Proteste in Madagaskar 2025

Die Proteste in Madagaskar 2025 waren eine landesweite soziale und politische Bewegung in Madagaskar, die im September 2025 begann und sich gegen wiederkehrende Versorgungsengpässe, Korruption und autoritäre Regierungspraktiken richtete. Ausgelöst vor allem durch anhaltende Strom- und Wasserknappheit in der Hauptstadt Antananarivo mobilisierte die junge Generation breit angelegte Proteste im Land gegen Präsident Andry Rajoelina und seine Regierung. Die Regierung versuchte zunächst, die Proteste gewaltsam niederzuschlagen, wodurch es zu mindestens 22 Toten und zahlreichen Verletzten kam. Im Oktober 2025 griffen dann die Streitkräfte Madagaskars ein, was zur Absetzung der Regierung sowie zum Machtwechsel führte.

Die Proteste werden genau so wie ähnliche Proteste in anderen Ländern weltweit als Gen-Z-Proteste bezeichnet.

Hintergrund

Das Medianalter der Bevölkerung Madagaskars mit rund 30 Mio. Einwohnern (2023[1]) liegt bei geschätzten 21,3 Jahren (2024[2]). Der monatliche Mindestlohn beläuft sich umgerechnet auf rund 50 Euro (2024[3]). Trotz seiner reichen Rohstoffvorkommen[4] rangiert der Inselstaat im Jahr 2024 inflationsbereinigt und unter Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten auf Platz 10 der Länder mit dem höchsten Anteil an extrem armen Menschen.[5][6] Etwa 75 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.[7]

Die Infrastruktur der Hauptstadt Antananarivo und anderer großer Städte ist seit Jahren marode,[8] mit wiederkehrenden und teils mehr als zwölf Stunden dauernden Stromausfällen sowie Problemen bei der Wasserversorgung. Die Bevölkerung kritisiert seit Langem die verbreitete Korruption und eine politische Klasse, die wirtschaftliche Interessen über soziale Belange stellt.[8][9]

Auslöser und Verlauf der Proteste

Die landesweiten Proteste in Madagaskar begannen am 25. September 2025, als in der Hauptstadt Antananarivo sowie in Provinzstädten Toamasina, Antsirabe, Toliara und Antsiranana Demonstrationen ausbrachen. Die unmittelbaren Auslöser der Proteste waren anhaltende Strom- und Wasserengpässe, die besonders die städtische Bevölkerung schwer belasteten. Zudem waren die politischen Forderungen der Protestierenden weitreichend. Die Jugendbewegung „Gen Z (Proteste) Madagascar“ führte die Demonstrationen an und verlangte nicht nur eine Lösung der Versorgungsprobleme, sondern auch den Rücktritt von Präsident Andry Rajoelina sowie die Auflösung des Senats, des Verfassungsgerichts und der Wahlkommission. Besonders im Visier stand der einflussreiche Geschäftsmann Mamy Ravatomanga, ein enger Verbündeter des Präsidenten.

Am Vortag, dem 24. September, war Rajoelina mit seiner Delegation zu einer Rede bei der 80. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York City abwesend.[10] Dies trug zusätzlich zur Symbolik der Proteste bei. In der Hauptstadt wurde am gleichen Tag das geplante Protestvorhaben durch die lokale Regierung verboten, die befürchtete, es könnten Unruhen entstehen.[11] Trotz des Verbots gingen die Menschen am 25. September auf die Straße und die Demonstrationen nahmen schnell landesweite Ausmaße an.[12]

Bereits am frühen Morgen des 25. Septembers sperrte eine große Einheit der Gendarmerie bestimmte Bereiche von Antananarivo ab, um die Proteste zu unterdrücken, doch dies konnte die Ausbreitung der Unruhen nicht verhindern. Es kam zu wiederholten Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften und den Demonstranten. Nach Angaben der UN wurden mindestens 22 Menschen getötet und über 100 verletzt. Die Protestierenden blockierten Straßen, organisierten Streiks und riefen zu landesweiten Mobilisierungen auf. In einigen Städten kam es zu Plünderungen und Vandalismus, was die allgemeine Unsicherheit weiter verstärkte. Trotz der gewaltsamen Repression durch Polizei und Militär setzten sich die Proteste in mehreren Regionen des Landes fort. Die Proteste waren somit nicht nur eine Reaktion auf die unmittelbaren Versorgungsengpässe, sondern auch Ausdruck eines tiefergehenden Unmuts gegenüber der Regierung und deren Handeln.[13][14]

Politische Reaktionen

Am 29. September 2025 äußerte sich der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte Volker Türk erschüttert über die gewaltsame Reaktion der Sicherheitskräfte auf die anhaltenden Proteste, bei der es mindestens 22 Toten und zahlreichen Verletzten kam.[15]

Am 29. September 2025 reagierte Präsident Rajoelina auf die Proteste mit der Entlassung seiner Regierung. Der langjährige Premierminister Christian Ntsay wurde abgelöst,[16] und am 6. Oktober wurde der Militärgeneral Ruphin Fortunat Dimbisoa Zafisambo als neuer Premierminister ernannt. Diese Maßnahme sollte die Protestbewegung beruhigen und gleichzeitig militärische Rückendeckung für die Regierung sichern. Der Premier erhielt sechs Monate Zeit, um „Ordnung wiederherzustellen“ und das öffentliche Vertrauen zurückzugewinnen.[17]

