Przewóz (Studzienice)

Przewóz
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Przewóz
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Studzienice
Geographische Lage: 54° 4′ N, 17° 33′ O
Einwohner:

Przewóz (deutsch Pschywors, früher Przywos, ab 24. Januar 1934 Adolfsheide) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Studzienice im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage

Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa 13 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Bytów, sechs Kilometer nordwestlich des Kirchdorfs Sominy und 3,5 Kilometer südsüdwestlich des Dorfs Studzienice.

Westlich grenzt das Dorf an den Ulrichsdorfer See (früher Klonschener See genannt).

Geschichte

Adolfsheide und der südlich davon gelegene zugehörige Wohnplatz Prondsonka waren in älterer Zeit eigenständige Dörfer. Um 1628 gehörten beide zum fürstlichen Domänenamt Butaw und wurden Newen Klontzen (Neu Klonschen, später Pschywors genannt) bzw. Pronsoncke genannt.[1] Zur Zeit der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Butaw am 18. Juni 1658 und davor hatte Prſywors oder Neuw Klontzen vier sogenannte Lehnleute, die jährlich 24 Florin in polnischer Münze zahlten, und in Prondſonke waren ebenfalls keine Bauern oder Untertanen vorhanden, sondern zwei Freie, die gleichfalls pro Jahr 24 Florin in polnischer Münze abgaben und außerdem einen zusätzlichen Betrag wegen der Fischerei-Rechte.[2] Im Jahr 1662 bestanden in Prſyworß vier Höfe, die 90 Florin an das Bütower Schloss abführten und an die Schlossfreiheit außerdem zum Bierbrauen zwölf Scheffel Gerste und vier Scheffel Hopfen. Ansonsten waren ihnen keine Dienstpflichten auferlegt, doch mussten sie im Bedarfsfall wie die Schulzen zu Pferde mit Gewehr dem Schloss dienen; Ähnliches galt für zwei Freie in Prondſonke.[3]

Um 1782 hatte Przywos einen Lehnschulzen und zwei Lehnleute, die ihre Gebäude eigentümlich besaßen, sowie sechs Feuerstellen (Haushaltungen), und Prondſonke hatte zwei Höfe, die von Teerbrennern bewohnt wurden, sowie drei Feuerstellem.[4] 1827 wird Prondſonke als Vorwerk von Przywos bezeichnet.[5] Bei Prondsonka befand sich ein königliches Fort-Revier mit vorwiegend Nadelhölzern.[6]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 877,4 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Pschywors 41 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 34 Pferde, 115 Stück Rindvieh, 64 Schafe und 211 Stück Borstenvieh hielten.[7]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste der Wohnplatz Prondsonka am 10. Januar 1920 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am Polen abgetreten werden.[8][9]

Am 24. Januar 1934 wurde die Gemeinde Pschywors in Adolfsheide umbenannt.[8]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Adolfsheide eine Flächengröße von 5,9 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 26 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnplätzen:[10]

  1. Adolfsheide
  2. Rinsch

Bis 1945 bildete Adolfsheide eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Adolfsheide war dem Amtsbezirk Stüdnitz zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Stüdnitz.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Adolfsheide zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wanderten Polen zu, und die einheimische Bevölkerung wurde von der polnischen Administration bis auf den polnischen Bevölkerungsanteil aus Adolfsheide vertrieben. Der Ortsname Pschywors wurde zu „Przewóz“ polonisiert.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 Dorf, mit einem Lehnschulzen und zwei Lehnleuten, denen ihre Gebäude eigentümlich gehören, und sechs Feuerstellen (Haushaltungen), zum königlichen Domänenamt Bütow gehörig, eingepfarrt zu der römisch-katholischen Kirche in Stüdnitz[4]
1818 34 Dorf, adelige Besitzung, zum Kirchspiel Bernsdorf gehörig[11]
1825 47 Dorf, mit dem Vorwerk Prondsonke[5]
1846 112 Dorf[12]
1852 132 Dorf[13]
1855 160 am Jahresende, sämtlich Katholiken[14]
1864 205 am 3. Dezember, Gemeindebezirk[15]
1867 200 am 3. Dezember, Landgemeinde[16]
1871 170 am 1. Dezember, davon fünf Evangelische und 165 Katholiken[16]
1885 237 am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich Katholiken[17]
1895 259 am 2. Dezember, Landgemeinde, sämtlich Katholiken[18]
1905 252 am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich Katholiken, davon vier mit deutscher und 248 mit polnischer Muttersprache[19]
1910 282 am 1. Dezember[20]
1925 189 Landgemeinde, in 39 Haushaltungen, darunter 13 Evangelische und 176 Katholiken[10][21]
1933 247 [21]
1939 235 [21]

Kirche

Kirchspiel bis 1945

In Adolfsheide bildeten Katholiken die Bevölkerungsmehrheit. Das katholische Kirchspiel war in Bernsdorf.

Die evangelische Christen waren nach Sommin eingepfarrt.

Polnisches Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Literatur

  • Pschywors, Dorf und Landgemeinde, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).
  • Klonschen, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Klonschen (Klonczen), Pschywors (Przywos, am Klonczener See gegenüber Klonczen) und dem Wohnplatz Prondsonke (Prondzonka, südlich von Klonczen) (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1058, Nr. (28) und Nr. (27) (Google Books).
Commons: Przewóz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 295, Nr. 146 (Google Books).
  2. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 28–29, Nr. 12 und Nr. 16 (Google Books).
  3. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 32–33, Nr. 3–4 (Google Books).
  4. a b Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1058, Nr. (28) und Nr. (27) (Google Books).
  5. a b Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 287, Ziffer 24 (Google Books).
  6. Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Druck von B. Lilienthal, Bütow 1858, S. 15 (Google Books).
  7. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 35 (Google Books).
  8. a b Amtsbezirk Stüdnitz (Territorial.de)
  9. Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Adolfsheide (bis 1934 Pschywors) (buetow-pommern.info)
  10. a b Die Gemeinde Adolfsheide im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
  11. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 90, Ziffer 3250 (Google Books).
  12. Bütower Kreisblatt, No. 3, Bütow, 17. Januar 1849, S. 11–12, Einwohner-Tabelle, Ziffer 42 (bibliotekacyfrowa.eu, PDF)
  13. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 488 (Google Books).
  14. Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 11 (Google Books)
  15. Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 10–17, Ziffer 47 (Google Books).
  16. a b Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 174–175, Ziffer 30 (Google Books).
  17. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 192–193, Ziffer 35 (Google Books).
  18. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 196–197, Ziffer 35 (Google Books).
  19. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für die Provinz Pommern. Auf Grund von Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1908, 4. Kreis Bütow, S. 18–19, Ziffer 35 (pbc.gda.pl).
  20. Pschywors, Dorf und Landgemeinde, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).
  21. a b c Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.