood, 1859 und Phyllium gelonus Gray, G. R., 1843 wurde deshalb ebenfalls zeitweilig Pulchriphyllium bioculatum zugeordnet.

Von 2023 bis 2025 wurden Pulchriphyllium bioculatum weder Unterarten noch Synonyme zugeordnet.[3] Seit 2025 wird der Art die von Pierre André Latreille 1802 beschriebene Phyllium longicorne als Nomen oblitum zugeordnet.[1]

Frank H. Hennemann et al. haben 2009 vorgeschlagen, unterhalb der Gattungen bzw. damaligen Untergattungen eine Einteilung in Artengruppen vorzunehmen. Für Pulchriphyllium bioculatum wird hier die bioculatum-Artengruppe vorgeschlagen, der neben dieser selbst auch noch Pulchriphyllium agathyrsus, Pulchriphyllium giganteum, Pulchriphyllium pulchrifolium, sowie Pulchriphyllium sinense zugeordnet werden müssen.[4]

Verbreitung

Durch die frühere Zuordnung der nun eigenständigen Arten Pulchriphyllium pulchrifolium, Pulchriphyllium scythe und Pulchriphyllium crurifolium wurde von einem sehr großen Verbreitungsgebiet ausgegangen. Es sollte im Westen bis auf die Seychellen und nach Mauritius, im Osten beziehungsweise Süden bis nach Malaysia, Sumatra und Java und im Norden über Indien, Sri Lanka bis nach China reichen.[2] Die nun Pulchriphyllium bioculatum zugeordneten Tiere sind lediglich auf Sumatra und den Sumatra vorgelagerten Inseln einschließlich Bangka und Belitung, sowie auf dem südlichen Teil der Malaiische Halbinsel, also der Malakka-Halbinsel verbreitet.[5]

Haltung im Terrarium

Pulchriphyllium bioculatum stellt an die Haltung im Terrarium ähnliche Ansprüche wie die übrigen gehaltenen Arten der Wandelnden Blätter. Allerdings ist für eine erfolgreiche Zucht hier besonders auf die Einhaltung der klimatischen Bedingungen zu achten. Wichtig für eine erfolgreiche Zeitigung der Eier und das Überleben gerade der frisch geschlüpften Nymphen ist neben einer Temperatur von 24 bis 28 °C und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 75 und 80 Prozent eine ausreichende Frischluftzufuhr, welche sich über einen kleinen Lüfter oder Ventilator erreichen lässt.

Als Futter eignen sich die belaubten Zweige von Brombeeren, Himbeeren, Rosen und Eichen ebenso wie die von Guaven, auf denen die Art schon Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich in Deutschland gehalten wurde.[6]

Von der Phasmid Study Group wurden in der Vergangenheit drei bis vier Stämme gelistet, die dieser Art zugeordnet worden sind. Eine aus Java stammende Form wurde in den 1970er Jahren eingeführt. Sie wird unter der PSG-Nummer 10 geführt und von einigen Autoren als Phyllium bioculatum var. pulchrifolium bezeichnet. Heute wird sie Pulchriphyllium pulchrifolium zugeordnet. Eine Ende der 1970er Jahre aus Sri Lanka eingeführte Form wird unter der PSG Nr. 59 geführt. Dieser Zuchtstamm, deren Vertreter stellenweise als Phyllium bioculatum var. agathyrsus bezeichnet wurden, ist nicht mehr in Zucht. Da er aus Sri Lanka stammt, dürfte es sich bei diesem Stamm um Pulchriphyllium agathyrsus gehandelt haben. Eine dritte, gelegentlich ebenfalls als Phyllium agathyrsus angesprochene Form wurde wenig später, nämlich Anfang der 1980er Jahre aus Westmalaysia, genauer aus Tapah Hills eingeführt. Sie wird heute als Pulchriphyllium bioculatum unter der Nummer 60 geführt. Ein weiterer unter der Nummer 77 gelisteter, Mitte der 1980er Jahre aus Westmalaysia importierter Zuchtstamm wird ebenfalls zu Pulchriphyllium bioculatum gezählt. Er gilt als erlöschen. Die Eier dieses Zuchtstammes unterschieden sich sowohl von denen des unter Nummer 59 geführten Zuchtstammes von Pulchriphyllium pulchrifolium aus Java als auch von denen der ebenfalls aus Westmalaysia stammenden Tiere die als Pulchriphyllium bioculatum unter der Nummer 60 geführt werden. Laut PSG Liste werden der vermutlich erloschene Zuchtstamm mit der PSG Nr. 59 aus Sri Lanka, als auch die Zuchtstämme aus Tapah Hills (PSG Nr. 60) und Westmalaysia (PSG Nr. 77) Phyllium bioculatum zugeordnet.[7][8]

Einzelnachweise

  1. a b Royce T. Cumming, Evelyn Marie Foley, Frank H. Hennemann, Stephane Le Tirant, Daawia, Evie Lilly Warikar, Heron Yando, Bambang Suhartawan, Katharina Henze, Thies H. Büscher & Sarah Bank: A deeper look into the diversity of Phyllium leaf insects from Indonesia: seven new species and two unique egg morphologies (Phasmatodea, Phylliidae). ZooKeys 1256, 2025, S. 317–370, doi:10.3897/zookeys.1256.162609
  2. a b c Detlef Größer: Wandelnde Blätter, Edition Chimaira, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-930612-46-8
  3. Paul D. Brock, Thies H. Büscher & Edward W. Baker: Phasmida Species File Online old. Version 5.0/5.0 (abgerufen am 4. August 2023)
  4. Frank H. Hennemann, Oskar V. Conle, Marco Gottardo & Joachim Bresseel: Zootaxa 2322: On certain species of the genus Phyllium Illiger, 1798, with proposals for an intra-generic systematization and the descriptions of five new species from the Philippines and Palawan (Phasmatodea: Phylliidae: Phylliinae: Phylliini), S. 63, Magnolia Press, Auckland, New Zealand 2009, ISSN 1175-5326
  5. Paul D. Brock, Thies H. Büscher & Edward W. Baker: Phasmida Species File Online. (abgerufen am 9. November 2025)
  6. Christoph Seiler, Sven Bradler, Rainer Koch: Phasmiden – Pflege und Zucht von Gespenstschrecken, Stabschrecken und Wandelnden Blättern im Terrarium – bede, Ruhmannsfelden 2000. ISBN 3-933646-89-8
  7. PSG Culture List auf der Website der Phasmid Study Group (englisch), abgerufen am 9. November 2025
  8. Phasmatodea Seite von Oskar V. Conle und Frank H. Hennemann (Memento des Originals vom 2. Mai 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.phasmatodea.com