Militärischer Eingriff und Machtwechsel

In der zweiten Oktoberhälfte 2025 erklärten Teile der Streitkräfte von Madagaskar, insbesondere die Eliteeinheit Capsat unter Oberst Michael Randrianirina, ihre Solidarität mit den Demonstranten und übernahmen faktisch die Kontrolle über das Land.[18] Präsident Rajoelina floh unter ungeklärten Umständen ins Ausland, vermutlich nach Dubai.[19]

Oberst Randrianirina kündigte an, als Übergangspräsident zu fungieren, mit der Verpflichtung, innerhalb von zwei Jahren demokratische Strukturen wiederherzustellen. Die Protestbewegung zeigte sich zwar zunächst erleichtert über den Sturz Rajoelinas, blieb aber skeptisch gegenüber einer möglichen Militärherrschaft.[20][21]

Symbol

Ein Symbol der Proteste, das sich während der Demonstrationen auf den Straßen, auf Fahnen, Transparenten, T-Shirts sowie in Social-Media-Kanälen und in den Medien widerspiegelte, war der Totenkopfschädel einer Piratenflagge mit traditionellem Malagasy-Hut.[22][23][24]

Einzelnachweise

  1. Overview. Abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  2. Madacascar Position 193. Median age Comparison. In: The World Factbook. CIA, abgerufen am 2. November 2025.
  3. Madagascar. In: ILOSTAT. Abgerufen am 2. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. Ressourcenreichtum, Artenvielfalt und eine junge Bevölkerung. Abgerufen am 1. November 2025.
  5. Joe Hasell, Bertha Rohenkohl, Pablo Arriagada, Esteban Ortiz-Ospina, Max Roser: Poverty Madagascar. In: Our World in Data. 17. Oktober 2022 (ourworldindata.org [abgerufen am 5. November 2025]).
  6. Sören Imöhl, Mara Marx, Mark Gilcher: Das sin die ärmsten Länder der Welt nach BIP pro Kopf. In: WirtschaftsWoche. 12. März 2025, abgerufen am 1. November 2025.
  7. AFRIKA/MADAGASKAR - Proteste eskalieren: Demonstranten fordern Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung - Agenzia Fides. In: Agenzia Fides. Abgerufen am 1. November 2025.
  8. a b Turbulente Jahre mit nur langsamen Veränderungen. In: Bmz.de. Abgerufen am 1. November 2025.
  9. Klaus Boldt: Madagaskar: Warum die Gen Z protestiert. In: Epo.de. 3. Oktober 2025, abgerufen am 1. November 2025.
  10. Madagascar - President Addresses General Debate, 80th Session | UN Audiovisual Library. 24. September 2025, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  11. Le Monde Afrique / AFP: A Madagascar, des gaz lacrymogènes envoyés sur des manifestants dénonçant les coupures d’eau et d’électricité. 25. September 2025 (lemonde.fr [abgerufen am 3. November 2025]).
  12. SARAH TÉTAUD Leer en español: Madagascar imposes nighttime curfew after violent protests over water and power cuts. 25. September 2025, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  13. Rédaction Midi Madagasikara: Mouvement « Leo délestage » : Vague de manifestations dans les grandes villes. In: Midi Madagasikara. 26. September 2025, abgerufen am 2. November 2025 (französisch).
  14. Madagaskar: 22 Tote bei Protesten – Präsident entlässt Regierung. In: Der Spiegel. 30. September 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. November 2025]).
  15. Madagascar: UN Human Rights Chief shocked by violent response to electricity and water protests. Abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
  16. deutschlandfunk.de: Madagaskar - Präsident entlässt Regierung nach gewalttätigen Protesten. 30. September 2025, abgerufen am 1. November 2025.
  17. Neuer Premierminister nach Gen-Z-Protesten in Madagaskar – DW – 07.10.2025. Abgerufen am 1. November 2025.
  18. Madagaskar: Armee wendet sich gegen Präsidenten. ORF, 12. Oktober 2025, abgerufen am 1. November 2025.
  19. Dominic Johnson: Militärputsch in Madagaskar: Präsident Rajoelina lässt sich ins Exil fliegen. In: Die Tageszeitung: taz. 14. Oktober 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. November 2025]).
  20. Oberst nach Militärputsch als Präsident von Madagaskar vereidigt. In: Tagesschau.de. Abgerufen am 1. November 2025.
  21. Oberst Randrianirina übernimmt die Führung in Madagaskar – DW – 17.10.2025. Abgerufen am 1. November 2025.
  22. How the ‘One Piece’ manga has become a global symbol of Gen Z revolt. 6. Oktober 2025, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  23. Gen Z in Nepal und Madagaskar: Proteste treffen autokratische Systeme. 17. Oktober 2025, abgerufen am 2. November 2025.
  24. Abschminken statt Schönfärben. 9. Oktober 2025, abgerufen am 2. November 2025 (deutsch).