Postbank-Hochhaus (Berlin)

Postbank-Hochhaus Berlin
Postbank-Hochhaus in Berlin-Kreuzberg (2009)
Basisdaten
Ort: Berlin-Kreuzberg
Bauzeit: 1965–1971
Baustil: Internationaler Stil
Architekt: Prosper Lemoine
Koordinaten: 52° 29′ 58,7″ N, 13° 23′ 1,2″ O
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Bürogebäude
Technische Daten
Höhe: 89 m
Etagen: 23
Baustoff: Stahlbeton, Stahl, Fassade aus Glas
Höhenvergleich
Berlin: 17. (Liste)
Anschrift
Stadt: Berlin
Land: Deutschland

Das heutige Postbank-Hochhaus (früher: Postscheckamt Berlin West [Bln W], seit 1985: Postgiroamt Berlin) ist ein Hochhaus der Postbank am Halleschen Ufer 40–60 und der Großbeerenstraße 2 im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Es hat 23 Geschosse und gehört mit einer Höhe von 89 Metern zu den höchsten Gebäuden in Berlin.

Geschichte und Entstehung

Das Berliner Postscheckamt war ab 1909 in einem Neubau in der Dorotheenstraße 29 (heute: 84), der einen Teil der ehemaligen Markthalle IV integrierte, untergebracht und war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs für den Bereich der Städte Berlin, Frankfurt (Oder), Potsdam, Magdeburg und Stettin zuständig. Aufgrund der Deutschen Teilung wurde das Postscheckamt in der Dorotheenstraße nur noch von der Deutschen Post der DDR genutzt. Für den Westteil Berlins gab es damit zunächst kein eigenes Postscheckamt, daher wurde dort 1948 das Postscheckamt West eröffnet.

Nach den Plänen des Oberpostdirektors Prosper Lemoine wurde von 1965 bis 1971 das Gebäude des Postscheckamtes Berlin West errichtet. 2014 kaufte die CG Gruppe das Gebäude von der Postbank, die das Gebäude als Mieter bis Mitte 2016 weiternutzte. Nach dem Auszug der Postbank sollte das Hochhaus saniert und zu einem Wohn- und Hotelkomplex umgebaut werden.[1]

Die CG-Gruppe um Christoph Gröner stieg 2019 aus dem Projekt aus,[2] nachdem ein Streit um dessen Umsetzung zuvor beigelegt worden war[3] und wohnungspolitische Forderungen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und dessen Baustadtrates Florian Schmidt durchgesetzt werden konnten.

Berlins größte landeseigene Wohnungsgesellschaft Degewo und die Kölner Firma Art-Invest Real Estate haben inzwischen das Areal um das ehemalige Postscheckamt erworben. Durch die Degewo werden im hinteren, kanal­abgewandten Teil des Geländes 311 Wohnungen in sechs Neubauten errichtet.[4]

Der vordere, kanalseitige Teil des Geländes wird unter dem Namen Die Macherei Berlin-Kreuzberg weiterhin gewerblich genutzt werden. Dazu werden die bestehenden Flachbauten abgerissen, das bestehende Hochhaus saniert und um zwei Neubauten ergänzt. Der erste Spatenstich erfolgte am 18. März 2021.[5]

Architektur

Das im Internationalen Stil gebaute Hochhaus besitzt eine Aluminium-Glas-Fassade. Die Gestaltung der Fassade orientiert sich an Mies van der Rohes Seagram Building in New York.

Zu dem Gebäude gehörten zwei Anbauten. In dem zweigeschossigen Flachbau waren ein Rechenzentrum und die Schalterhalle, in dem sechsgeschossiges Gebäude ein Heizwerk und eine Werkstatt untergebracht. Vor dem Hochhaus befindet sich der Große Brunnen von Gottfried Gruner. Er besteht aus 18 Säulen aus Bronze und wurde 1972 in Betrieb genommen.

