Projekt Marmor – verdrängt und vergessen

Film
Titel Projekt Marmor – verdrängt und vergessen
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 52 Minuten
Stab
Regie Fynn Prünster, Artur E. Irmler
Drehbuch Fynn Prünster, Artur E. Irmler
Produktion Fynn Prünster, Artur E. Irmler
Musik AREMI (Artur E. Irmler)
Besetzung
  • Lasse Kühlcke: Voice Over
  • Florentin Groll: Voice Over von Jean Germaneau
  • Andreas Steiger
  • Tabeo Mühlenfeld

Projekt Marmor – verdrängt und vergessen ist ein österreichischer Dokumentarfilm der Produzenten und Regisseure Fynn Prünster und Artur E. Irmler aus dem Jahr 2025 über das größte KZ-Außenlager des KZ Mauthausen der Steiermark. Dessen Häftlinge sollten im Rahmen der Untertage-Verlagerung unter dem Decknamen Marmor Waffenfabriken in Stollen der Peggauer Wand schaffen.

Der Film wurde am 29. April 2025 anlässlich des 80-jährigen Endes des Zweiten Weltkriegs in Graz als offizielle Gedenkveranstaltung des österreichischen Mauthausen-Komitees uraufgeführt[1] – im Beisein von Politikern und Vertretern der österreichischen Gedenkkultur wie Thomas Waitz, Helmut Edelmayr, Peter Manfred Harrer und den jeweiligen Grazer Honorarkonsuln der Slowakischen und Kroatischen Republik. Am 8. Mai desselben Jahres wurde der Film auf ORF III ausgestrahlt.[2] Am 21. Mai wurde er im Steiermark-Haus in Brüssel in Anwesenheit von EU-Abgeordneten wie Reinhold Lopatka präsentiert und anschließend über die Wichtigkeit von Gedenkkultur in Europa diskutiert.[3] Das Bundesdenkmalamt der Republik Österreich würdigte im November 2025 den Film bzw. die Produzenten Prünster und Irmler mit der Denkmalschutzmedaille 2025 und lobte ihn als herausragendes Beispiel dafür, wie Erinnerungskultur, digitale Medien und kritische Auseinandersetzung miteinander verbunden werden, um fast vergessene Denkmale sichtbar und erfahrbar zu machen.[4]

Inhalt

Die Dokumentation arbeitet einerseits die grausame Zeit des Lagers und der Häftlinge auf und zeigt, welche menschenverachtenden Bedingungen im Lager herrschten. Parallel wird immer wieder die aktuelle politische Lage rund um den Ort aufgegriffen – einige Politiker und Vertreter der Gedenkpolitik kritisieren den Umgang in Peggau. Dabei beschäftigen sich die Produzenten mit dem Thema "Vergessen", wenn es um Österreichs dunkelstes Kapitel geht. Gezeigt wird, dass nur eine ständige Erinnerung an diese Zeit möglich macht, diese Geschichte sich nicht wiederholen zu lassen. Der Film selbst wird aus einer jüngeren Perspektive erzählt, um das Thema und die Botschaft nahbarer für Jugendliche zu machen.

Peggau ist ein idyllisches Dorf in der Steiermark, bekannt für die Lurgrotte und seine Industrie. In den 1980er-Jahren wurden unter der Erde mehrere Skelette gefunden. Viele Bürger reagierten empört, die Entdecker wurden aufgefordert, die Geschichte ruhen zu lassen. Zwei Jugendliche stoßen auf mysteriöse Höhlen in der Peggauer Wand, die weit in den Berg führen.

Ein Zeitsprung: 1943 wurde das zerstörte Rüstungswerk in Graz-Thondorf unterirdisch nach Peggau verlagert. Dafür entstand ein KZ-Außenlager – das größte der Steiermark. Die später entdeckten Knochen hatten jedoch keinen Zusammenhang mit dem Lager, sondern stammten aus einem Gräberfeld aus dem Frühmittelalter. Die Bürger vermuteten zunächst eine Verbindung zum Außenlager, und forderten auf, die Vergangenheit ruhen zu lassen, was die negative Haltung der Bürger bezüglich der Geschichte zeigte.

