Prästabilierte Harmonie
Der Begriff prästabilierte Harmonie bezieht sich auf einen zentralen Gedanken der Philosophie von Gottfried Wilhelm Leibniz. Er bezeichnet eine im Voraus festgelegte Übereinstimmung (bzw. im Voraus festgestellte Einheit) der Beziehungen sowohl zwischen den einzelnen Dingen (Monaden) als auch zwischen Seele und Leib.[1] Ursprünglich diente der Begriff der Erklärung des Leib-Seele-Problems, wurde später jedoch allgemeiner als Ausdruck einer allen Dingen innewohnenden Ordnung verstanden – insofern diese nicht durch Kausalzusammenhänge bestimmt ist. Diese Ordnung, so Leibniz, sei von Gott so eingerichtet worden, dass ein harmonischer, paralleler Ablauf der Vorgänge stattfinde – vergleichbar mit zwei exakt aufeinander abgestimmten Uhren (Uhrengleichnis), die synchron laufen, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
Damit vertritt Leibniz einen starken Determinismus ab initio. Da beide Bereiche parallel verlaufen, erscheint es uns nur so, dass der eine (z. B. geistige) Bereich auf den anderen (z. B. körperlichen) einwirkt. Dieser Eindruck der Wechselwirkung zwischen Substanzen sei aber falsch und verletze die Gesetze des jeweiligen Substanzbereichs. Dies hat auch bei Leibniz Konsequenzen für das Freiheitsthema.
Literatur
- Thomas Leinkauf: Prästabilierte Harmonie (§§ 78–81, 87), in: Hubertus Busche (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie. Band 34 der Reihe Klassiker Auslegen. Akademie Verlag, Berlin 2009. S. 197–209.
- Falk Wunderlich: Meiers Verteidigung der prästabilierten Harmonie, in: Frank Grunert, Gideon Stiening (Hrsg.): Georg Friedrich Meier (1718–1777): Philosophie als „wahre Weltweisheit“. De Gruyter, Berlin, München, Boston 2015. S. 113–122.
Einzelnachweise
- ↑ Prästabilierte Harmonie. In: Metzler Lexikon Philosophie. Spektrum der Wissenschaft, abgerufen am 25. Oktober 2025.