Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park
Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park
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Rekonstruiertes Hale o Keawe | ||
| Lage | Hōnaunau | |
| Fläche | 1.7[1] | |
| WDPA-ID | 999913 | |
| Geographische Lage | 19° 25′ N, 155° 55′ W | |
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| Einrichtungsdatum | 26. Juli 1955 | |
Der „Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park“ ist ein US-amerikanischer National Historical Park an der Westküste der Insel Hawaiʻi im US-Bundesstaat Hawaii.
Der Park umfasst das Gebiet des Zufluchtsortes puʻuhonua, das Gebiet der königlichen Ländereien und weitere archäologische Stätten, zu denen unter anderem Tempelplattformen (heiau), Fischteiche, Bahnen für Schlittenwettbewerbe (Papa hōlua) und einige Küstendörfer gehören. Der Hale o Keawe-Tempel und mehrere mit Blättern gedeckte Bauten wurden rekonstruiert.[2]
Name und Bedeutung
Das 1,7 km2 große Gelände wurde ursprünglich 1955 als City of Refuge National Historical Park gegründet und am 10. November 1978 umbenannt. Im Jahr 2000 wurde der Name durch den Hawaiian National Park Language Correction Act of 2000 geändert, wobei die hawaiische Schreibweise beachtet wurde.[3]
Die Bezeichnung Puʻuhonua o Hōnaunau setzt sich aus puʻuhonua (Zufluchtsort, auch „Ort des Friedens und der Sicherheit“)[4] und dem Namen des Ortes Hōnaunau[5] zusammen.
Der nationale historische Park bewahrt den Ort, an dem bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Hawaiier, die gegen ein Kapu (Verbot) in der traditionellen Rechtsordnung (kānāwai)[6] verstoßen hatten, dem sicheren Tod entgehen konnten, indem sie an diesen Zufluchtsort oder „Puʻuhonua“ flohen. Dort konnten sie sich aufhalten und ihnen wurde Vergebung gewährt. Anschließend durften sie den Ort ungefährdet verlassen. Auch besiegte Krieger und Nichtkombattanten konnten hier in Zeiten der Schlacht Zuflucht finden.[7] Das Gelände außerhalb der „Großen Mauer“, die den Puʻuhonua zur Landseite begrenzt, war die Heimat mehrerer Generationen mächtiger Häuptlinge.
Puʻuhonua o Hōnaunau ist einer von nur vier Orten in Hawaii, an denen die Flagge von Hawaii offiziell ohne die amerikanische Flagge allein wehen darf; die anderen drei Orte sind der ʻIolani-Palast, das königliche Mausoleum Mauna ʻAla und der Thomas Square.[8][9]
Puʻuhonua
Die Zufluchtsstätte (puʻuhonua) selbst befindet sich auf der westlichen Spitze der Halbinsel, die südlich die Bucht von Hōnaunau begrenzt. Die L-förmige „Große Mauer“ (pā puʻuhonua)[10] trennt den puʻuhonua im Osten von den königlichen Ländereien und im Süden vom weiteren Küstenverlauf in Richtung der Alahaka-Bucht.[11] Sie ist mehr als 5 Meter breit, über 3,5 Meter hoch, etwa 300 Meter lang[12.1] und schließt den rekonstruierten Hale o Keawe Heiau sowie die Plattformen des ʻĀleʻaleʻa Heiau und des Alten Heiau ein.[7]
Die Methode der Radiokarbondatierung wurde in diesem Gebiet noch nicht umfassend angewendet. Die Untersuchung der nahe gelegenen Stätte des ʻĀleʻaleʻa Heiau lieferte irreführende Ergebnisse. Die von Dorothy Barrère zusammengestellten mündlichen Überlieferungen gelten nach wie vor als die beste Quelle für die chronologische Reihenfolge des umliegenden Komplexes.[13][14]
Hale o Keawe Heiau
Hale o Keawe war ein alter hawaiischer Heiau am nördlichen Ende der „Großen Mauer“ und damit nahe der königlichen Ländereien auf der Ostseite der Mauer. Er wurde ursprünglich um 1650 n. Chr. als Grabstätte für den herrschenden König (aliʻi nui) der Insel Hawaiʻi namens Keaweʻīkekahialiʻiokamoku erbaut.[14][15][16] Weil sich Hawaiʻi in seiner Herrschaftszeit einer Zeit des Friedens und Wohlstands erfreuen konnte, erhielt die Insel den Beinamen Ka Moku o Keawe (Die Insel des Keawe), der noch heute vor allem in poetischen Texten und Liedern verwendet wird.[12.2]