Die zwei Jugendlichen erkunden weiter die Gänge, während erzählt wird, dass über mehrere Jahrzehnte an der ehemaligen KZ-Wiese nur ein kleiner Gedenkstein stand, der auch von Neo-Nazis beschmutzt und zerstört wurde. Erst 2006 wurde eine größere Gedenkstätte errichtet und mit Heinz Fischer eingeweiht. Kritiker bemängeln, dass seither nichts Weiteres unternommen wurde. Ein Bericht des Überlebenden Jean Germaneau beschreibt die Zustände im Lager. Bei einer Gedenkfeier werden Konfirmanden von einem Religionslehrer in die Geschichte eingeführt, bevor sie gemeinsam mit dem Pfarrer Rosen niederlegen.

Die Jugendlichen entdecken Spuren der Häftlinge in den Stollen – Nägel und Schienen der damaligen Arbeit. Die Stollen sind heute aufgebrochen, mit Hakenkreuzen beschmiert und verschmutzt, ohne einen einzigen Hinweis auf die Geschichte. Politiker kritisieren den Zustand. Der damalige Bürgermeister von Peggau, Hannes Tieber (2024 zurückgetreten), lehnt neue Gedenkinitiativen ab und zeigt, dass für ihn und die Bevölkerung die Vergangenheit keine Rolle spielt. Am Ende entdecken die Jugendlichen drei versteckte, größere und vollständig von den Häftlingen ausgebaute Stollen – die der Produktion kriegswichtiger Güter dienen sollten. Der Überlebende schildert seine schlimmsten Erlebnisse, während der Bürgermeister betont, dass es unter seiner Amtszeit keine neue Gedenkstätte geben werde.

Rezensionen

Verbunden mit dem Film und den beiden Produzenten gab es mehrere Sendungen, Zeitungsberichte und Rückmeldungen. Dazu zählten eine Sendung inklusive Interview in den Formaten „Guten Morgen mit Ö1“ und „Wissen aktuell“ auf Ö1[5], ein Interview auf Antenne Steiermark[6] sowie Berichte in der Kleinen Zeitung[7] und in Die Presse[8] und ein Gastauftritt in der ORF-III-Sendung Dialog-Forum „Wie willst du leben?“[9].

Auszeichnungen

  • Denkmalschutzmedaille der Republik Österreich
  • Tremel-Medaille[10]
  • Auszeichnung beim Berlin-Indie-Film-Festival (BIFF) in der Kategorie Best First Time Director, Documentary[11]
  • Official Selection beim Pembroke-Taparelli-Arts&Film-Festival (PTAFF) in der Kategorie Best Documentary Feature[12]

Vorstellungen

Nach der Erstveröffentlichung im April wurde der Film mehrfach national wie international präsentiert, vorgestellt und diskutiert, meist in Anwesenheit der Macher Prünster und Irmler.

  • 8. Mai 2025: Fernsehausstrahlung im ORF III[13]
  • 21. Mai 2025: Vorstellung und Diskussion mit EU-Abgeordneten im Steiermark-Haus in Brüssel[14]
  • 17. Juni 2025: Vorstellung in der Hofburg Wien[15]
  • 22. August 2025: Vorstellung im Triebwerk in Wiener Neustadt[16]
  • 16. September 2025: Vorstellung mit Schulklassen im Martinihof in Neudörfl[17]
  • 26. September 2025: Vorstellung im Museum für Geschichte Graz[18]
  • 22. Oktober 2025: Vorstellung mit Schulklassen im Votiv Kino[19]

Hintergrund

Die beiden damaligen Schüler der HTBLVA Ortweinschule Graz (Film & MultimediaArt) Fynn Prünster und Artur Irmler stießen zufällig auf den "Lost Place" in Peggau und waren, ohne genaueres über den Ort zu wissen, von ihren Eindrücken gefesselt. Sie nutzten die von der Schule gegebene Aufgabe, eine Kurzdokumentation über das Thema "Heimat" zu produzieren, um einen Film über die Stollen in Peggau zu machen.

