Profitcenter

Profitcenter (deutsch „Gewinnzentrum“) ist in der Kostenrechnung der Anglizismus für Kostenbereiche, die in einem Unternehmen unmittelbar am Markt agieren und Umsatzerlöse oder Erträge erzielen.

Allgemeines

Das Profitcenter ist eine Organisationseinheit, die für den Gewinn oder Verlust ihres Bereiches Ergebnisverantwortung trägt.[1] Jedes Profitcenter ist ermächtigt, Leistungen an beliebige Partner auf unternehmensinternen und externen Märkten zu eigenständig definierten Marktpreisen abzugeben.[2] Ein derartiger unternehmensinterner Verkauf wird dabei über die jeweilige Innerbetriebliche Leistungsverrechnung (ILV) eines Unternehmens vollzogen und abgebildet.

Profitcenter werden wie ein Unternehmen geführt, das selbständig kalkuliert und über Beschaffung, Vertrieb und Marktpreise selbst entscheidet.[3] Deshalb wird das Profitcenter als „Unternehmen im Unternehmen“ bezeichnet.

Center-Konzept

Das Center-Konzept umfasst neben dem Profitcenter auch das Costcenter und das Servicecenter. Die Personalabteilung kann beispielsweise nach dem Center-Konzept in die drei Segmente Costcenter, Servicecenter und Profitcenter aufgeteilt werden.[4] Lässt sich die Arbeitsleistung der Personalabteilung am Markt nicht absetzen, wird hieraus ein Costcenter geformt. Ist die Leistung marktfähig, soll aber auf dem externen Markt nicht angeboten werden, gehört dieser Teil zum Servicecenter. Wird dagegen die Leistung auf dem externen Markt angeboten, gehört dieser Bereich zum Profitcenter.

Einige Autoren erweitern das Center-Konzept um Revenue-Center[5] und Investmentcenter.[6]

Wirtschaftliche Aspekte

Profitcenter kommen überwiegend in Spartenorganisationen vor, wo es weitgehend autonome Geschäftsbereiche gibt. Die Sparten werden als relativ selbständige Einheiten geführt, die Spartenleiter planen ihre Geschäfte innerhalb einer vorgegebenen Rechnungsperiode selbst. Es wird für jede Sparte ein eigener Gewinn ermittelt und zur Beurteilung und Steuerung der Sparte herangezogen. Allerdings ist dabei sicherzustellen, dass über die jeweilige Innerbetriebliche Leistungsverrechnung (ILV) des Unternehmens auch stets vollständig alle zentral entstandenen Kosten, wie die einer zentralen IT-Abteilung des Unternehmens oder Kosten von zentralen umfangreichen IT-Dienstleistungen wie beispielsweise Cloud-Dienste, dabei auch sachgerecht und zu jeweils angemessenen Beträgen berücksichtigt sind. Werden in der ILV teilweise unangemessene, d. h. zu hohe oder zu geringe Beträge verrechnet, so kann dadurch das Ergebnis signifikant beeinflusst werden und somit gar zum Ausweis eines Verlusts anstatt eines Gewinns eines Profitcenters oder umgekehrt führen. In gewissem Umfang ist ein solcher Verrechnungsspielraum aber auch zulässig und gelebte Praxis, so dass verbreitet dafür in diesem Kontext der Begriff der „Kreativen Buchführung“[7][8] genutzt wird. Spürbare Relevanz hat dieser Umstand[7] auch im Rahmen von Unternehmens-Steuerpflichtigkeit, so dass im Extremfall große international agierende Konzerne unter gewissen Umständen ihre Steuerschuld sehr stark bzw. gar „auf Null“ drücken können.

Zielgrößen des Profitcenters sind der Gewinn, der Deckungsbeitrag oder als relative Größe der Return on Investment.[9] Da mit diesen Zielgrößen auch die Kosten verbunden sind, trägt das Profitcenter auch Verantwortung für die Kosten.[10] Dies unterscheidet das Profitcenter von einer reinen Kostenstelle, die ausschließlich Kostenverantwortung übernimmt.

Neben der Gewinn- und Verlustrechnung wird im Rahmen der Profitcenter-Rechnung (abgekürzt: PCR, PRCTR) manchmal auch auf der Ebene einzelner Profitcenter eine Bilanz aufgestellt. Während das Cost- und Servicecenter bei kleinen und mittleren Unternehmen angewandt werden kann, eignet sich das Profitcenter eher nur für Großunternehmen.[11]

Benchmarking und Boni

Profitcenter-Kalkulationen werden auch verbreitet für Benchmarking Zwecke eingesetzt, insbesondere um Aussagen für Verbesserungspotentiale und über aktuell eine bestehende Wettbewerbs- bzw. Konkurrenzfähigkeit gegenüber Mitbewerberunternehmen zu erhalten. In diesem Zusammenhang werden dann verschiedenste Kennzahlen, wie zum Beispiel die Anzahl an Vollkräften (VK), ins Verhältnis zu Profitcenter Ergebnisse gesetzt.

Des Weiteren werden neben dem Zweck einer Arbeitsmotivation der Mitarbeiter, die für ihre Gewinne verantwortlich sind und unternehmerisch handeln können und darauf aufbauend auch unter Umständen je nach Arbeitsvertrag zusätzliche Bonus-Gehaltszahlungen (Boni) vom Unternehmen erhalten, die Profitcenter-Kalkulation dazu genutzt werden, gewinnbringende Unternehmensbereiche von Verlustbringern zu unterscheiden. Ein Herunterbrechen von Ergebnisbeiträgen auf einzelne Mitarbeiter, um den „Gewinnbeitrag“ jedes Mitarbeiters herauszufinden, ist indes nur möglich, wenn die Ergebnisse eines einzelnen Mitarbeiters einzeln erfasst werden können (Ertrag- und Kostenseite); in Deutschland ist dies nur unter Beachtung des Betriebsverfassungsgesetzes und des Bundesdatenschutzgesetzes zu realisieren.

Siehe auch

Literatur

  • Michael Reichhardt: Kosten- und Leistungsrechnung. Springer Gabler, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-42233-2, S. 53–54.

Einzelnachweise

  1. Walther Busse von Colbe / Nils Crasselt / Bernhard Pellens (Hrsg.), Lexikon des Rechnungswesens, 2011, S. 602
  2. Klaus Spremann/Oliver P. Pfeil/Stefan Weckbach, Lexikon Value-Management, 2001, S. 79
  3. Rüdiger Pieper, Lexikon Management, 1992, S. 301
  4. Silke Wickel-Kirsch / Matthias Janusch / Elke Knorr, Personalwirtschaft, 2008, S. 136 f.
  5. Ralf Ewert / Alfred Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, Berlin, 2008, S. 401
  6. Franz Xaver Bea / Elisabeth Göbel, Organisation: Theorie und Gestaltung, 2. Auflage, Lucius und Lucius, Stuttgart, 2002, S. 384; ISBN 3-8252-2077-X
  7. a b "Kreative Buchführung": Ein rechtlicher Ansatz zur Gewinnsteuerung. thalia.de, 29. September 2024, abgerufen am 11. Januar 2026.
  8. Gisela Haupt: Kreative Buchführung : wie Sie als Kaufmann alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen können. portal.dnb.de - Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, 29. September 2024, abgerufen am 11. Januar 2026.
  9. Rüdiger Pieper, Lexikon Management, 1992, S. 301
  10. Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft, 2014, S. 452
  11. Silke Wickel-Kirsch/Matthias Janusch/Elke Knorr, Personalwirtschaft, 2008, S. 137