Porträt einer Dame (Sandro Botticelli)

Porträt einer Dame
Sandro Botticelli, 1475–1480
Tempera auf Pappelholz
47,5 × 35 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Gemäldegalerie zu Berlin
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Das Porträt einer Dame ist ein Tafelbild, das dem Florentiner Maler Sandro Botticelli bzw. seiner Werkstatt zugeschrieben wird. Es ist wahrscheinlich zwischen 1475 und 1480 entstanden. Das Bild befindet sich in der Gemäldegalerie in Berlin. Die im Profil dargestellte Frau ist nicht identifiziert, wird aber in der Forschung seit langem mit der Florentinerin Simonetta Vespucci identifiziert.

Material und Technik

Das Gemälde wurde mit Tempera-Farben auf einer grundierten Pappelholz-Tafel mit den Maßen 47,5 × 35 cm ausgeführt.

Beschreibung

Das Porträt zeigt das Profil einer jungen Frau, die sich in einem dunklen Raum vor einem Fenster befindet. Es handelt sich möglicherweise um ein Idealbildnis. Die Dargestellte hat feminine Gesichtszüge, einen schlanken Hals, eine hohe Stirn und einen makellosen Teint. Sie besitzt eine aufwendige Frisur mit Perlen und Bändern, die die Haare und geflochtene Zöpfe zusammenhalten. Der prächtige Haarschmuck wurde von Botticelli auch in mythologischen Darstellungen von Nymphen verwendet. Die Frau trägt ein zeitgenössisches rotes Kleid mit schwarzem Mittelteil.

Ikonographie

Weibliches Idealbildnis
Sandro Botticelli, 1475–1480
Tempera auf Pappelholz
82 × 54 cm
Städel Museum, Frankfurt am Main

Wilhelm von Bode vermutete, dass es sich um ein Phantasiestück Botticellis handele, da der Maler immer wieder denselben idealisierten Frauentypus in den Darstellungen der Muttergottes und der Venus verwendete.[1]

Die zarten Gesichtszüge werden häufig in allegorischen Porträtdarstellungen von Botticelli verwendet und galten als eine Idealvorstellung von Weiblichkeit. Erhalten sind drei weitere Versionen mit Abweichungen in Haartracht und Kleidung, die durch die Forschungen des Kunsthistorikers Aby Warburg mit Simonetta Vespucci verknüpft werden. Warburg erkannte in dem Gesicht der jungen Frau Simonetta Vespucci, die zu der Zeit als schönste Frau von Florenz galt.[2][3]

Ein heute im Städel-Museum in Frankfurt am Main aufbewahrtes Gemälde Botticellis zeigt – möglicherweise – ebenfalls Simonetta Vespucci, hier jedoch in der mythologischen Verkleidung als Nymphe. Die Frau trägt hier einen Cameo-Anhänger, der sich in der Zeit im Besitz der Medici-Familie befand. Die neuere Forschung sieht in dem Gemälde allerdings eher ein Idealbildnis als ein konkretes Porträt.

Zuschreibung

Bis heute wird die Eigenhändigkeit Botticellis bei der Ausführung des Gemäldes in der Forschung diskutiert. Der italienische Kunsthistoriker Giovanni Morelli beschrieb es als Produkt des Malers selbst, während Wilhelm von Bode, Kunsthistoriker und Leiter der Gemäldegalerie zu Berlin von 1890 bis 1905, das Gemälde als Werkstattarbeit bezeichnete.[4]

Provenienz

Das Gemälde könnte, wie auch Botticellis Primavera und Geburt der Venus, eine Auftragsarbeit für Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medicis Villa di Castello gewesen sein und damit eine Hommage an die Liebe von Giuliano di Piero de’ Medicis zu Simonetta Vespucci.

Das Bildnis wurde 1875 aus dem Palazzo Medici Riccardi von dem Kunsthändler Stefano Bardini in Florenz für die Gemäldegalerie zu Berlin erworben.[5] Es wurde damals mit einem weiteren Porträt der Simonetta Vespucci identifiziert, das Giorgio Vasari in seiner Vita des Malers Sandro Botticelli erwähnt.[6]

Literatur

  • Barbara Deimling: Sandro Botticelli, Köln 2004, ISBN 978-3-8228-9607-5.
  • Ana Debenedetti, Caroline Elam (Hrsg.): Botticelli Past and Present, UCL Press, 2019, online.
  • Mark Evans, Stephan Weppelmann, Ana Debenedetti, Ruben Rebmann (Hrsg.): The Botticelli Renaissance. Ausst. Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin 2015–2016, Berlin 2015, ISBN 978-3-7774-2370-8.
  • Hans Körner: Botticelli, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-8321-7316-6.
  • Hans Körner: Simonetta Vespucci und der Liebesdiskurs in der Florentiner Frührenaissance. In: Jörn Steigerwald, Valeska von Rosen (Hrsg.): Amor sacro e profano. Modelle und Modellierungen der Liebe in Literatur und Malerei der italienischen Renaissance, Wiesbaden 2012.
  • Hans Körner: Nackte Körper vor schwarzen Hintergrund. Die Folgen von Sandro Botticellis schaumgeborener Venus. In: Hans Körner, Sandra Abend (Hrsg.): Vor-bilder. Ikonen der Kulturgeschichte: vom Faustkeil über Botticellis Venus bis John Wayne, München 2015.
  • Hans Körner: „Piu femmine gnude bellissime“. Entkontextualisierung als künstlerische und ökonomische Strategie im Werk von Sandro Botticelli, Florenz 2015.
  • Ronald W. Lightbrown: Sandro Botticelli. Leben und Werk, Hirmer Verlag, München 1989, ISBN 3-7774-5150-9.
  • Frank Zöllner: Sandro Botticelli, Prestel Verlag, München 2015, ISBN 978-3-7913-8193-0.

Einzelnachweise

  1. Gemäldegalerie zu Berlin (Hrsg.): The Botticelli Renaissance. Berlin 2015, ISBN 978-3-7774-2370-8, S. 309–310.
  2. Vespucci, Simonetta nell’Enciclopedia Treccani. Abgerufen am 24. Juni 2020 (italienisch).
  3. Gemäldegalerie zu Berlin (Hrsg.): The Botticelli Renaissance. Berlin 2015, ISBN 978-3-7774-2370-8, S. 311.
  4. Gemäldegalerie zu Berlin (Hrsg.): The Botticelli Renaissance. Berlin 2015, ISBN 978-3-7774-2370-8, S. 309.
  5. Profilbildnis einer jungen Frau (Simonetta Vespucci?). In: Staatliche Museen zu Berlin auf der Webseite museum-digital. Abgerufen am 14. Juli 2020.
  6. Profilbildnis einer jungen Frau (Simonetta Vespucci?). In: Staatliche Museen zu Berlin auf der Webseite museum-digital. Abgerufen am 14. Juli 2020.