Im Zuge ihrer Recherche fanden sie schließlich heraus, dass diese Höhlen in Peggau zum größten KZ-Außenlager der Steiermark gehörten. Gemeinsam mit der Unterstützung der Lehrer Franz Leopold Schmelzer, Bernadette Pfingstl und Wolfgang Scherz fanden sie immer mehr über die Geschichte des Außenlagers heraus, und stießen so unter anderem auf den Zeitzeugenbericht des Häftlings Jean Germaneau. Bei ihrer Vor-Ort Recherche bemerkten sie, dass die Bevölkerung in dem kleinen Ort nicht gut auf die Vergangenheit zu sprechen war, und dass hier nicht gerne darüber gesprochen wird. So kam es wiederholt vor, dass sich Bürger Peggaus vor der Kamera zu dem Thema nicht äußern wollten. Ihnen fiel immer mehr auf, dass die Gedenkkultur rund um das Lager mangelhaft war, und zeigte, wie wenig sich die Menschen und Politiker des Ortes für ihr geschichtliches Erbe interessierten. Das alles inspirierte die beiden Filmemacher und trieb sie an, eine Dokumentation mit 52 Minuten Laufzeit zu produzieren und darin zu zeigen, wie gleichgültig mit der Vergangenheit und den zahlreichen unschuldigen Todesopfern des NS-Terrors umgegangen wird. Peggau bleibt dabei aber immer nur ein Beispiel dafür, dass es in Österreich zu viele solcher Orte gibt.

Autorenfilm

Bei der Produktion haben die beiden Filmemacher alles selbst in die Hand genommen – vom vollständigen Soundtrack bis hin zur aufwendigen 3D-Animation, die das Konzentrationslager detailgetreu rekonstruiert.

Von Recherche über Dreharbeiten bis Feinschnitt – all das wurde von Prünster und Irmler eigenständig umgesetzt. Unterstützung erhielten sie lediglich bei der Set-Arbeit, der Tonmischung durch Nils Kirchhoff sowie beim Color Grading von Maximilian Thaler.

Recherche

Zur Recherche über das KZ-Außenlager verwendeten Prünster und Irmler die Diplomarbeit von Raphael Hurdax über die U-Verlagerung Marmor, die Dissertation "Fremde Trauer" von Anita Farkas, sowie die Arbeit von Joachim Hainzl. Der Zeitzeugenbericht des überlebenden Häftlings Jean Germaneau, ein französischer Polizist und Widerstandskämpfer, war essenziell für die Aufarbeitung der unmenschlichen Zustände im Lager selbst und vor allem aus der Perspektive der Häftlinge.

Einzelnachweise

  1. Programm Gedenk- und Befreiungsfeiern | Internationale Befreiungsfeier. Abgerufen am 19. April 2025.
  2. zeit.geschichte. tv.orf.at, abgerufen am 8. Mai 2025.
  3. Detail. Abgerufen am 28. April 2025 (österreichisches Deutsch).
  4. Verleihung der Denkmalschutzmedaille 2025 - Engagement für das kulturelle Erbe. Abgerufen am 14. Januar 2026.
  5. Tobias Mayr: Schülerfilm zu KZ-Außenlager Peggau ausgezeichnet. 26. November 2025, abgerufen am 14. Januar 2026.
  6. Dokumentation Projekt Marmor - Das KZ-Außenlager in Peggau - Interview mit Fynn Prünster und Artur Irmler - Antenne Steiermark. Abgerufen am 14. Januar 2026.
  7. Projekt Marmor: Zwei Schüler feiern mit Doku ORF-Premiere. 7. Mai 2025, abgerufen am 14. Januar 2026.
  8. „Projekt Marmor“: Zwei Schüler erzählen die Geschichte eines... 1. Dezember 2025, abgerufen am 14. Januar 2026.
  9. ORF Public Value - Aktuelles - PV News - DialogForum: Wie willst du leben? Abgerufen am 14. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  10. Tremel-PreisträgerInnen 2025. (PDF) In: historischerverein-stmk.at. Abgerufen am 14. Januar 2026.
  11. Winners 2025 May. Abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  12. Pembroke Taparelli Arts and Film Festival (2025). Abgerufen am 14. Januar 2026.
  13. zeit.geschichte. Abgerufen am 14. Januar 2026.
  14. Projekt Marmor / Kulturforum Brüssel | Austria Kultur International. Abgerufen am 14. Januar 2026.
  15. Filmvorführung | Projekt Marmor – verdrängt und vergessen. 17. Juni 2025, abgerufen am 14. Januar 2026.
  16. Wiener Neustadt: Junge Filmschaffende begeistern bei „Local Film Night“. 26. August 2025, abgerufen am 14. Januar 2026.
  17. Christian Artner: Filmvorführung „Projekt Marmor“ im Neudörfler Martinihof. 24. September 2025, abgerufen am 14. Januar 2026.
  18. Kalender. Abgerufen am 14. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  19. Projekt Marmor (2025). Abgerufen am 14. Januar 2026.