Prater (Essen)
| Prater | |||
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Prater, Haupteingang | |||
| Ort | Essen-Rüttenscheid | ||
| Eröffnung | 15. Mai 1926 | ||
| Schließung | 5. Oktober 1930 | ||
| Besucher | 500.000 je Saison[1] | ||
| Fläche | ca. 35.000 Quadratmeter | ||
| Personal | ca. 400[1] | ||
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Koordinaten: 51° 25′ 39″ N, 6° 59′ 36″ O
Der Prater in Essen war in den Jahren 1926 bis 1930 ein Freizeitpark im Stadtteil Rüttenscheid. Er befand sich im südwestlichen Winkel der Kreuzung von Norbert- und Lührmannstraße. Dieser Bereich ist heute von Teilen der Messe Essen bedeckt.
Geschichte
Ursprung
Der private Gemeinnützige Verein zur Verwertung des Essener Ausstellungsgeländes GmbH erwarb ein den damaligen Ausstellungshallen der so genannten Gewerbeschau nahes Grundstück an der Norbertstraße. Die damaligen Ausstellungshallen befanden sich auf und um das Grundstück der heutigen Grugahalle und waren Vorgänger der heutigen Messe Essen. Oft war damaligen Ausstellungen eine Kirmes angegliedert, um die Ausstellungsattraktivität zu erhöhen. Aber diese hatten meist nicht genug Zugkraft. Nach wirtschaftlichem Wiederaufstieg wandte sich die Stadt Essen einer planmäßigen Kongress- und Ausstellungspolitik zu. Nach Erfahrungen anderer Städte erachtete man es als unerlässlich, einen ständigen Vergnügungspark zu errichten, um ihn den Ausstellungen anzugliedern. Der genannte gemeinnützige Verein schloss mit einem Unternehmen einen Vertrag, worin dieses sich verpflichtete, auf dem noch unerschlossenen Gelände einen Vergnügungspark zu errichten. Mit erheblichen Mitteln, die allein dieses Unternehmen trug, wurde der Bereich befestigt und eingefriedet und mit Versorgungsleitungen für Wasser und Strom sowie einer Kanalisation versehen. Danach wurde mit der Errichtung von Gebäuden und den Attraktionen begonnen.
Zur Namensfindung des Freizeitparks an den Ausstellungshallen gab es ein Preisausschreiben. Unter den zahlreichen Einsendungen wählte ein Ausschuss den Namen Prater. Er lehnte sich an die damals wohl älteste und größte Vergnügungsstätte Europas an, den Wiener Prater, der nun als Urahn des Essener Freizeitparks galt. Das Los entschied sich für den Preisträger. Doch das Parkunternehmen entschied, jedem Teilnehmer eine Familienkarte für die Saison 1926 zum kostenfreien Eintritt in den Essener Prater zu spendieren.[2] In Zeitungsanzeigen warb der Prater später als Westdeutschlands größter Unterhaltungs-Park und billigste Vergnügungsstätte dieser Art in Deutschland.
Eröffnung und Charakter
Die offizielle Parkeröffnung wurde vom 1. Mai 1926 auf den 15. Mai des Jahres verschoben. Sie fand ab 16 Uhr bei verregnetem Wetter durch den Parkdirektor Adolf Holländer statt.[3] Der Eintrittspreis betrug 20 Pfennige, eine Saisonkarte (Mai bis September) kostete 5 Mark. Die Nutzung einiger Attraktionen kostete extra. Im Zillertal mussten für ein Bier 60 und für einen Rettich 50 Pfennige bezahlt werden.[4] Im Juli 1926 wurden die Preise für die Wasserrutsch- und die Gebirgsbahn gesenkt, um die Vergnügungsstätte mehr der breiten Masse zugänglich zu machen.[5]
Das Gelände des Praters umfasste rund 35.000 Quadratmeter. Hier wurden im Frühjahr 1926 verschiedene massive Gebäude und Attraktionen nach Plänen des Essener Architekten Adam Weinhag errichtet. Darunter das Zillertal, ein aufwendig gestalteter bayrischer Alpengasthof, in dem bei Schuhplattlertänzen und später einem schweizerischen Alphornbläser bayrisches Bier und bayrische Würstchen verzehrt werden konnten. Des Weiteren gab es das Hauptrestaurant, ein Biedermeier-Restaurant mit künstlerischen Vorführungen und eine Wasserrutschbahn in einen See, eine Gebirgsbahn, eine Reithalle, ein Motodrom und in der nordwestlichen Ecke des Praters das Lilliput – die Stadt der Zwerge. Letztere zeigte etwa 50 kleinwüchsige Menschen aus unterschiedlichen Ländern in einer Dorfgemeinschaft. Sie unterhielten als Akrobaten, Humoristen, Kunstreiter und Ringkämpfer das Publikum. Ein Parkorchester spielte unter der Leitung des Militärmusikers und Obermusikmeisters Schmidt-Fellenberg.[6][7][8]
Am 7. April 1928, dem Samstag vor Ostern, eröffnete der Prater zur neuen Saison mit neuen Attraktionen. Darunter war die so genannte Opel-Autobahn, in der sieben neue Opel 4/16 zur Verfügung standen, die man unter Anleitung eines Fahrlehrers ohne Führerschein fahren konnte. Neu war auf einer von einem Wassergraben umgebenen Insel das Affenparadies, in dem rund 100 Rhesusaffen die Besucher unterhalten sollten. Zudem hatten diverse Gebäude im Park einen neuen, bunten Anstrich erhalten. Daran war der Architekt Henning in Zusammenarbeit mit dem Parkdirektor Adolf Holländer verantwortlich. Auch die verschiedenen Parkgaststätten wie das Ka-Ka-Du-Kabarett (Tanzpalast und Bar), das Mondcafé, die Bierklause, das Heidelberger Faß, die Reitbahn und das Hauptrestaurant erhielten ein neues Gewand. Eine Parkkapelle spielte unter der Leitung des Musikdirektors Winziger.[9][10] 1928 wurden Dauerkarten für alle Sonderveranstaltungen für 3 Reichsmark angeboten.[11] Zur Saison 1929 wurde der Prater unter anderem um eine große Blumenuhr ergänzt.