Bauherr war sein Sohn Kanuha, der seinen Sitz als aliʻi in Kailua hatte. Es ist aber auch möglich, dass der Komplex bereits um 1475 unter dem aliʻi nui ʻEhukaimalino errichtet worden war.[12.3] Die Adligen (aliʻi) von Kona wurden bis zur Abschaffung des Kapu-Systems in der Folgezeit hier beigesetzt. Kaʻoleiokū, ein Sohn von Kamehameha I. und Großvater von Bernice Pauahi Bishop war der letzte Angehörige einer aliʻi-Familie, der hier 1818 seine Ruhestätte erhielt.[12.4]
1823 beschrieb William Ellis das Haus (hale) als 24 Fuß langes und 16 Fuß breites Gebäude, das mit ti-Blättern[17] gedeckt war. Der Boden um das Haus war mit glatten Lavablöcken gepflastert und die Plattform war mit Palmenstämmen eingezäunt. Überall außerhalb und innerhalb des Gebäudes befanden sich hölzerne Statuen (kiʻi).[18][12.5]
Das Gelände des Heiau wurde 1825 von Lord George Anson Byron (1789–1868), dem Cousin des berühmten englischen Dichters, ausgeraubt.[19] Daran beteiligt waren auch weitere Offiziere der HMS Blonde, die den 1824 in London verstorbenen König Liholiho und seine Gemahlin Kamāmalu in das Königreich Hawaiʻi zurückgebracht hatten. Auf diese Weise gelangten verschiedene Gegenstände in öffentliche und private Sammlungen in Europa und in den USA.[12.5]
Der Heiau enthielt nach den Angaben des Missionars Levi Chamberlain die menschlichen Überreste von 23 Personen,[12.5] darunter auch die von Keaweʻīkekahialiʻiokamoku. Während alle anderen Tempelanlagen dieser Art zerstört wurden, blieb dieser Heiau nach der Abschaffung der hawaiischen Religion durch Kamehameha II. Liholiho im Jahre 1819 unberührt. Man glaubte, dass der Zufluchtsort durch das Mana in den Gebeinen der Häuptlinge zusätzlichen Schutz erhielt. Er überstand daher noch mehrere Jahre, nachdem andere Tempelanlagen bereits zerstört worden waren und wurde weiter als eine Art Mausoleum verehrt.[12.5]
Im Jahr 1829 ließ die Regentin Kaʻahumanu die Gebeine der 23 hohen Aliʻi nach Kaʻawaloa[20] in eine Grabhöhle in den Klippen von „Pali Kapu O Keōua“ oberhalb der nahe gelegenen Kealakekua Bay verstecken. Die Überreste von Kriegern wurden verbrannt.[12.5] Anschließend ordnete sie an, mit dem Hale o Keawe diesen letzten Heiau zu zerstören. Die Gebeine der hohen Aliʻi wurden später im Jahr 1858 in das königliche Mausoleum Mauna ʻAla in Honolulu überführt.[21][22]
Der Heiau mit dem Hale o Keawe wurde in den 1960er Jahren rekonstruiert.[23]
ʻĀleʻaleʻa Heiau und Keōua-Stein
Die 127 Fuß lange und 60 Fuß breite Plattform des ʻĀleʻaleʻa Heiau ist durchschnittlich 8 Fuß hoch. 1963 wurden bei Arbeiten zur Stabilisierung sieben Bauphasen festgestellt, deren älteste ein- bis zweihundert Jahre älter ist als der Alte Heiau, der bis dahin für die älteste Heiau-Anlage gehalten worden war.[12.1]
Unweit der Plattform liegt der teilweise behauene Keōua-Stein. An den fast 14 Fuß langen Stein knüpfen sich eine Reihe von Legenden. Benannt ist er nach Keōua, einem bedeutenden Aliʻi von Kona, der möglicherweise den Stein mit einem Verbot (kapu) belegt hatte, um ihn für sich nutzen zu können.[12.6]
Königliche Ländereien
Östlich an den Puʻuhonua schließen sich die königlichen Ländereien an, auf denen sich Residenzen von Aliʻi und zeremonielle Bauten befanden. An den nördlichen, östlichen und südlichen Grenzen des Geländes befinden sich Vertiefungen, in denen möglicherweise Pūloʻuloʻu aufgestellt wurden, um den königlichen Bereich zu markieren.
Landeplatz für königliche Kanus war die Anlegestelle Keoneʻele. In der Nähe befand sich das „Hale o Lono“, das im frühen 19. Jahrhundert von einer Flutwelle zerstört wurde.