Am 18. März 2021 erfolgte der Spatenstich für das Areal Die Macherei Berlin-Kreuzberg, das innerhalb von rund drei Jahren in ein urbanes Quartier transformiert wird. Auf der rund 20.000 m² großen Grundstücksfläche sollen neben öffentlichen Plätzen drei Gebäude unterschiedlicher Architektur-Sprachen entstehen, entworfen von Berliner Architekturbüros. Insgesamt soll das nach dem Masterplan von Sauerbruch Hutton entwickelte Areal über mehr als 74.600 m² Brutto-Grundfläche verfügen. Aufgeteilt ist das Areal in drei Gebäudekomplexe.

Der erste Bauabschnitt ist das von KEC gestaltete „M40“ (nach der Hausnummer am Halleschen Ufer) im östlichen Grundstücksteil. Es soll neben Büro- auch Tagungs- und Eventflächen sowie Gastronomie und einen Rewe-Supermarkt beherbergen und besteht teilweise aus Holz. Dieses Gebäude soll ein biogasbetriebenes Blockheizkraftwerk erhalten, während die anderen mit Fernwärme versorgt werden.[6] Hinter dem Gebäude entsteht ein zusätzliches Wohnhaus unter dem Namen „UrbanLiving“.

Der zweite Bauabschnitt entsteht auf dem westlichen Grundstücksteil mit dem von Sauerbruch Hutton selbst entworfenen Neubau „M60“. Der Bauherr gibt an, dank Photovoltaiktechnik solle das Gebäude eines der ersten klimaneutralen Bürohäuser „dieser Größe“ in Deutschland werden.[7]

Der dritte und letzte Bauabschnitt besteht aus dem zentralen Hochhaus, das unter dem Namen „M50“ nach Plänen des Büros Eike Becker umgebaut und energetisch saniert wird.

UKW-Sender

Im Postbank-Hochhaus befanden sich bis zum Umzug nach Schöneberg am 19. Mai 2016 mehrere UKW-Sender, die von Media Broadcast betrieben wurden. Die Deutsche Funkturm (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, stellt dafür Standorte wie das Berliner Postbank-Hochhaus bereit. Über die Antennenträger auf dem Dach wurden u. a. folgende Hörfunkprogramme auf Ultrakurzwelle ausgestrahlt:

Vor dem Mauerfall diente das Hochhaus auch als Standort für die West-Berliner Privatsender Hundert,6 und Radio 100.

Drehort

Seit der im Mai 2019 erstmals ausgestrahlten Folge Der gute Weg der Fernsehserie Tatort dient das Gebäude dem Ermittlerteam Rubin und Karow als Polizeidienststelle.[8]

Siehe auch

Literatur

  • Vom Amt aus gesehen – Postscheckamt Berlin West (Prosper Lemoine). In: Bauwelt, 43/1971 (Thema: Verwaltungsgebäude).
Commons: Postbank (Berlin) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karin Schmidl: Kreuzberg: Wohnen im Postbank-Tower. In: Berliner Zeitung. 7. Februar 2014, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  2. Ralf Schönball: Bauprojekt Postscheckamt: Investor zieht sich zurück. In: Der Tagesspiegel. 14. Januar 2019, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  3. Ralf Schönball: Streit um Postscheckamt beigelegt. In: Der Tagesspiegel. 8. November 2018, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  4. Wohnen in Berlin-Kreuzberg: Degewo und Art-Invest kaufen Postscheckamt. In: Der Tagesspiegel. 16. August 2019, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  5. Corinna von Bodisco: Wohnungen und eine Bar auf dem Dach: Umbau des Postscheckamt-Areals in Berlin startet. In: Der Tagesspiegel. 23. März 2021, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  6. Reinhart Bünger: Postbank Tower in Kreuzberg: Neustart mit Tartanbahn. In: Der Tagesspiegel. 4. Juli 2022, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  7. Die Macherei Berlin-Kreuzberg. Projektseite. Art-Invest Real Estate Management GmbH & Co. KG, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  8. Jörg Baumgarten: Ein neuer Drehort für das Polizei-Revier. In: rbb-online.de. RBB, abgerufen am 23. Oktober 2020.