Im Jahr 1930 eröffnete der Prater zum fünften Mal am Ostersamstag die Saison. Erheblich erweitert worden war der Park um diverse elektrische Lichtinstallationen. Zudem erhielt die Blumenuhr ein Glockenspiel, das viertelstündlich wechselnde Volkslieder spielte.[12] Auf der Bühne eines Musikpavillons spielte nun unter anderem eine 16-köpfige Jazzkapelle, zu der getanzt werden konnte. Abends gab es hier täglich Varieté-Darbietungen. In einem neuen Hydrodrom zogen Boote in einem Wasserbassin mit beleuchtetem Wasserfall ihre Kreise. Auch ein Wolkenflug war neu, bei dem sich kreisende Flugzeuge hoben und senkten.[13] Am zweiten Ostertag wurde die Besucherzahl auf 25.000 geschätzt.[14] Man veranstaltete so genannte Werbetage, bei denen ein ermäßigter Eintrittspreis von 10 Pfennigen galt.[15]
Schließung 1930
Am 5. Oktober 1930 wurde der Prater nach einem Feuerwerk, das zuletzt jeden Sonntag stattfand, geschlossen. Am 6. Oktober des Jahres folgte ein Kehraus der Pratergaststätten und der Abschied der Freunde und Gönner des Parks.[16] Zu diesem Zeitpunkt war es wahrscheinlich, dass der Prater im nächsten Jahr nicht wieder eröffnet werden kann. Denn das Grundstück des Freizeitparks war inzwischen auf die evangelische Kirchengemeinde Essen-Altstadt übergegangen. Das allerdings war noch nicht von den Behörden genehmigt, da die Gemeinde auch den Bauplatz für die noch zu errichtende Huyssens-Stiftung erworben hatte. Bliebe die Genehmigung weiter aus, müsste sich die Gemeinde nach einem Käufer umsehen oder es der Familie Krupp zurückgeben.[17] Im November 1930 waren die Bauten und Attraktionen des Praters bereits abgerissen.[18] Das gegen die Essener Vergnügungsunternehmen GmbH, Vergnügungspark Prater, verhängte Konkursverfahren ist im Dezember 1930 eingestellt worden, weil in der Zeit der Weltwirtschaftskrise eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Konkursmasse nicht vorhanden war.[19]
Einzelnachweise
- ↑ a b Der Prater am Ende. In: Essener Allgemeine Zeitung vom 5. Oktober 1930
- ↑ Der Prater in Essen. In: Essener Allgemeine Zeitung vom 2. April 1926
- ↑ Der Prater vor der Eröffnung. In: Essener Anzeiger vom 8. Mai 1926
- ↑ Der Prater in Essen. In: Essener Volkszeitung vom 15. Mai 1926
- ↑ Essener Prater. In: Essener Volkszeitung vom 11. Juli 1926
- ↑ Vom Essener Prater. In: Essener Volkszeitung vom 23. April 1926
- ↑ Eine billige Volksvergnügungsstätte?. In: Essener Volkszeitung vom 6. Juni 1926
- ↑ Frühling im Ausstellungsgelände. In: Essener Anzeiger vom 25. März 1926
- ↑ Ein Affenparadies im Essener Prater. In: Essener Volkszeitung vom 25. März 1928
- ↑ Wiedereröffnung des Essener Praters. In: Essener Volkszeitung vom 10. April 1928
- ↑ Anzeige in der Essener Volkszeitung vom 3. April 1928
- ↑ Die Riesenblumenuhr im Essener Prater. In: Essener Anzeiger vom 5. Juli 1930
- ↑ Der Essener Prater. In: Essener Volkszeitung vom 20. April 1930
- ↑ Erfolgreiches Frei-Varieté im Prater. In: Essener Volkszeitung vom 25. April 1930
- ↑ Heute billiger Tag im Prater. In: Essener Anzeiger vom 4. Juli 1930
- ↑ Heute letzter Tag des Essener Praters. In: Essener Volkszeitung vom 5. Oktober 1930
- ↑ Essener Prater Ade!. In: Essener Anzeiger vom 5. Oktober 1930
- ↑ Essener Anzeiger vom 23. November 1930
- ↑ Zahlungsschwierigkeiten. In: Essener Anzeiger vom 31. Dezember 1930