Die Heleipālala-Teiche dienten der Versorgung mit Fischen.[24]
Weitere Stätten
Im Park befinden sich neben dem verlassenes Bauern- und Fischerdorf Kiʻilae[25] auch drei kahua hōlua,[26] d. h. Standorte von Rampen, an denen der den Aliʻi vorbehaltene Sport mit dem papa hōlua (Schlitten) ausgeübt wurde.[27][12.7]
Siehe auch
Literatur
- Ward, Greg. 2004, The Rough Guide to Hawaii. Rough Guides.
Weblinks
- Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park Offizielle Webseite National Park Service (englisch)
- Fly-through of Pu'uhonua o Honaunau NHP, Honaunau, HI auf YouTube, 11. Januar 2016, abgerufen am 1. Dezember 2025.
- Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park. In: Geographic Names Information System. United States Geological Survey, United States Department of the Interior (englisch).
- Photo essay on residences of Hawaiian Kings
- Go Hawaii article about the park with photos(archived)
Einzelnachweise
- ↑ Geology of Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park. In: www.usgs.gov. Abgerufen am 13. September 2022.
- ↑ „Park Brochure - Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park (U.S. National Park Service)“. Zugegriffen am 1. Dezember 2025. https://www.nps.gov/puho/planyourvisit/parkbrochure.htm. (englisch)
- ↑ Hawaiian National Park Language Correction Act of 2000 (S.939). In: Govtrack.us. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ puʻuhonua. In: Hawaiian Dictionaries.
- ↑ Hōnaunau. In: Place Names of Hawaiʻi.
- ↑ kānāwai. In: Hawaiian Dictionaries.
- ↑ a b „Puʻuhonua o Hōnaunau - Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park (U.S. National Park Service)“. Zugegriffen am 1. Dezember 2025. https://www.nps.gov/puho/learn/historyculture/puuhonua-o-honaunau.htm.
- ↑ John Clark: The Kamehameha III Statue in Thomas Square. In: The Hawaiian Journal of History. 53. Jahrgang. Hawaiian Historical Society, 2019, ISSN 2169-7639, OCLC 60626541, S. 147–149, doi:10.1353/hjh.2019.0008 (englisch, jhu.edu).
- ↑ Landry Fuller: Flying high In: West Hawaii Today, Oahu Publications, Inc., 2. August 2016. Abgerufen am 1. April 2020 (englisch).
- ↑ pā. In: Hawaiian Dictionaries.
- ↑ Alahaka. In: Place Names of Hawaiʻi.
- ↑ Dorothy B. Barrère: „Tracing the Past at Hōnaunau“. Hawaiʻi Natural History Association, 1994.
- ↑ Patrick Vinton Kirch: Legacy of the Landscape: An Illustrated Guide to Hawaiian Archaeological Sites. University of Hawaii Press, 1996, ISBN 978-0-8248-1739-8, S. 46 (englisch, google.com).
- ↑ a b Patrick Vinton Kirch: Feathered Gods and Fishhooks: An Introduction to Hawaiian Archaeology and Prehistory. University of Hawaii Press, 1997, ISBN 978-0-8248-1938-5, S. 162 (englisch, google.com).
- ↑ Pu'uhonua-o-Honaunau, City of Refuge National Historic Park, Natural and Cultural Resources Management Plan and Environmental Assessment (EA). 1976, S. 25–26 (englisch, google.com).
- ↑ Ala Kahakai National Trail, Hawaii County: Umweltverträglichkeitserklärung. 1998, S. 1 (englisch, google.com).
- ↑ Keulenlilien (Cordyline fruticosa), vgl. ti. In: Hawaiian Dictionaries.
- ↑ kiʻi. In: Hawaiian Dictionaries.
- ↑ Rowland Bloxam: Visit of H.M.S. Blonde to Hawaii in 1825. In: All About Hawaii: Thrum's Hawaiian Annual and Standard Guide. Thomas G. Thrum, Honolulu, 1920, S. 66–82 (englisch, google.com).
- ↑ Kaʻawaloa. In: Place Names of Hawaiʻi.
- ↑ Robert F. Oaks: Hawai'i: A History of the Big Island. Arcadia Publishing, 2003, ISBN 978-1-4396-1403-7, S. 22 (englisch, google.com).
- ↑ William DeWitt Alexander: The "Hale o Keawe" at Honaunau, Hawaii. In: Journal of the Polynesian Society. 3. Jahrgang. E. A. Petherick, London 1894, S. 159–161 (englisch, google.com).
- ↑ Hale o Keawe - Puʻuhonua o Hōnaunau National Historical Park (U.S. National Park Service). In: www.nps.gov. Abgerufen am 6. November 2021 (englisch).
- ↑ Royal Grounds
- ↑ Kiʻilae. In: Place Names of Hawaiʻi.
- ↑ kahua. In: Hawaiian Dictionaries.; hōlua. In: Hawaiian Dictionaries.
- ↑ History & Culture