Postamt (Słupsk)

Postamt Stolp

Poczta Polska, 2014

Daten
Ort Słupsk, ul. Ignacego Lukasiewicza / ul. Mikolajska
Architekt August Kind
Baustil Neogotik
Baujahr 1876–1879
Koordinaten 54° 27′ 55,5″ N, 17° 1′ 50,1″ O
Besonderheiten
Baudenkmal Nr. 739799

Das Postamt in Słupsk (dt. Stolp in Pommern) wurde 1876–1879 im Stil der Neogotik erbaut. Es liegt gegenüber der Marienkirche[1] an der Ecke ul. Ignacego Lukasiewicza (ehem. Predigerstraße) / ul. Mikolajska (ehem. Butterstraße) in der Altstadt. Das Gebäude steht seit dem 15. April 1987 unter Denkmalschutz (Nr. A-1159).

Geschichte

Vor dem Umzug befand sich das Postamt der Stadt 1814 an der Mittelstraße (heutige ul. Mikołajska). Dort waren drei bis fünf Mitarbeiter beschäftigt. Vom Postamt ging die Wagen- und Kutschenpost auf die Strecken Stettin – Danzig und Königsberg. Das Gebäude wechselte mehrfach seinen Besitzer und erst im 19. Jahrhundert mit wachsender Einwohnerzahl zu klein für den Postbetrieb.

Gebäude

Der Architekt und Baubeamte August Kind, Vorstand der neu geschaffenen Bauabteilung im Generalpostamt (ab 1880 Reichspostamt) in Berlin, entwarf mit diesem Bau das Postamt im Geburtsort seines obersten Dienstherren, Generalpostmeister Heinrich Stephan. Zunächst erwarb die Reichspost-Verwaltung die notwendigen Grundstücke mit insgesamt 840 m². „Auf der so beschafften Grundfläche ist der Neubau nach einem vom bautechnischen Mitgliede der obersten Post- und Telegraphenverwaltung entworfenen Plane in zwei Abschnitten, trotz mannigfacher Hindernisse, seit dem Frühjahr 1878 derart gefördert worden, daß die Einweihung und Inbetriebnahme der gesammten Räume am 20. November d. J. stattfinden konnte.“[2][3]

Die allgemeine Bauleitung hatte Postbaurat Wolff von der Oberpostdirektion Stettin inne, während die „Spezialbauleitung“ in den Händen des Architekten Fleßburg lag. Mit Ausnahme des Dielenbodens und der Fenster (aus amerikanischem Kiefernholz) sowie der Dachdeckung in englischem Schiefer wurden nur einheimische Materialien verwendet – und überwiegend auch von einheimischen Unternehmern verbaut.

Das Gebäude wurde als Mauerwerks-Massivbau mit zwei Hauptgeschossen erbaut und stand gegenüber der evangelischen Marienkirche an der Ecke Butterstraße / Predigerstraße. Deshalb wurde „in Rücksicht auf diese Nachbarschaft (...) die Fassadengestaltung nach Anweisung des General-Postmeisters in der Art der mittelalterlichen gothischen Backsteinbauwerke mit Giebelentwicklung und Fialenbildung in den Risaliten ausgeführt“.[2]

Der Haupteingang an der Gebäudeecke wurde durch einen Turmaufbau mit Uhr „mit transparent gefertigten Zifferblatt“ besonders hervorgehoben. In der Giebelfüllung des Turms war das Reichswappen eingelassen. Farblich wurde ein stimmungsvolles Wechselspiel von gelblich-roten Verblendern und dunkelgrün glasierten Formsteinen für Gesimse und andere Gliederungselemente erreicht, während das Dach wechselnde Schieferplatten von roter und blauer Farbe aufweist. Im Erdgeschoss lagen die Postdiensträume (Schalterhalle, Packraum, Vorsteherbüro, Briefverteilungsraum etc.), im Obergeschoss die Telegraphenstelle sowie die das Büro des Vorstehers und im Dachgeschoss zwei Dienstwohnungen für Unterbeamte. „Die innere Einrichtung ist eine solide mit Ausschluß jedes Luxus zu nennen. Eine reichere Ausstattung ist in der Schalterhalle durch eine geschickte Anordnung der Schalterfenster, einer hübschen Holzdecke, diese mit einem maßvollen, jedoch in satten Tönen gehaltenen Farbenspiel, angewendet.“[2]

Zur Einweihung des Gebäudes am 20. November 1879 kam auch Generalpostmeister Heinrich Stephan persönlich in seine Heimatstadt Stolp. Am Vormittag fand die feierliche Eröffnung des Postgebäudes statt und am Nachmittag schloss sich ein feierliches Bankett an.

Das Gebäude überdauerte die Zeit und wird bis heute durch die Polnische Post genutzt.[4] Zum 100. Todestag von Heinrich Stephan wurde 1979 in der Schalterhalle eine Gedenktafel enthüllt.

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Einzelnachweise

  1. Katholische Kirche
  2. a b c Die Einweihung des Post- und Telegraphen-Gebäudes in Stolp in Pommern. In: Archiv für Post und Telegraphie, 7. Jahrgang 1879, S. 760–769. (Digitalisat)
  3. Über das neue Post- und Telegraphen-Gebäude in Stolp. In: Deutsche Bauzeitung, 13. Jahrgang 1879, Nr. 104 (vom 31. Dezember 1879), S. 535 (Zusammenfassung des Artikels aus dem Archiv für Post und Telegraphie in der Rubrik Bau-Chronik).
  4. Bilder des Gebäudes von Außen